Herbstlohnrunde
KV-Verhandlungen auch im Handel vorerst gescheitert
- Die erste Runde der KV-Verhandlungen wurde am Dienstag abgebrochen.
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Aufgrund der hohen Inflation und der wirtschaftlichen Lage verlief der Start der Herbstlohnrunde äußerst holprig. Nachdem bereits die Metaller landesweite Betriebsversammlungen einberufen hatten und mit Warnstreiks drohten, wurden am Dienstag auch die Kollektivvertragsverhandlungen im Handel abgebrochen. Nachdem die Gewerkschaft eine Gehaltserhöhung von elf Prozent sowie ein Rahmenpaket inklusive Arbeitszeitverkürzung verlangt hatte, wurde der erste Verhandlungstermin von den Arbeitgebern, die diese Forderungen als "realitätsfremd" bezeichneten, schließlich abgebrochen. Von 2. bis 8. November finden nun in ganz Österreich Betriebsversammlungen statt, ehe am 9. November die nächste Gesprächsrunde startet.
ÖSTERREICH. Nach Abbruch der Verhandlungen zeigte sich die Gewerkschaft über das Vorgehen der Arbeitgeberseite empört: "Wir sind mit der Erwartung nach partnerschaftlichen und fairen Gesprächen auf Augenhöhe in die Verhandlungen gegangen. Diese Erwartungen wurden heute bitter enttäuscht", so Helga Fichtinger, Verhandlungsleiterin der Gewerkschaft GPA. Wie Martin Müllauer, Vorsitzender des GPA-Wirtschaftsbereiches Handel, weiter ausführte, sei das Verhalten der Arbeitgeber "völlig unverständlich". Das Verhandlungsteam hält fest, dass es sich am Dienstag nicht um wirkliche Verhandlungen gehandelt habe. Schließlich habe die Arbeitgeberseite kein Angebot unterbreitet, sondern versucht, "bisherige Spielregeln zu brechen und uns einseitig ihre Bedingungen zu diktieren".
- KV-Verhandlungen im Handel, Abschlüsse seit 2017, Inflation
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Die GPA gab bekannt, dass sie weiterhin an ihren Forderungen nach elf Prozent Gehaltserhöhungen und einem Rahmenpaket mit der Forderung nach Arbeitszeitverkürzung festhalte. In ganz Österreich sollen daher von 2. bis 8. November Betriebsversammlungen im Handel stattfinden, um die über 430.000 Angestellten und Lehrling über die unfaire Vorgangsweise zu informieren. Die nächste Verhandlungsrunde findet am 9. November statt.
"Mir fehlt jegliche Fantasie, wie sich das ausgehen soll"
Die Arbeitgeberseite verweist auf eine wirtschaftliche Situation, "wie wir sie seit 40 Jahren nicht hatten und die naturgemäß keine großen Sprünge erlaubt", so Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich. Er sei "gelinde gesagt irritiert über die Realitätsferne", die die Verhandlungsrunde am Dienstag geprägt habe. Nach Ansicht des Bundesspartenobmanns scheinen die Arbeitnehmervertreterinnen und -vertreter die "äußerst schwierige Situation, in der sich die heimischen Handelsbetriebe befinden, völlig zu negieren". Die konjunkturelle Lage des Handels sei schließlich geprägt von steigenden Kosten bei gleichzeitig schwacher Konsumlaune, die Folge seien reale Umsatzverluste in nahezu allen Branchen des Handels, so Trefelik.
Der Chefverhandler der Arbeitgeberseite fordere die Gewerkschaft daher auf, bis zum nächsten Verhandlungstermin "zu mehr Realitätsnähe zurückzukehren" und von den "wirtschaftlich nicht darstellbaren" Forderungen abzurücken. In diesem Zusammenhang sprach Trefelik nicht nur die Forderungen nach mehr Gehalt, sondern auch nach mehr freien Tagen und einer Arbeitszeitverkürzung an: "Eine deutliche Gehaltssteigerung und zugleich weniger arbeiten - hier fehlt mir jegliche Fantasie, wie sich das ausgehen soll", sagt Trefelik.
Verweis auf Regierungsmaßnahmen
Auch Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will bezeichnet die Forderungen der Gewerkschaft als undenkbar, "denn das würde eine nachhaltige Arbeitsplatzsicherung verunmöglichen und viele Handelsbetriebe wirtschaftlich ruinieren". Sowohl Will als auch Trefelik verweisen darauf, dass die Regierung bereits eine Reihe von kaufkraftstärkenden Maßnahmen gesetzt habe, die man in die Verhandlungen mit einfließen lassen müsse.
- Rainer Will verweist auf eine Erhebung der Statistik Austria, wonach der Handel von zahlreichen Insolvenzen betroffen ist.
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Insolvenzen und Jobverlust
Will betont zudem, dass sich der Handel seit dem Beginn der Corona-Pandemie im Krisenmodus befinde. Der Handelsverband-Geschäftsführer verwies in diesem Zusammenhang auf eine Erhebung der Statistik Austria, wonach jedes zweite Unternehmen im Handel heuer Verluste erwirtschafte. Neben dem Baugewerbe sei man zudem am stärksten von Insolvenzen betroffen. Will sehe daher nur wenig Spielraum bei den KV-Verhandlungen:
"Daher appellieren wir an die Gewerkschaft GPA, ihre Verantwortung bei der nachhaltigen Arbeitsplatzsicherung wahrzunehmen, damit die Arbeitskräfte auch über den Jahreswechsel hinaus in dauerhafter Anstellung bleiben können. Ein überzogener Abschluss, der die Anti-Teuerungsinstrumente der Bundesregierung nicht berücksichtigt und einberechnet, ist heuer nicht mehr leistbar, ohne heftige wirtschaftliche Kollateralschäden auszulösen."
Trefelik schließt sich diesem Appell an. Überfordere man die Betriebe noch zusätzlich, riskiere man weitere Schließungen und Insolvenzen samt der dazugehörigen Jobverluste. Dies könne "nicht Ziel der Gewerkschaften sein", so der Chefverhandler abschließend.
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