Häuser aus Lehm und Stroh
Wie zwei Grazer den Bausektor nachhaltiger machen (wollen)

Max Schade und Fritz Walter wollen von Graz aus den Bausektor revolutionieren: Einziger Haken Stroh- und Lehmhütten sind nicht so billig wie es scheint.
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Ein Bausektor, der nicht zum Klimawandel beiträgt? Das klingt utopisch und ist es auch. Die beiden Grazer Gründer Max Schade und Fritz Walter arbeiten am Wohntraum der Zukunft. 

Das Haus der Zukunft ist leider keine Hobbithöhle, aber aus ähnlichen Baustoffen wie die runden Behausungen auf Mittelerde: Denn die Dächer über unseren Köpfen könnten bald aus Holz, Lehm und Stroh bestehen. Davon ist zumindest Max Schade überzeugt. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Studienkollegen Fritz Walter hat er das Start-Up "Strohboid" gegründet und baut aktuell (fast) CO2-neutrale Pavillons. Das langfristige Ziel: Den ganzen Bausektor revolutionieren. Wie, hat er der WOCHE im Interview erklärt.

Klima-Chalet wird zur Diplomarbeit

Seit 2017 baut das Grazer "Strohboid" – übrigens ein Kofferwort aus Stroh und "Paraboloid", einer komplizierten, mathematischen Figur – klimaneutrale Pavillons. Aber das ist nicht das eigentliche Ziel. Tatsächlich haben die beiden Gründer vor, CO2-neutrale Häuser, ja sogar ganze Städte zu bauen. Aber von Anfang an: Aufgekommen sei die Idee während seines Architekturstudiums, erzählt Schade: "Auf der Universität schien sich niemand so wirklich für CO2-negatives Bauen interessieren, aber wir wollten alles darüber wissen." So taten Schade und sein Studienkollege Fritz Walter sich für ihre Diplomarbeit zusammen und bauten ein klimafreundliches Haus. Das Modell für ein Chalet stand im Freilichtmuseum Stübing, konnte dann aber nicht weiterentwickelt werden. Es fehlte an Geld. 

Große Pläne: Mit dem CO2-neutralen Bausystem von Strohboid sollen irgendwann ganze Städte gebaut werden können. Aktuell sind es allerdings "nur" Veranstaltungspavillons.
  • Große Pläne: Mit dem CO2-neutralen Bausystem von Strohboid sollen irgendwann ganze Städte gebaut werden können. Aktuell sind es allerdings "nur" Veranstaltungspavillons.
  • Foto: Strohboid
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Pavillons als Geldquelle

Das Chalet-Projekt mussten die beiden Architekten also erstmal auf Eis legen, doch aufgeben kam nicht in Frage: "Wir haben deshalb an der Gitterkonstruktion gearbeitet und die Pavillons optimiert, die wir jetzt verkaufen", so Schade. Aus dem ehrgeizigen Ziel, den ganzen Wohnsektor zu revolutionieren wurde das Start-Up "Strohboid", das luxuriöse Überdachungen verkauft. Vor allem im Gastronomiesektor habe man viele Kunden, betont Schade. Aber das hat noch einen zweiten Nebeneffekt: Das Start-Up dient den beiden Architekten nicht nur als Geldquelle, sondern soll energieeffiziente Gebäude auch ein wenig populärer machen. 

Imageproblem

Bislang hätten die nämlich ein ziemliches Imageproblem, betont Schade: "Es ist schwierig, die Leute davon zu überzeugen, dass das funktioniert." Und nicht nur das: Der Bau der von klimaneutralen Häusern ist auch ziemlich arbeitsintensiv. Denn für die Herstellung der gebogenen Holzgitter sowie den Bau mit Stroh und Lehm gibt es noch keine industrialisierten Prozesse. "Das kann man dann nur im Selbstbau umsetzen", sagt Schade. Genau das will Strohboid ändern und die klimafreundliche Bauweise mitten in die Gesellschaft holen. 

"Wir wollten den Hippie-Traum in ein zukunftsfähiges Haus verwandeln."

Aktuell verdient das Start-Up mit luxuriösen Pavillons sein Geld - und will ganz nebenbei das Image von Holz- und Strohhäusern verbessern.
  • Aktuell verdient das Start-Up mit luxuriösen Pavillons sein Geld - und will ganz nebenbei das Image von Holz- und Strohhäusern verbessern.
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Stroh bringt's

Und das ist absolut notwendig, ist Schade überzeugt. "Aktuell wird etwa die Zementherstellung noch nicht besteuert, aber das wird kommen. Das Thema fängt gerade an Beachtung zu bekommen." Damit meint Schade etwa die Bestrebungen der EU, bis 2050 klimaneutral zu bleiben und CO2-Emissionen mit hohen Preisen zu bedenken. Eine Entwicklung, die konventionelle Baumethoden teurer machen wird.  Und Stroh als billiges, aber umweltfreundliches Dämmstoff relevant machen könnte. "Stroh und Lehm sind energiearme Stoffe, die CO2 binden können", erklärt Schade. Im Gegensatz zu herkömmlichen Materialien wie Styropor müssten diese auch nicht energieaufwendig hergestellt und dann im Sondermüll entsorgt werden. Eine Win-Win-Situation also? Nicht ganz.

"Aktuell wird etwa die Zementherstellung noch nicht besteuert, aber das wird kommen."

Mit Holz bauen, aber sparsam: So wird der Bausektor der Zukunft funktionieren, sind Schade und Walter überzeugt.
  • Mit Holz bauen, aber sparsam: So wird der Bausektor der Zukunft funktionieren, sind Schade und Walter überzeugt.
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Finanzierung für ein Musterhaus 

Denn auch wenn Stroh billig ist und in großen Mengen vorhanden – mit einem Drittel der Welternte könnte man alle Häuser auf der Erde dämmen – haben die ersten Prototypen von "Strohboid" doch ein ordentliches Preisschild. Für den Bau von zwei weitere Musterhäuser und die Weiterentwicklung ihrer Idee versuchen die Grazer gerade, rund zwei Millionen Euro aufzutreiben. Wie wäre es mit der Show "Zwei Minuten, zwei Millionen"? "Da haben wir schon mal angefragt", antwortet Schade. Einstweilen hat er aber auch schon das nächste Projekt auf dem Schirm: Über den Winter will "Strohboid" luxuriöse Campingzelte entwickeln, die sogar mit einem Bad ausgestattet sein sollen. Ob und wann die Menschheit tatsächlich in Häusern aus Stroh und Lehm wohnen wird, bleibt also ein Problem für die Zukunft. Möglich wäre es, ist Schade überzeugt.

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