Moria#2
Zwei Grazer im Einsatz gegen das Elend

Die Grazerin und Menschenrechtsaktivistin Doro Blancke verteilt Essen an hungernde Schutzsuchende auf Lesbos.
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  • Die Grazerin und Menschenrechtsaktivistin Doro Blancke verteilt Essen an hungernde Schutzsuchende auf Lesbos.
  • Foto: David Pichler
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Zwei Steirer berichten aus dem "Elendscamp" auf Lesbos und hoffen auf mehr Mut von der Grazer Stadtregierung.

4.000 Kinder, 1.200 Menschen mit Behinderungen, keine Dusche, drei Stunden Wartezeit vor der Toilette, einmal täglich tiefgefrorenes Essen, Dreck, Krankheiten, Suizid bei Minderjährigen – die Grazerin Doro Blancke und der Grazer David Pichler berichten im Gespräch mit der WOCHE über ihre Erfahrungen aus der Zeltstadt Kara Tepe, dem "neuen Moria" auf Lesbos. Fehlende Rechtsstaatlichkeit, massive Menschenrechtsverletzungen und Elend prägen laut den beiden die Situation.

"Es sind genau die hässlichen Bilder von denen Bundeskanzler Kurz gesprochen hatte. Schutzsuchende werden bereits am Wasser mit brutalsten Methoden zurückgedrängt und zum Ersaufen zurückgelassen. Die Wenigen, die es an Land schaffen, werden in die Elendslager gesteckt. Das Leben in diesen Elendslagern ist nichts weiter als die reine Folter an Leib und Seele", so Pichler, der als Fotograf für die von Erik Marquardt initiierte leavenoonebehind2020.org-Kampagne vor Ort ist. "Einfachste humanitäre Hilfe durch die Zivilbevölkerung ist nach wie vor verboten, es gibt fast täglich illegale Pushbacks der griechischen Küstenwache auf dem Wasser und um die Berichte darüber zu erschweren gab und gibt es immer wieder tiefe Einschnitte in die Pressefreiheit", sagt Pichler.

Tausende Schwimmwesten stapeln sich auf Lesbos.
  • Tausende Schwimmwesten stapeln sich auf Lesbos.
  • Foto: David Pichler
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Graz könnte Vorbild sein

"Wir müssen aufhören zu politisieren und endlich handeln. Ich weiß, dass der Wille zum Helfen da ist. Es brodelt in Österreich, es sind nicht nur „kleine“ Helfer, die etwas verändern möchten", so Blancke, die erst kürzlich mit dem Ute-Bock-Preis für Zivilcourage ausgezeichnet wurde.

Die Menschenrechtsaktivistin glaubt dabei auch an die Grazer Politik: "Ich bitte die Stadtregierung um einen Akt der Menschlichkeit. Es geht auch um unsere Würde", so Blancke. Auch werde der Wunsch, menschenwürdig zu handeln, innerhalb fast jeder Partei immer größer, ist sie sich sicher:

"Graz könnte eine Vorbildfunktion einnehmen und den Mut aufbringen, auch parteiintern dem Bundeskanzler zu widersprechen. Ich bin überzeugt, wenn sich Graz für die Aufnahme ausspricht, wäre das eine Initialzündung, zahlreiche Städte und Gemeinden würden folgen."

Bürgermeister Siegfried Nagl sagt dazu:

"Das ist eine Entscheidung des Bundes. Wenn diese getroffen wird, ist Graz natürlich bereit, eine entsprechende Anzahl an Menschen aufzunehmen."

"Wir sind Zeitzeugen"

Blancke kennt viele NGOs und Helfer in Graz und ist überzeugt, dass es genügend qualifizierte Menschen gibt, die für eine Betreuung sorgen möchten und könnten. "Ich bin mir sicher, dass sein Großteil der Menschen möchte, dass diesen Schutzsuchenden geholfen wird", so Blancke und ergänzt: "Natürlich wird die FPÖ dagegen mobilisieren, aber die bringen sich selbst ins Abseits. Wir dürfen nationalistischem Gedankengut nicht nachgeben."

Die Menschenrechtsaktivistin sagt auch: "Es ist auch die Frage, wie wir in Zukunft zusammenleben wollen und ob wir diese Schuld auf uns laden möchten. Wir sind Zeitzeugen. Wir können unseren Enkelkindern dann nicht erzählen, wir haben es nicht gewusst."

Besonders sorgt sich Blancke über den kommenden Winter: "Viele Menschen haben nicht einmal richtige Schuhe oder Kleidung. Jetzt kommen die Nordwinde. Es wird eiskalt. Wenn ihre Kleidung nass wird, habe sie keine Chance diese zu trocknen." Blancke möchte deshalb Ende Oktober wieder nach Lesbos reisen, dieses Mal unter anderem mit zahlreichen Regenponchos im Gepäck. (Spendenkonto: Doro Blancke, AT93 3842 0000 0002 7516, Zweck: Lesbos)

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