14.03.2017, 21:33 Uhr

Zur Belebung der Ortskerne

Leserbrief von Marc Ortner, Grüner Gemeinderat in der Stadtgemeinde Deutschlandsberg.

Veranstaltungen in den Ortskernen sind überaus wertvoll, fördern sie doch die Geselligkeit und die Gemeinschaft. Aber wenn es um eine nachhaltige Belebung geht, sind sie bei weitem nicht ausreichend. Einladend, offen, freundlich und intelligent muss öffentlicher Raum, wie beispielsweise unser Hauptplatz gestaltet sein, damit wir uns dort gerne aufhalten. Attraktive Radwege, mehr Grün in Kombination mit Rastmöglichkeiten, kreative Elemente, weniger aber attraktivere Kurzparkplätze und einladende Gastgärten können helfen Lebendigkeit, Flair und gute Stimmung zu verbreiten.


Ungenütztes Potential

Regelmäßige Ereignisse wie Bauernmärkte und Künstlerausstellungen laden zum wiederholten Aufenthalt und Verweilen ein. Die Parkanlagen und der Pavillon im Rathauspark haben vor allem in den Sommermonaten viel Potential für künstlerische und musikalische Darbietungen, das noch lange nicht voll ausgeschöpft ist. Für Investoren liegt im ehem. Kaufhaus Pieber ein riesiger Schatz begraben – ein Restaurant & Café am Dach wäre mit Sicherheit ein Magnet & beliebtes Ausflugsziel, von dem die ganze Umgebung profitieren würde. Es gibt viele Bereiche - bauliche, infrastrukturelle, gastronomische, kreative, künstlerische, organisatorische,... welche im Zusammenspiel die Grundlage für eine konstante Belebung bilden. Hier ist Bürgerbeteiligung gefragt! Die Teilhabe Vieler ist die wichtigste Basis für eine wirksame Belebung. Die Stadtgemeinde kann Akzente setzen, die in Kombination mit Realitätssinn unterstützend und fördernd wirken. Aber im Alleingang oder der Hilfe von Wenigen wird es nicht gelingen.


Die Schatten der Vergangenheit

In allen Städten, die in ihrer Umgebung ein Fachmarktzentrum besitzen, nimmt die Anzahl der Geschäfte in den Innenstädten ab. Das lässt sich nicht leugnen oder ignorieren. Genauso wenig lässt es sich auf Dauer vermeiden, denn künstliches Gegensteuern durch Subventionierung der Mieten, bietet keine langfristige Alternative! Die Entscheidungen wurden in der Vergangenheit getroffen. Die Konsequenzen waren bereits damals vorhersehbar. Jetzt heißt es neue Wege einer langfristigen Belebung zu gehen. Weil die bisherige Geschäftsanzahl auf Dauer nicht zu halten ist, ist eine zielgerichtete Reduktion der Geschäftsflächen am Hauptplatz notwendig, ganz im Sinne von „Weniger ist Mehr“. Wie kann unsere Gemeinde (am besten gemeinsam mit dem Tourismusverband, der Wirtschaftskammer und dem Land Steiermark) zu diesem „Mehr“ an Qualität, Nachhaltigkeit und Exklusivität in den Ortskernen beitragen? Wie eine zielgerichtete Entwicklung unterstützen?


Wege zu lebendigen Ortskernen

Die folgenden Ideen und Förderungen (finanziell und/oder mit Know-How) sind unser Konzept, unsere Lösungsansätze für die Zukunft. Sie sollen Maßnahmen, die zur dauerhaften Belebung beitragen unterstützen. Sie zielen darauf ab, unsere Ortskerne durch „Wohnen“, „Beruf“, „Information“, „Geselligkeit“ und „Tourismus“ mit Leben zu füllen. Sie führen bewusst und zielgerichtet zu einer mäßigen Geschäftsflächenverringerung. Gleichzeitig helfen sie dabei, die Summe der Geschäftsflächen notgedrungen, aber dafür langfristig, auf einem niedrigeren und angepassten Niveau zu sichern und zu bewahren.

1. Förderung von baulichen Maßnahmen, die die Umwandlung von Geschäftsflächen in sogenannte Co-Working-Spaces (Arbeitsgemeinschaften, Dienstleistungsgemeinschaften, Reparaturwerkstätte,...) zum Ziel haben.
2. Förderung von baulichen Maßnahmen (in begrenztem Ausmaß), die die Umwandlung von Geschäftsflächen in Wohnraum nach historischem Vorbild zum Ziel haben.
3. Förderung von baulichen Maßnahmen, die die Schaffung von Künstlerateliers oder die Umsetzung von anderen touristisch wertvollen Projekten (z.B.: historisches Stadtmuseum, Seilbahn über den Weingärten, Wiederbelebung der Waldbahn...) zum Ziel haben.
4. Förderung von baulichen Maßnahmen in den Ortskernen von Kloster, Freiland, Osterwitz und Trahütten, die ein Grundversorgungs- oder ein gastronomisches Interesse (Nahversorger, Café, Gasthaus, Restaurant) verfolgen.
5. Die Stadtgemeinde legt jeweils eigene Zonen und Zeiten fest, in denen regionale Bauern und Kunsthandwerker unentgeltlich ihre Stände aufstellen und MusikerInnen oder Kleinkünstler Vorstellungen geben dürfen. Auf Reinlichkeit und Müllentsorgung ist dementsprechend eigenverantwortlich zu achten.
6. Der Zeitraum, in dem die Glühweinstandln ausschenken dürfen, muss dringend ausgeweitet werden.
7. Auf z.B. der Gemeindehomepage wird eine übersichtliche Liste mit allem erstellt, was unsere Gemeinde wirtschaftlich zu bieten hat: Kaufhäuser, Fachgeschäfte, Dienstleistungen, Servicestellen, Gastronomie, Zimmervermietung, Ab-Hof-Verkauf, Bauernmärkte, Kunsthandwerk, ... jeweils mit einer kurzen Beschreibung und den wichtigsten Informationen. Diese Liste soll gegliedert in Ortsteile und Wirtschaftssparten verfügbar gemacht werden. Unser „Zentrum für Regionalität“ soll besonders hervorgehoben werden.
8. Die Gemeinde forciert eine Plattform für leer stehende Geschäftsflächen in den Ortskernen, damit potentielle Interessenten einfach und schnell zu übersichtlichen Informationen kommen.
9. Besonders attraktive Leerstände sollten in geringem Ausmaß von der Gemeinde beispielsweise für ein Soziales-Zentrum, ein Vereinshaus oder ein Repair-Café genutzt werden.
Im Rahmen der Hauptplatzumgestaltung werden wir uns im oben skizzierten Sinne auf Gemeindeebene einbringen. Die Positionierung des Hauptplatzes als Zentrum für Regionalität unterstützen wir voll und ganz. Selbstverständlich treten wir auch für echte Bürgerbeteiligung ein. Was die langfristige Belebung betrifft, werden wir uns im Rahmen unserer Möglichkeiten für die Umsetzung der Maßnahmen 1-9 stark machen und laden ALLE herzlich zur Zusammenarbeit ein.
Kontakt: marc.ortner@gmail.com
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