18.10.2017, 11:00 Uhr

Alarm: Cybermobbing ist salonfähig

Kaum ein Schüler in Graz ist nicht online: Die Cybermobbing-Aktivitäten sind in letzter Zeit alarmierend angestiegen. (Foto: Sylvie Bouchard - Fotolia)

Vor allem an Grazer Schulen gehört einer neuen Studie zufolge Cybermobbing bereits zum Alltag.

Die Digitalisierung hat bereits in vielen Lebensbereichen ihre Spuren hinterlassen, auch in der Schule sind Tablets und Smartphones, die teilweise in den Unterricht eingebunden werden, keine Seltenheit mehr.
Die Kehrseite der Medaille offenbart sich allerdings dann, wenn die Gerätschaften dazu verwendet werden, Mitschüler zu diffamieren oder bloßzustellen. Eine von der AK Steiermark in Auftrag gegebene Studie belegt nun, was viele bereits befürchtet haben: Cybermobbing spielt im Schulbereich eine große Rolle.
Insgesamt kamen mittels persönlicher Face-to-Face-Befragung 1.019 steirische Schüler aller Altersstufen (von Volksschule bis Oberstufe) zu Wort.

Jeder hat WhatsApp

Die teils alarmierenden Ergebnisse zeigen nicht signifikante, aber dennoch augenscheinliche Unterschiede zwischen Stadt und Land. So ist alleine der Begriff Cybermobbing in Graz weitaus stärker verbreitet als im Rest der Steiermark. "80,8 Prozent der Grazer Schüler kennen den Begriff, der Gesamtwert liegt bei nur 68 Prozent", erklärt Studienautorin Claudia Brandstätter vom Grazer Marktforschungsinstitut bmm. Auch das digitale Verhalten der Kids ist überdurchschnittlich ausgeprägter als im Umland: Bereits 96,1 Prozent nutzen in der Murmetropole WhatsApp, YouTube, Facebook und Co. "Am Land liegt dieser Wert unter 90 Prozent."


Viel Arbeit notwendig

Dementsprechend sei in Graz auch der Einfluss von Handy und Internet auf das Mobben anderer stärker vorhanden. "In den letzten Jahren hat sich da viel getan, heute sind die Schüler in der Stadt bereits rund 3,2 Stunden online. Das ist absoluter Spitzenwert im Bundesland", führt Brandstätter aus.
Neben der exzessiven Handy-Nutzung ist aber auch das Bemerken von Mobbing im Zeitablauf angestiegen. Die Gründe dafür sind mannigfaltig und reichen vom Anderssein über das Aussehen bis zur Unbeliebtheit.
"Die Ergebnisse sind besorgniserregend, gefordert sind Eltern, Lehrer und das System Schule", ist sich AK-Präsident Josef Pesserl sicher. Notwendig seien ein Weiterbildungsangebot für Lehrer, der Ausbau von Anlaufstellen, an die sich Betroffene und deren Angehörige wenden können, sowie der Ausbau von Schulsozialarbeit und Schulpsychologie. Die Arbeiterkammer versucht zudem, das Thema mittels Broschüren, Veranstaltungen und Workshops in den Mittelpunkt zu rücken.
"Bei diesen Zahlen kann man Cybermobbing einfach nicht mehr kleinreden", ist sich auch Brandstätter sicher.
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