13.06.2018, 06:00 Uhr

Neophyten-Jagd hat begonnen

Gemeinsam gehen sie auf Neophyten-Jagd: die Berg- und Naturwacht mit Josef Turnsek (2.v.l.) und Karin Greiner (Foto: KK)

Berg- und Naturwacht sagt invasiven Neophyten, die die heimischen Pflanzen bedrohen, den Kampf an, denn im Juli ist Blütezeit.

Gratwein-Straßengel. Sie haben klingende Namen wie Götterbaum, Drüsiges Springkraut oder Riesen-Bärenklau und verbreiten sich in der heimischen Flora. Doch die Neophyten gehören nicht hierher. Die Berg- und Naturwacht verrät, warum der Kampf gegen die ungeliebten Pflanzen geführt werden muss.

Negative Auswirkung

Rund 1.100 Neophyten-Arten existieren in ganz Österreich. Zu ihrem schlechten Ruf kommen sie, weil sie den einheimischen Pflanzen Lebensraum nehmen und sich sowohl auf die biologische Vielfalt als auch auf die Gesundheit von Mensch und Tier und die Volkswirtschaft negativ auswirken können. Einige Spezies blockieren das Aufkommen heimischer Pflanzenarten oder bohren sich in Straßen, Böden oder durch Mauern, andere verdrängen Tiere von ihrem natürlichen Lebensraum und können bei Menschen schwerwiegende gesundheitliche Schäden hervorrufen (s. mehr dazu unten).
Verabsäumte Schritte
"Das größte Problem, das wir mit den schädlichen Neophyten haben, ist, dass wir es verabsäumt haben, etwas dagegen zu unternehmen. Bereits vor 10, 15 Jahren hätte man entsprechende Schritte einleiten müssen. Nun wächst das ‚Kraut‘ vor sich hin und ist schwer zu beseitigen", sagt Josef Turnsek, Ortseinsatzleiter der Berg- und Naturwacht für Gratwein-Straßengel, Gratkorn und Stiwoll. Die "Neupflanzen", sagt er, haben die Oberhand gewonnen. "Jetzt wachsen sie schon auf über 1.000 Höhenmeter."

Bedrohter Schmetterling

Viele Arten drängen heimische Pflanzen ab, indem sie ihnen Feuchtigkeit, Luft und Stickstoff entziehen. Und dann bleiben sie, weil sie sich perfekt an neues Gebiet anpassen können. Aber auch für die Tierwelt hat der Neophyt Auswirkungen. "Das Drüsige Springkraut etwa hat es auf die Brennnessel abgesehen. Und viele Schmetterlingsarten brauchen die Brennnessel für die Raupen", so Turnsek. Speziell der Riesen-Bärenklau, verrät der Fachmann, ist für den Menschen gefährlich. Häufig wird dieser mit der Heilpflanze Echter Engelwurz verwechselt, "bei Kontakt soll man sofort den Hautarzt kontaktieren".

Infos weitergeben

Auch im Gratwein-Straßengler Umweltausschuss macht man sich Gedanken über die gebietsfremden Arten. Obfrau Karin Greiner hat unlängst eine Anfrage an die Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus, Elisabeth Köstinger, gestellt, in der unter anderem ein richtiger Umgang mit den invasiven Pflanzen und die Weitergabe von Wissen über die Beseitigung für die Öffentlichkeit gefordert werden. "Wir müssen den Landwirten und Privatleuten ins Bewusstsein rücken, was die Neophyten mit der Umwelt anrichten. Wir müssen sie aber auch vorab entsprechend darüber informieren", sagt Greiner.

Infobox
Auf Initiative des Umweltausschusses unter Obfrau Karin Greiner lädt in Kooperation mit der Steiermärkischen Berg- und Naturwacht Gratwein-Straßengel zur "Neophyten-Jagd" am 19.6. ab 16 Uhr. Treffpunkt: Rückhaltebecken in der Plankenwartherstraße. Infos: 03124/51300-212. (Wer eine Sense hat, wird gebeten, diese mitzubringen.)
2
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.