Kirche in der Krise?
Ehrenamtliche fehlen in den Pfarrkirchen

Die Diözese Graz-Seckau vermeldet, dass 2018 exakt 10.440 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten sind – damit gehören nur noch 805.382 Steirer dieser an. "Manchmal sind es persönliche Enttäuschungen und menschliches Versagen kirchlicher Verantwortungsträger, die zu Kirchenaustritten führen. Oft ist es der finanzielle Beitrag, der zu einer zumindest äußerlichen Verabschiedung von der Kirche Anlass gibt", teilt der gebürtige Übelbacher Hermann Glettler, Bischof von Innsbruck, mit. Die religiöse Landschaft verändert sich, die Kirche ist bemüht, auch bislang ausgetretene Menschen wieder in die Gemeinschaft für sich zu gewinnen. Dabei gibt es vor allem intern ein großes Problem: Es fehlt nämlich an Ehrenamtlichen in den Pfarrgemeinden. Karl Zissler, Diakon von Eggersdorf-Kumberg-St. Radegund, spricht über ein zu wertschätzendes Ehrenamt.

Kirche ist Mitbewerb

Zunehmender Priestermangel und die Überalterung der Pfarrer waren Anfang November der Grund, warum sich die Kirche neu definiert. Unter anderem lösen die Seelsorgeräume die Dekanate ab – mehr Nähe zu den Menschen vor Ort ist das Ziel. Deshalb rief Bischof Wilhelm Krautwaschl im Stift Rein auch Gläubige dazu auf, in der Kirche mitzuarbeiten, da die immer weniger werdenden Priester durch die Mitarbeit der Ehrenamtlichen entlastet werden können. Doch auch jene, die in ihrer Freizeit und ohne Bezahlung der Kirche dienen beziehungsweise in irgendeiner Form aktiv Teil davon sind, werden weniger. "Die katholische Kirche ist ein Mitbewerber, wenn es darum geht, Menschen um ehrenamtliche Mitarbeit zu bitten", sagt Zissler.

Bedingungen schaffen

Um wieder mehr Menschen für das Ehrenamt begeistern zu können, ist Wertschätzung das Schlüsselwort. "Sie sind keine ‚Lückenfüller‘ für jene Arbeiten, für die die hauptamtlichen Mitarbeiter keine Zeit haben, sondern durch Taufe und Firmung berufen, Zeugen für den Glauben zu sein", so Zissler. Deshalb sei es wichtig, ihnen Verantwortung und Entscheidungsspielraum in den ihnen übertragenen Aufgaben zuzugestehen.
Außerdem spielt die Schaffung von günstigen Rahmenbedingungen wie finanzielle Mittel zur Selbstverwaltung oder Raumbenützung eine ebenso große Rolle wie die Selbstentscheidung darüber, wie lange und in welchem Umfang das ehrenamtliche Engagement ausgeübt wird.
"Wir kennen in den Pfarren leider zu oft das ‚Christbaumprinzip‘: Wer schon eine Aufgabe hat, soll nicht noch mit weiteren ‚geschmückt‘ werden. Möglichst viele Menschen sollen mit Hilfe ihrer Charismen mithelfen, dass unsere Pfarrgemeinden zu einer aktiveren und lebendigeren Pfarre heranwachsen."

Allgemeine Infos:
Ob Pfarrgemeinderat oder -café, Mutter-Kind-Gruppen, Jungschar oder Besuchsdienste – das Ehrenamt in der kirchlichen Gemeinde ist umfangreich und geht weit über den Messdienst hinaus. Die Pfarren geben regelmäßig bekannt (Pfarrblatt oder online), was demnächst ansteht. So kann jeder einsehen, was im Kirchenjahr passiert und welcher Aufgabenbereich der passende für ein Ehrenamt ist.

Autor:

Nina Schemmerl aus Graz-Umgebung

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