12.10.2016, 11:58 Uhr

Ein Probelauf mit Stolpersteinen

Martin G. Millauer Vizepräsident der Steirischen Ärztekammer und Internist in Stainz. (Foto: KK)

Ärzte haben Probebetrieb für die e-Medikation im Bezirk Deutschlandsberg gestoppt.

Mit dem Probebetrieb zur e-Medikation als weitere Funktion der elektronischen Gesundheitsakte ELGA leistet(e) der Bezirk Deutschlandsberg Pionierarbeit. 13 Ärzte und sieben von neun Apotheken im Bezirk wurden dazu auf freiwilliger Basis im Mai an Bord geholt. Ziel ist ein umfassender Überblick der jeweiligen Medikamentengaben, um Wechselwirkungen zu vermeiden. Bereits vorab hat der praktische Arzt Gerald Strohmeier aus Groß St. Florian neben den Vorteilen auf den erhöhten Arbeitsaufwand hingewiesen, abhängig von der Integration in bestehende EDV-Systeme. Jetzt haben die beteiligten Ärzte den Probebetrieb gestoppt: Schlechte technische Umsetzung, lange Wartezeiten und die ungeklärte Finanzierung eines unausgereiften Systems haben dazu geführt, auch wenn man bei der Sozialversicherungs-Chipkarten Betriebs- und Errichtungsges.m.b.H. – SVC noch von keinem Arzt über einen Ausstieg informiert worden sei.

Ein Stimmungsbild

"Die Ärzteschaft steht grundsätzlich positiv zur e-Medikation und zum Pilotversuch. Dennoch ist der Stopp jetzt notwendig, weil der Test nicht zulasten der Ärzteschaft abgewickelt werden sollte", so Martin Georg Millauer, Vizepräsident der Steirischen Ärztekammer und Internist in Stainz. Er sieht vor allem zwei Reibepunkte, die nur in raschen Gesprächen aller Beteiligten lösbar sein werden: "Die Finanzierung sollte, wie z.B. in Deutschland, von der öffentlichen Hand getragen werden und die Software müsste für die unterschiedlichen Standards der Ärzte-EDVs entwickelt werden."

Apotheken gut gestimmt

Besser ist die Stimmung in Apotheken. "Ich bin von Beginn an positiv hinter dem Pilotprojekt gestanden, um die Kunden noch besser zu beraten. Die EDV funktioniert recht gut und erfüllt die wesentlichen Anforderungen, nämlich das Aufzeigen von Wechselwirkungen, und bietet damit einhergehend ein Plus an Sicherheit bei der Einnahme von Medikamenten", so Angelika Bischof von der Apotheke Stainz.
Auch in der Apotheke zur Krone in Eibiswald ist man startklar. "Bei uns hakt es jedenfalls nicht. Wenn das System bei Ärzten und Apotheken einwandfrei läuft, sehe ich vor allem Vorteile für die Patienten – wir haben natürlich einen erhöhten Verwaltungsaufwand", so Inhaber Klaus Lill.
Nicht direkt betroffen ist die Apotheke Lannach, da die ansässigen Ärzte an der Aktion nicht teilnehmen. Dabei hält die Leiterin der Apotheke Margit Stiegler-Trummer eine verbesserte Zusammenarbeit mit Ärzten für sinnvoll: "Beratung ist bei uns selbstverständlich, denn viele Menschen wissen über die Wechselwirkungen von Medikamenten kaum Bescheid."

Der Feinschliff fehlt

Nicole Pansi von der Apotheke Lannach bringt es auf den Punkt: „Die e-Medikation halte ich grundsätzlich für gut, nur sollte an den Feinheiten noch gearbeitet werden. Andererseits ist der Argwohn vieler Patienten, die eine Speicherung persönlicher Gesundheitsdaten für bedenklich halten, ausnahmslos zu respektieren.“
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