23.01.2018, 14:29 Uhr

Arbeitspflicht im Gefängnis

Gelerntes Handwerk ist gefragt: In der Tischlerei der Grazer Justizhaftanstalt haben die Häftlinge alle Hände voll zu tun. (Foto: Jorj Konstantinov)

Handwerk, das sitzt: In den Werkstätten der Justizhaftanstalt Graz Karlau herrscht Hochbetrieb.

Meterhohe Betonmauern, unüberwindbare Stacheldrahtzäune, verschlossene Tore, Überwachungskameras und genaue Sicherheitskontrollen trennen rund 550 männliche Insassen in der Karlau Graz von der Außenwelt. Sie verbüßen hier Haftstrafen in der Länge von 18 Monaten bis lebenslänglich. Vom sprichwörtlichen "Sitzen" kann hier jedoch nicht die Rede sein. Denn: "In Österreich herrscht für Gefängnisinsassen Arbeitspflicht", erklärt Hauptmann Guido Riepl. "Wir führen rund 22 Betriebe darunter zehn Lehrbetriebe", führt der Justizwache-Beamte aus. Für 90 Prozent der Häftlinge in der Karlau heißt das anpacken. 
"Es ist unsere Aufgabe, dass die Insassen beschäftigt sind. Wer zu große Langeweile hat, kommt auf dumme Gedanken", schildert der Leiter der Gefängnisbetriebe. "Rein theoretisch könnte man die Insassen auch Erde schaufeln oder andere sinnlose Arbeiten erledigen lassen."

Sinnvolle Arbeit

Dass dies aber nicht dem Sinn und dem Leitbild der Grazer Haftanstalt entspricht, zeigt sich bei der Begehung des zweitgrößten "Häfns" der Republik. Von der Anstaltsküche über die Bäckerei, eine Schusterei, die 7.000 Quadratmeter große Gärtnerei, den Baubetrieb, die Malerei bis hin zur Schlosserei und Tischlerei – hier im "Bau" herrscht Hochbetrieb.

Eine zweite Chance
Ein Schwerpunkt der Anstalt liegt dabei auf der Aus- und Weiterbildung der Insassen. "Zahlreiche Häftlinge machen bei uns eine Lehre, um nach der Entlassung eine Chance auf einen Arbeitsplatz zu haben", erklärt Riepl. Wie dankbar solche Ausbildungsmöglichkeiten angenommen werden, wird beim Gespräch mit einem 48-jährigen Tischlerlehrling klar: "Ich bin sehr froh, dass ich hier noch was Gescheites lernen kann. Draußen könnte man in meinem Alter doch nie mehr eine Lehre beginnen", freut sich der werdende Tischler.

Taschengeld und Lob
Die Aufträge für die Werkstätten kommen unter anderem von Privatpersonen sowie gewerblichen Unternehmen. "Im vergangenen Jahr gab es beispielsweise unzählige Anfragen für maßgefertigte Zirbenholzbetten", erklärt Riepl. Natürlich werden die Insassen auch für ihre Arbeit entlohnt: "75 Prozent des Gehalts - bezahlt wird nach Kollektivvertrag - werden jedoch für Kost und Logis abgezogen, die anderen 25 Prozent werden aufgeteilt: Eine Hälfte bekommen die Häftlinge als Taschengeld, die andere wird für sie bis zur Entlassung angespart", führt Riepl aus. Und eines der größten Honorare: Wertschätzung. "Die meisten Häftlinge haben zuvor oft weder Lob noch Dankbarkeit für irgendetwas erhalten." 

Online einkaufen im "Jailshop"

Ein kleines Angebot der in der Grazer Karlau hergestellten Produkte kann auch online im sogennannten "Jailshop" unter www.jailshop.at erworben werden. "Das ist aber nur ein kleiner Teil der Produkte, die bei uns Im Gefängnis hergestellt werden. Das Meiste wird bei uns ,offline‘ verkauft", erklärt Justizwachbeamte Guido Riepl.
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