Kulturpakt Gleisdorf: ein einzigartiger Weg

Ein neues Rollenverständnis wird gebraucht: Bürgermeister Christoph Stark (3.v.l.) bewirtete die Kunstschaffenden persönlich bei der ersten „Kultur-Lounge“ im öffentlichen Raum.
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  • Ein neues Rollenverständnis wird gebraucht: Bürgermeister Christoph Stark (3.v.l.) bewirtete die Kunstschaffenden persönlich bei der ersten „Kultur-Lounge“ im öffentlichen Raum.
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In Zeiten immer knapper werdender Budgets, ist gerade der Wert und die gesellschaftliche Relevanz von Kunst und Kultur ein oft diskutiertes Thema. Während nur ein verschwindend kleiner Teil der Künstler direkt von ihren Werken leben kann, sind die meisten auf kunstnahe Erwerbstätigkeiten oder Subventionen angewiesen. Im Produktionsprozess ziehen dabei die drei Sektoren Politik und Verwaltung, Wirtschaft als auch die Kunst- und Kulturschaffenden oft an unterschiedlichen Strängen.

Der „Kulturpakt Gleisdorf“ geht nun einen neuen Weg und versucht diese drei Bereiche auf eine neue Ebene der Kooperation zu bringen. Zentral ist dabei, dass die drei Systeme ihre Verschiedenheit (an)erkennen und voneinander lernen. Die Grundidee lautet: „Vom Subventionsbezieher zum Kooperationspartner“ und beinhaltet einen Wandlungsprozess im Rollenverständnis aller Beteiligten. Es geht darum nicht nur zu fordern, sondern sich zu beteiligen, oder anders gesagt: WIR wünschen, WIR spielen.

Dieser Ansatz, bei dem sich Politik und Verwaltung auf Kunst- und Kulturschaffende einlassen, sie auch ernst nehmen, ist absolut ungewöhnlich in der Steiermark laut Martin Krusche: „Was wir hier nun für den „Kulturpakt Gleisdorf“ ausgearbeitet haben und neuerdings in der regionalen Praxis erproben, ist absolutes Neuland. Es gibt nichts Vergleichbares in der Steiermark“.

Damit dieses Experiment gelingt, müssen aber alle Beteiligten eine neue Art von Verantwortung übernehmen und ihre Kräfte bündeln, um die eben immer knapper werdenden Ressourcen optimal zu nutzen. Die Gemeinde hat dabei Prioritäten zu setzen und zu entscheiden was ihre Möglichkeiten sind, worum es in der Region geht und was momentan gerade wichtig ist.

Dazu kommt, dass mit Ende 2014 das aktuelle „EU LEADER“ Programm (Förderprogramm für den ländlichen Raum) ausläuft und eine neue Beteiligung ab 2015 wichtig wäre für die Region. Immerhin geht es hier um mehrere Millionen Euro an potentiellen Förderungen. Das regionale Kulturprojekt „kunst ost“ ist dabei momentan das erste offizielle LEADER-Kulturprojekt des Landes. Es geht hier zum einen um Gegenwartskunst, und zum anderen um gemeinwesenorientierte Kulturarbeit. Die „Kultur Lounge“ versucht dafür in der Praxis den öffentlichen Raum zu bereiten, in dem die Kulturschaffenden öffentlich präsent sind, wie etwa am Florianiplatz beim TIP-Kirta.

Ein konkretes Thema an dem die Kunst- und Kulturschaffenden der Region zur Zeit auch arbeiten ist „Umbruch“. Heuer wird diesbezüglich dem so wichtigen Jahr 1914 gedacht. Dabei wird der Untergang europäischer Dynastien mit all seinen sozio- politischen Veränderungen bearbeitet. „Die Provinz, also wir hier in der Region Gleisdorf, erarbeiten künstlerisch Material, das in keiner Weise der urbanen Elite-Kunst hinterher hinkt. Ganz im Gegenteil: Wir machen Dinge, die etwa in Graz noch niemand anpackt und zeigen, dass das Zentrum - Provinzgefälle für uns in Gleisdorf nicht gilt“, so Martin Krusche. Gleisdorf nimmt damit also eine Vorreiterstellung ein, in welcher, dezentralisiert, kulturell eigenständige Werte erarbeitet werden.

Diesen September werden dann viele der Ergebnisse dieses künstlerischen Schaffens im Gleisdorfer Museum im Rathaus (MiR) zu sehen und erleben sein: Im Rahmen der „Mobilitätswoche“ (22.09.-29.09) gibt es schon vom 10. September an Vernissagen, Diskussion und auch ein Konzert. Die WOCHE wird darüber natürlich berichten und dazu auch in den kommenden Ausgaben einzelne Künstler vorstellen.

Autor:

Johannes Häusler aus Weiz

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