23.11.2016, 10:57 Uhr

LKH Deutschlandsberg wird zum Leitspital für die Region

Hofrat Harald Gaugg vom Gesundheitsfonds Steiermark bei seinen Ausführungen in der Steinhalle Lannach. (Foto: Gesundheitsfonds/Hutter)

Der "Steirischen Gesundheitsplan 2035" wurde kürzlich in Lannach als erste regionale Station präsentiert. Wir haben Prim. Dr. Gottfried Filzwieser als künftigen Leiter des LKH Weststeiermark zum Gespräch gebeten.

LANNACH/DEUTSCHLANDSBERG. HR Harald Gaugg vom Gesundheitsfonds Steiermark war in der Steinhalle Lannach ein gefragter Mann, als er die Vorhaben zur Gesundheitsversorgung für die Region Südweststeiermark vorstellte. Vor Ort waren auch Gesundheitslandesrat Christopher Drexler, die Obfrau der Gebietskrankenkasse Verena Nussbaum und Bildungslandesrätin Ursula Lackner. Der "Steirische Gesundheitsplan 2035" wurde dabei in drei Punkte zusammengefasst: "Mehr Nähe", "Bessere Qualität" und "Mehr Beteiligung". "Dieser Prozess wird ein langwieriger werden, hängt er doch von Faktoren wie z. B. Einzugsgebiet, Einwohnerzahl und Ärzteschaft sowie den Verkehrsverbindungen in den Regionen ab," spricht Gaugg die schrittweise Installation von Gesundheitszentren als Primärversorgungseinheiten bis 2035 an. Sie sollen die Angebote der Haus- und Fachärzte - speziell in Abendstunden und an Wochenenden - ergänzen.

Die Leitspitäler

In jeder Region des Landes soll ein Leitspital entstehen, wobei die alten Krankenhaus-Standorte für weitere Gesundheitsangebote genutzt werden. So wird das LKH Deutschlandsberg im Verbund mit dem LKH Voitsberg zum Leitspital werden.


Gespräch mit Prim. Dr. Gottfried Filzwieser

Ab Jänner 2017 ist Gottfried Filzwieser Leiter im künftigen LKH Weststeiermark:

Wie sehen Sie die Reformmaßnahmen?

GOTTFRIED FILZWIESER: Unser Spitalsystem ist über hundert Jahre alt. Inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen deramatisch verändert – wir können die Gesundheit der Bevölkerung für morgen nicht mit den Strukturen von gestern sicherstellen. Daher braucht es eine Reform. Fest steht für mich, dass wir die bisher befahrenen Wege verlassen müssen um die Herausforderungen von morgen bewältigen zu können. Veränderung erzeugt immer Unsicherheit. Es sind kluge und zugleich mutige Köpfe gefragt, um Reformen durchzuführen. Jetzt ist die Zeit dazu gekommen.

Was bedeutet diese Reform für die beiden Standorte?
Das neue LKH Weststeiermark wird mit den Fächern Innere Medizin, Chirurgie, FHK und Geburtshilfe sowie Anaesthesiologie und Intensivmedizin die breite Grundversorgung auf dem Spitalssektor für die Bevölkerung der sicherstellen.
Mit Ausnahme der Inneren Medizin werden Doppelgleisigkeiten vermieden.
In Deutschlandsberg wird die Chirurgie gebündelt, also stationär und ambulant (rund um die Uhr), MED, Anaesthesiologie und Intensivmedizin, Frauenheilkunde und Geburtshilfe.
In Voitsberg besteht die Chirurgische Ambulanz montags bis sonntags je von 7 bis 19 Uhr, längere Öffnungszeiten sind aus ärztlichem Personalmangel leider nicht möglich. Voitsberg wird als Zentrum für Altersmedizin prominent positioniert. Angesichts der demographischen Entwicklung ist dies eine langfristige Investition in die Zukunft. Die projektierte Inbetriebnahme nach Beendigung der Vorarbeiten ist etwa für das Ende des ersten Quartaln 2017 vorgesehen.
Die Möglichkeiten, die die auf modernstem Niveau errichteten Therapieplätze bieten, werden wir auch dafür nutzen, um geeignete Patienten nach chirurgischen Eingriffen unter Abkürzung der Liegephase auf der Chirurgischen Abteilung so früh wie möglich direkt auf die AG/R für eine zügige Remobilisation transferieren. Das wird Modellcharakter für die Steiermark haben.
Das neue LKH Weststeiermark wird mit den Fächern Innere Medizin, Chirurgie, FHK und Geburtshilfe sowie Anaesthesiologie und Intensivmedizin die breite Grundversorgung auf dem Spitalssektor für die Bevölkerung der Weststeiermark sicherstellen.
Unsere unfallchirurgischen Hauptversorger werden das UKH und die Unfallchirurgie der Klinik bleiben. Die Unfallchirurgie in Deutschlandsberg wird sich hauptsächlich auf Basischirurgie beschränken.

Wie steht es mit den Notarztsystemen?
Diese bleiben in beiden Bezirken weiter bestehen. Das in Deutschlandsberg stationierte Palliativteam wird weiterhin beide Bezirke versorgen.

Was bedeutet diese Reform für Patienten?

Fest steht, dass der Steirer zuviel und zulange im Vergleich zu anderen europäischen Staaten im Spitalsbett liegt. Es wird also über die nächsten Jahre zu einer deutlichen Reduktion von Spitalsbetten kommen, Tageskliniken und ambulante Behandlungsmethoden werden dafür deutlich forciert werden.
Was die Spitäler betrifft: In der Behandlung kranker Menschen beschreitet man heutzutage den Weg, dass der Behandlungsbedürftige dorthin gebracht wird, wo ihm bestmöglich Hilfe zuteil werden kann. Das heißt, die geographische Distanz verliert gegenüber der Möglichkeit einer qualitativ höherstehende Hilfeleistung zunehmend an Bedeutung. Der Fortschritt in der Medizin ist derart groß und der Erwerb des damit verbundenen Wissens und der erforderlichen Fertigkeiten so spezialisiert, dass ein Gießkannenprinzip nicht mehr gerechtfertigt und auch nicht mehr leistbar ist. Dies gilt für alle Fächer in der Medizin, wird jedoch von großen Teilen der Bevölkerung leider (noch) nicht verstanden.

Welche personellen Veränderungen wird es geben?

Es gibt einen wohldurchdachten und fairen Sozialplan. Kein Mitarbeiter unserer Spitäler verliert seinen Arbeitsplatz. Einige werden innerhalb ihres Spitals den Arbeitsplatz wechseln. Etwa 20 Mitarbeiter werden zukünftig von Voitsberg nach Deutschlandsberg pendeln. Die bisherigen zwei Anstaltsleitungen verschmelzen zu einer.
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