Vernetzung im Verkehr
Grazer C-ITS-System spielt erste Zukunftsmusik

C-ITS-Systeme sorgen dafür, dass der Verkehr intelligent gesteuert wird. Während Graz hierbei noch in den Kinderschuhen steckt, sorgt die Technologie im Ausland schon für zahlreiche Vorteile. | Foto: panthermedia/SYNEL
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  • C-ITS-Systeme sorgen dafür, dass der Verkehr intelligent gesteuert wird. Während Graz hierbei noch in den Kinderschuhen steckt, sorgt die Technologie im Ausland schon für zahlreiche Vorteile.
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Ein intelligentes C-ITS-System sorgt für mehr Pünktlichkeit im öffentlichen Verkehr von Graz. Das erregte das Interesse von René Fritz-Mekas von der Firma Monotch, die seit mehreren Jahren in den Niederlanden ähnliche Systeme etabliert. Ein Vergleich.

GRAZ. Autos, die sich selbst steuern und ein Verkehrsfluss, der auch in Ballungszentren stets pünktlich ist: Was nach Zukunftsmusik klingt, wird in Graz bereits in ersten Schritten umgesetzt. Im Sommer wurde das C-ITS-System vorgestellt, welches die Pünktlichkeit im öffentlichen Verkehr steigern soll und nun nach und nach in Bussen und Straßenbahnen verbaut wird. 

MeinBezirk berichtete:

Intelligentes System C-ITS soll Pünktlichkeit steigern

So funktioniert C-ITS:

Ein "Cooperative Intelligent Transport System", kurz C-ITS, ermöglicht die Kommunikation zwischen Verkehrsmitteln und Infrastruktur. Ein Bus etwa "meldet" sich bei einer Ampel an und erfährt, wie lange es noch bis zur nächsten Grünphase dauert. Anhand dieser Informationen kann die Geschwindigkeit, die Haltezeit an Haltestellen etc. angepasst werden. Diese Kommunikation soll die Pünktlichkeit im öffentlichen Verkehr erhöhen. Erfahrungen aus Tests in Graz sind durchaus positiv, heißt es seitens des Straßenamts. Laufende Projekte sollen nun die langfristige Nutzbarkeit der Technologie sicherstellen.

Neu in Österreich – erprobt in den Niederlanden

Die Umsetzung, mit der sich Graz eine Vorreiterrolle in Österreich sichert, erregt auch internationale Aufmerksamkeit. Bei MeinBezirk meldete sich René Fritz-Mekas, Business Development Manager bei der Firma Monotch, die seit vielen Jahren ein ähnliches System in den Niederlanden etabliert hat. "Wir leben in einer vernetzten Welt und das wird in den kommenden Jahren noch zunehmen", ist er überzeugt. "C-ITS-Systeme sind eine Vorbereitung auf das automatisierte Fahren der Zukunft. Dann werden die meisten Fahrzeuge, sowohl öffentlich als auch privat, mit der Infrastruktur kommunizieren und umgekehrt."

René Fritz-Mekas von Monotch kennt die Vor- und Nachteile einzelner C-ITS-Systeme. | Foto: Fritz-Mekas
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Das von der Firma Monotch entwickelte System ist in den Niederlanden seit sieben Jahren in Gebrauch – mit positiver Bilanz. Daten, die von der niederländischen Regierung erhoben wurden, zeigen, dass Fahrzeiten priorisierter Fahrzeugen, etwa Einsatzfahrzeugen, um 10 Prozent reduziert werden konnten. Fahrzeuge mit bedingter Priorität, wie Logistikdienstleister, verzeichnen 26 Prozent weniger Stopps und bis zu 20 Prozent Fahrzeitreduzierung. Das flüssigere Fahren sorgt zudem für die Reduktion von Emissionen. Auch Privatfahrzeuge profitieren vom System, sie erhalten etwa Warnungen zu Staus, Sperren und Unfällen, bis zu 90 Prozent der Fahrenden passen ihre Geschwindigkeit entsprechend an.

Lange und kurze Wellen

Einen eklatanten Unterschied zwischen dem niederländischen und dem Grazer System gibt es allerdings. In den Niederlanden wird mit Langwellen, sprich über das Mobilfunknetz kommuniziert. "Viele Fahrerinnen und Fahrer erreichen wir mit unserem System über App, schließlich hat nicht jedes Auto die neueste Technologie verbaut. In den Niederlanden kommunizieren bereits rund 2,5 Millionen Fahrzeuge so", erklärt Fritz-Mekas. Auch sämtliche Autohersteller, mit Ausnahme von Volkswagen, wollen künftig Langwellenkommunikation in ihren Fahrzeugen verbauen. 

Das System in Graz ist darauf ausgerichtet, dass Infrastruktur und Fahrzeug dann miteinander kommunizieren, wenn sich letzteres in der Nähe befindet. | Foto: Foto Fischer
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Graz als Vorreiter?

In Graz wird unterdessen über Kurzwellen kommuniziert. Diese Kommunikation funktioniert nur, wenn sich beide Kommunikationspartner, sprich Fahrzeug und Infrastruktur, einander annähern. Aktuell werden Busse und Straßenbahnen in das lokale (Kurzwellen)System integriert. "Wir haben uns in Graz aus mehreren Gründen für die lokale Kommunikation entschieden", so Amtsleiter Thomas Fischer. "Anwendungsfälle, die aus Sicht der Verkehrssicherheit relevant sind (wie die Priorisierung der ÖV-Fahrzeuge aufgrund von Größe, Beschaffenheit und Kapazität), sollten aus unserer Sicht mit lokaler Kommunikation umgesetzt werden."

In Graz werden öffentliche Verkehrsmittel beim Verbauen des intelligenten Systems priorisiert. Bis Herbst 2025 soll es in allen Bussen und Straßenbahnen enthalten sein. | Foto: Prontolux/meinbezirk
  • In Graz werden öffentliche Verkehrsmittel beim Verbauen des intelligenten Systems priorisiert. Bis Herbst 2025 soll es in allen Bussen und Straßenbahnen enthalten sein.
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Anwendungsfälle für den Individualverkehr seien in Österreich aktuell vorrangig auf Autobahnen und Schnellstraßen ausgerollt, im urbanen Bereich befindet man sich noch in der Pilotphase. "Technologisch sprechen wir hier aber von zwei Kommunikationswegen, die parallel funktionieren können", so Fischer zur Langstreckenkommunikation. Auch René Fritz-Mekas ist überzeugt, dass die Zukunft hybrid sein wird: "Wir steuern auf eine Mischung der Kommunikationsarten zu." Er findet aber auch kritische Worte: "Mir kommt vor, dass in Österreich zurzeit eher abgewartet wird. Dabei ist es wichtig, die Gesamtheit zu sehen und die Zeit nicht zu verschlafen. Mitunter braucht es einfach etwas Mut auch Neues auszuprobieren."

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