Pleitenrekord
Österreichs Handelsverband zieht ernüchternde Bilanz für 2025

v.l.: Harald Gutschi (OTTO), Andreas Hitou (DM), Andrea Heumann (Thalia), Irina Andorfer (SPORT 2000) und Rainer Will (Handelsverband) | Foto: MeinBezirk/Andreas Pölzl
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  • v.l.: Harald Gutschi (OTTO), Andreas Hitou (DM), Andrea Heumann (Thalia), Irina Andorfer (SPORT 2000) und Rainer Will (Handelsverband)
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Der österreichische Handelsverband zieht Bilanz für das vergangene Jahr und diese fällt ernüchternd aus. So hätten nur 40 Prozent der Unternehmen mit einem Gewinn abgeschlossen, bei 30 Prozent hätte es Verluste gegeben. Der Handelsverband setzt daher fünf Forderungen, von Bürokratieabbau bis hin zur stärkeren Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI).

ÖSTERREICH. 1.208 Pleiten, Gewinn bei 40 Prozent der Unternehmen und Verluste bei 30 Prozent – das ist die Bilanz des Handelsverbandes für das vergangene Jahr. Wie Rainer Will, Geschäftsführer des freien, überparteilichen Handelsverbands, bei der Neujahrspressekonferenz am Donnerstag, 15. Jänner, erklärt, habe der österreichische Handel bereits sechs Krisenjahre hinter sich. Zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern der Branche erklärt er Probleme und stellt Forderungen. 

"Österreichs Handel steht am Scheideweg. 2023 und 2024 hatten wir eine Rezession, im Vorjahr gab es in unserem Land immerhin ein minimales BIP-Wachstum von 0,5 Prozent. Die Eurozone ist 2025 aber dreimal so schnell gewachsen wie wir, der heimische Handel hingegen musste das dritte Rekordpleitejahr in Folge verkraften. Österreich verliert jeden Tag Händler - und wundert sich über leere Schaufenster", so Will.

Bürokratieabbau & Co.

Die erste Forderung präsentierte Irina Andorfer, Geschäftsführerin von SPORT 2000. So würden 80,4 Prozent der Kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) Bürokratieabbau fordern. Dieser "Bürokratiedschungel" hätte etwa Auswirkungen auf Unternehmensgründungen. Hier sei Österreichs Schlusslicht im EU-Vergleich, und auch bei der Übergabe von Betrieben an eine neue Generation würde die Bürokratie negative Auswirkungen haben. Deshalb fordert man den Abbau um mindestens die Hälfte bis 2035 und die Anhebung der Schwellen, damit KMU nicht in den gleichen Topf wie große Unternehmen geworfen werden.

Andrea Heumann, Geschäftsführerin von Thalia Österreich, sieht besonders bei der Inflation ein Problem. | Foto: MeinBezirk/Andreas Pölzl
  • Andrea Heumann, Geschäftsführerin von Thalia Österreich, sieht besonders bei der Inflation ein Problem.
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Andrea Heumann, Geschäftsführerin von Thalia Österreich, sieht besonders bei der Inflation ein Problem. So seien 61 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher finanziell gestresst, 69 Prozent hätten ihre Ausgaben für Shopping eingeschränkt, bei ganzen 42 Prozent müssten auf ihren Notgroschen zurückgreifen, um Kosten decken zu können. Die Inflation sei weiters im zweiten Halbjahr 2025 besonders stark gestiegen, weit über dem EU-Schnitt. Deshalb wird gefordert, die Inflation zu bekämpfen und etwa im Energiebereich für mehr Liberalisierung und Wettbewerb zu sorgen, da dies einer der Haupttreiber der Teuerung ist. 

Der Handel ist weiblich

Laut Andrea Hiotu, Mitglied der Geschäftsleitung bei DM Österreich, sei der Handel weiblich. Im Einzelhandel lege der Anteil bei 71 Prozent, im Handel-Gesamt 54 Prozent und bei DM sogar über 90 Prozent. Personen im Migrationshintergrund würden 32 Prozent der Angestellten ausmachen. Dies hätte unter anderem einen Einfluss auf die hohe Teilzeitquote, die im Einzelhandel bei 47,7 Prozent liege.

Laut Andrea Hiotu, Mitglied der Geschäftsleitung bei DM Österreich, sei der Handel weiblich. | Foto: MeinBezirk/Andreas Pölzl
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Diesen Trend zur Teilzeit müsse man stoppen. Deshalb werden Arbeitsanreize statt Abgabenkaisertum geordert, da sich die Leistung wieder lohnen müsse. Ebenso benötigt es eine Senkung der Lohnnebenkosten in Etappen bis 2035.

Online-Shopping und Künstliche Intelligenz

Mit Online-Shopping beschäftige sich der Geschäftsführer von Otto Austria Harald Gutschi. So gebe es rund 12.000 heimische Online-Shops, jedoch fließen 60 Prozent der Ausgaben in diesem Bereich an Shops aus dem Ausland, besonders jene in China. Diese Dominanz von besonders asiatischen Shops würde sich auch bei der Anzahl der Pakete widerspiegeln. So gab es im vergangenen Jahr 430 Millionen Pakete, ein Plus von 8 Prozent. Rund ein Viertel davon sei aus China gekommen.

Mit Online-Shopping beschäftige sich der Geschäftsführer von Otto Austria Harald Gutschi.  | Foto: MeinBezirk/Andreas Pölzl
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Auch beim Umsatz wären Shops aus China an der Spitze. Die Alibaba Group sitzt mit einem weltweiten Umsatz von 1.350 Mrd. Euro an der Spitze, gefolgt von Amazon mit 730 Mrd. Euro und TEMU mit 605 Mrd. Euro. Hier sei das Problem, dass dem Staat oft Steuern entgehen würden und die 150-Euro-Zollgrenze müsse ebenfalls noch dieses Jahr fallen. Hier bräuchte es "Fair Play statt Fernost-Freifahrtschein" und Plattform-Haftung müsse umgesetzt werden.

Die letzte Forderung präsentierte Handelsverband-Chef Will. Um die Produktivität zu steigern, benötige es intelligente Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI). "Absolute Grundvoraussetzung dafür ist ein Ausbau des europäischen Kapitalmarkts. Aktuell ist dieser viermal kleiner als jener in den USA. Unser langfristiges Ziel muss es sein, hier gleichzuziehen", so Rainer Will.

Ausblick ins neue Jahr

Das neue Jahr würde trotz aller Probleme auch einige Chancen bieten. Zuerst müssten nicht nur der Bund, sondern auch die Länder ihre Budgets konsolidieren und sparsamer sein. Die Schulden von heute seien die Steuern von morgen, und davon gebe es bereits mehr als genug in Österreich.

Maßnahmen sollen durch dieser Sparmaßnahmen sowie eine Ausweitung der Anzahl jener, die einer Arbeit nachgehen, mehr Disziplin und Transparenz bei künftigen Förderungen sowie die Schließung von Steuerschlupflöchern gegenfinanziert werden. Von den heimischen Händlern würden 45 Prozent damit rechnen, 2026 mit einem Gewinn abzuschließen, 20 Prozent rechnen mit Verlust und 35 Prozent mit einem ausgeglichenen Ergebnis.

"2026 haben wir die Chance, den wirtschaftlichen Turbo anzuwerfen. Dafür muss Schluss sein mit der übergeordneten Bürokratie. Es braucht einen sofortigen Belastungsstopp von kostenproduzierenden, unsinnigen Vorschriften. Die jüngsten Ankündigungen aus der Regierungsklausur zeigen, dass der Umsetzungswille vorhanden ist. Wir hoffen auf weitere große politische Würfe," erklärt Will. "Wir müssen an der Wurzel ansetzen. Die hohen Energiekosten sind der Brandbeschleuniger der Inflation. Sie sind die unsichtbare Steuer auf jeden Einkauf".

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