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„Eine Schul-Revolution ist nötig“ – WOCHE-Branchentalk zum Thema Bildung

Angeregter Austausch: Auf WOCHE-Einladung diskutierten Kasper, Engelsmann, Pickl, Petermandl und Kniepeiss über Schule.
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  • hochgeladen von Martina Maros-Goller

Grazer Schulexperten diskutieren im WOCHE-Branchentalk über Herausforderungen im Bildungsbereich.

Wie geht es den Schulen in Graz? Vor welchen Herausforderungen stehen sie und was wird konkret am Standort unternommen? Wie könnte die Schule der Zukunft aussehen? Diese Punkte diskutierten beim WOCHE Branchentalk die Direktoren Swen Engelsmann (Medien-Handelsakademie/HAK), Margareta Petermandl (Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe HLW Schrödinger), Wolfgang Kasper (Bundesgymnasium/Bundesrealgymnasium Seebachergasse) und Manfred Kniepeiss (Höhere technische Bundeslehr- und Versuchsanstalt HTBLVA Graz – Ortweinschule) sowie Jörg Pickl von der Bildungsdirektion Steiermark.

Ressourcen sind knapp

Die Schulautonomie ist ein oft diskutierter Punkt, bei dem auch die Bildungsexperten unterschiedlicher Meinung sind. „Die Schulautonomie ist sehr eingeschränkt, die Verantwortung liegt bei den Direktoren, aber die Politik mischt auch mit, daher müssen wir hier neue Wege gehen“, betont Manfred Kniepeiss von der HTBLVA Ortweinschule. Seiner Meinung nach brauche es im Schulbereich nicht nur eine Reform, sondern vielmehr eine Revolution. Wolfgang Kasper sieht die Sache differenzierter. „Die Autonomie hat Vor- und Nachteile. Es ist gut, dass der Direktor am Standort einige Dinge entscheidet, es muss jedoch zwischen Personal- und Sachressourcen unterschieden werden“, meint er.
So wird es immer schwieriger, den Schulbetrieb in gleichbleibend guter Qualität aufrechtzuerhalten, da die Sachmittel zusehends gekürzt werden. „Instandhaltungsarbeiten oder der Ausbau des Glasfasernetzes ist derzeit nicht leistbar“, verdeutlicht Kasper den Ernst der Lage. „Das fehlende Toilettenpapier ist hier nur die überspitzte Formulierung für ein grundlegendes Problem“, sind sich die Gesprächspartner einig.

Schule ist mehr als Unterricht

Probleme ortet man auch bei der falschen Steuerung der Personalressourcen. „Pädagogische Entscheidungen müssen zum Wohle der Schülerinnen und Schüler getroffen werden, denn Schule ist mehr als Unterricht“, hält Margareta Petermandl fest. „Wir setzen uns gerne ein und vermitteln Fähigkeiten und Haltungen und zeigen verschiedene Wege auf“, sagt sie. Diese Thematik müsse man sich laut Bildungsdirektion ganzheitlich anschauen. „In der Volksschule und Sekundarstufe I werden gerade die Lehrpläne und die damit verbundene Leistungsbeurteilung neu gestaltet“, verweist Jörg Pickl auch auf die neue regionale Verantwortung in der Bildungsregion. „Im städtischen Raum herrschen andere Bedingungen und Herausforderungen als im ländlichen Bereich.“ Die Direktoren sprechen sich unisono für eine bessere Vernetzung zwischen den Schultypen und Regionen aus. „Derzeit kommen die Schüler mit unterschiedlichen Kenntnissen zu uns und es braucht sehr viel Engagement, um alle auf ein gleiches Niveau zu bringen“, berichtet Swen Engelsmann, dass am Standort sehr viel geleistet wird.
Für eine wirkliche Übergangsstufe spricht sich auch Margareta Petermandl aus: „Es wäre gut, wenn eine einheitliche Basis kommt, auf der wir aufbauen können.“

Lehrer werden immer wichtiger

Ob da nicht die viel diskutierte gemeinsame Schule für Sechs- bis 14-Jährige eine sinnvolle Lösung wäre? Diese wird von Petermandl begrüßt, von ihrem AHS-Kollegen Kasper jedoch abgelehnt. „Wir sind für ein differenziertes Schulsystem. Unsere Behaltquote von 87 Prozent in der AHS-Langform zeigt, dass die Marke AHS erfolgreich ist“, so Kasper. Für ein vielfältiges Schulangebot spricht sich auch Manfred Kniepeiss aus: „HTL, HAK, HLW und AHS – es muss alles geben, denn es gibt Schüler, die auch schon mit 14 Jahren genau wissen, was sie wollen.“ Pickl betont, dass es auch eine gemeinsame Sprache in der Qualitätsentwicklung geben müsse.Der große Wunsch der Direktoren ist es, dass ihnen von übergeordneter Stelle Cluster-Lehrpläne zur Verfügung gestellt werden sollen. „Wir verlieren so viel Zeit mit Bürokratie und das kann uns abgenommen werden, damit wir uns auf den Unterricht und die Bedürfnisse der Schüler konzentrieren können“, machen die Direktoren klar. Das würde auch viel Druck von den Lehrern nehmen. „Wir müssen am Image der Schule arbeiten, denn wir leisten einen enorm wichtigen Beitrag für die Gesellschaft“, sagt Petermandl. Bei der Frage der Schule der Zukunft sind sich die Experten – trotz aller Digitalisierung – einig, dass Lehrer und die direkte Kommunikation einen immer wichtigeren Stellenwert bekommen werden. „Die Beziehungsebene muss passen, wir müssen die Schüler hungrig machen“, sagt Engelsmann abschließend.

Autor:

Martina Maros-Goller aus Graz

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