11.10.2017, 06:58 Uhr

Heißes Früchtchen im Stachelkleid

Sticht nicht nur ins Auge: Die Kastanie ist außen stachelig, doch innen glatt und köstlich. (Foto: Oswald Schechtner)

Herbstzeit ist auch Kastanienzeit.  Und die ist in der Grazer Innenstadt eindeutig schon angebrochen.

Endlich ist es wieder so weit: Unsere kleinen braunen Lieblinge sind in Graz eingetroffen. Sieben Stände zwischen Jakomini- und Südtirolerplatz (auf der Grafik links) laden ein, dem herrlichen Duft und dem Ruf "Heiße Maroni!" nachzugehen und sich ein Stanitzel voll Maroni zu gönnen. Die WOCHE konnte auf einem Rundgang durch die Innenstadt zumindest nicht widerstehen und hat bei dieser Gelegenheit so einiges Interessantes über die Wundernuss erfahren. 

Früher Saisonstart

Die Grazer sind verrückt nach Kastanien. Und das, obwohl die Saison eben erst begonnen hat und es eigentlich noch viel zu warm für die dampfende Leckerei ist. Denn gerade in der kalten Jahreszeit wirkt ein heißes Stanitzel Wunder und erwärmt Hände wie Herz. Noch gibt es hauptsächlich Kastanien, Maroni folgen in der Regel erst Ende Oktober. Doch Cvetka Stockinger von Maronessa erklärt: "Heuer sind wir bei allem früher dran. Der Regen und die Kälte im September waren für die Ernte ideal: Die Kastanien sind vorzeitig vom Baum gefallen. Und auch mit den Maroni können wir bereits beginnen." Auf die Qualität wirkte sich das nicht aus: "Im Gegenteil, die Kastanien haben heuer so ein sattes Gelb, wie es normalerweise nur die Maroni schaffen." Zur Erklärung: Maroni sind runder und kleiner als die Esskastanien und schmecken intensiver und süßer im Geschmack. 

Aus dem Süden


Die in Österreich angebotenen Kastanien und Maroni kommen vorwiegend aus Italien oder anderen südlichen Ländern. "Besser, größer und billiger" seien sie dort, obgleich sie auch dort teurer wurden und so der Preis für ein viertel Kilo Kastanien in Graz bereits drei Euro beträgt. "Uns bleibt nichts anderes über", klagt Margit Ficzko am Grazer Hauptplatz, "die Kastanien selbst und die Kohle wurden teurer und nun müssen wir auch noch die Stanitzel selber kaufen." Damit spielt sie auf die EU-Verordnung an, die wegen der Druckerschwärze das Einwickeln von Lebensmitteln in Zeitungspapier untersagt. Dass bei ungefähr elf Stück für diesen Preis etwaige schlechte Kastanien verärgern, wissen die Standler, und tauschen sie ohne Ausnahme gegen gute um.

Eine Wundernuss


Gut sind die Powerfrüchte wahrhaftig: Reich an Inhaltsstoffen wie Kalium, Magnesium, hochwertigem Eiweiß und vielen Vitaminen sind sie eine wichtige Nährstoffquelle für den Körper. Außerdem machen sie dank ihres hohen Kohlenhydratgehalts lange satt. Aus diesem Grund galten sie früher als "Kartoffeln für die Armen" und waren aufgrund ihres hohen Stärkeanteils so wichtig für die Brotherstellung. Satt machen sie, gesund sind sie und Freude bereiten sie auch noch – ein Glück, dass der Herbst wieder für seine Schätze sorgt. "Schau mich an", lacht Hubert Schlegel hinter dem zweiten Maronessa-Stand an der Hauptbrücke hervor, "diese kleinen Dinger enthalten so viel Serotonin, da kann man ja nur glücklich sein!"
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Gerhard Woger aus Deutschlandsberg | 15.10.2017 | 11:52   Melden
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