25.10.2017, 00:00 Uhr

Was wäre die Welt wohl ohne Bienen?

Am Kniegelenk hat die Biene ein Bürstenpaar. Damit putzt sie die Pollen in ihren Sack hinein. (Foto: Höfler)

Noch wärmen sich die Bienen in der herbstlichen Mittagssonne. Ihre Tage sind gezählt, denn mit der kalten Jahreszeit verstummt ihr Summen, das uns den Sommer über so vertraut war.

 Jetzt beginnt das eigentliche Imkerjahr. Warum das so ist und weshalb ohne Bienen gar nichts läuft, erklärt einer der erfahrensten Imker der Region. Hans Walkner ist seit 72 Jahren Imker, in der Vorwoche erhielt der Gratkorner bei der Honigprämierung drei Goldmedaillen. Zum elften Mal in ungebrochener Folge zählen seine Honige zu den besten des Landes.

Die Bienen im Jahreslauf


Im September schlüpfen die Bienen, die den Winter überstehen müssen. Im Sommer legte die Königin noch 2.800 Eier täglich, jetzt macht sie eine Pause. Vom Ei bis zur fertigen Biene dauert es 21 Tage, nur die Drohnen (männliche Bienen) lassen sich drei Tage länger Zeit. Für die Winterfütterung mischt Walkner Zucker mit Tee aus getrockneten Orangenschalten, Thymian und Kamille. Jetzt kann der Winter kommen, die Kälte tut den Bienen nichts. Und ist es draußen noch so kalt, im Bienenstock hat es konstante 36 Grad. Mit Muskelzuckungen wärmt das Bienenvolk seine Stube. „Ähnlich einem Ziegeldach formieren sich die Bienen schichtweise zu einer Traube“, erklärt Walkner. Diese Kugel ist ständig in Bewegung. In 24 Stunden wandern die Bienen vom warmen inneren Kern in den kühleren Außenbereich.

8.000 Flugkilometer legt eine Biene in ihrem Leben zurück, bestäubt täglich bis zu 18.000 Blüten und arbeitet bis zum Umfallen. Nach sechs Wochen stirbt sie an Überlastung. Ein gänzliches Verschwinden der Bienen hätte katastrophale Auswirkungen auf die Landwirtschaft. 70 Prozent der für Menschen wichtigsten Nutzpflanzen sind auf Bienen angewiesen, darunter Obst, Getreide, Futterklee und Baumwolle. Unverzichtbar ist das fleißige Volk auch für die Hausapotheke. Honig hemmt Entzündungen und stärkt das Herz, Propolis (Bienenharz) wird eine antibiotische Wirkung nachgesagt.

Die ersten beiden Bienenstöcke erhielt Walkner mit zehn Jahren von seinem Großvater. Später erlernte er den Beruf des Kfz-Mechanikers und arbeitete 42 Jahre bei Leykam-Josefstahl (heute Sappi Gratkorn) als Werkmeister. „Wenn ich im Stress war, dann bin ich zu den Bienen gegangen, das entspannt“, erklärt Walkner seine besondere Beziehung zu den Bienen. Heute betreut er 20 Bienenvölker. Dass seine Honige selbst bei Blindverkostung zu den besten zählen, freut den Gratkorner. „Es ist die lange Erfahrung, die ständige Weiterbildung in der Imkerschule und die Geduld, die man dafür haben muss. Aber ein Imker ist immer auch vom Wetter abhängig“, sagt er bescheiden. Über 30 Jahre leitete er den Bienenzuchtverein Gratwein-Straßengel - St. Oswald und gibt noch heute sein Wissen an den Imkernachwuchs weiter.
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