07.02.2018, 06:00 Uhr

Peter Rosegger Gedenkjahr: Ein kritischer Geist und Pionier

"Gut sein ist ansteckend": Das ist Gerald Schöpfers Lieblingszitat von Peter Rosegger, der als wichtiger Zeuge seiner Zeit gilt. (Foto: Jorj Konstantinov)

Peter Rosegger Jahr: Gerald Schöpfer, Leiter der neuen Ausstellung, über den großen Sohn der Steiermark.

Der Waldbauernbub aus der Waldheimat: So kennen die Steirer ihren Peter Rosegger. Dieses Jahr steht ganz im Zeichen des Heimatdichters, an dessen 175. Geburtstag und 100. Todestag sich die Steiermark erinnert.
Ab Donnerstag eröffnet im Museum für Geschichte die Ausstellung "Peter Rosegger. Waldheimat und Weltwandel". Aus diesem Anlass sprach die WOCHE mit Gerald Schöpfer, dem wissenschaftlicher Leiter der Ausstellung, über die Rolle und das Vermächtnis des bekannten Steirers.

Zeitgeist und Moderne

"Rosegger war nicht nur Dichter, sondern auch Journalist, der die Geschehnisse kritisch beobachtet und darüber geschrieben hat", erzählt Gerald Schöpfer. Die Bauernbefreiung, Landflucht und aufkommende Industrialisierung prägten Roseggers Zeit, über die er in seiner Zeitschrift "Der Heimatgarten" berichtete. "Neben seinen Büchern waren seine journalistischen Texte ein großer Verdienst", sagt Schöpfer, der auch Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes ist. Rosegger war, so führt der Experte aus, ein glühender Anhänger der Friedensbewegung. "Für ihn hatte Heimatbewusstsein stets eine große Bedeutung, er sah aber immer über den Tellerrand hinaus."

Roseggers Spuren in Graz

Auch Graz, wo er sich für die Erhaltung von Grünraum aussprach und bei der Gestaltung des Schloßbergs mitdiskutierte, war Rosegger ein Anliegen. "Er war Asthmatiker und regte sich über die schlechte Luft in Graz auf", schmunzelt der Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Der Dichter wohnte etwa in der Wickenburggasse und Sackstraße. Er heiratete in der Kirche Mariagrün und auch im Roseggergarten in der Innenstadt kann man auf seinen Spuren wandeln

Weltoffen und modern

Die Ausstellung ermöglicht eine Zeitreise mit Hörproben von Originaltexten, in denen Rosegger beginnnend von der Revolution 1848, der Bauernbefreiung, Landflucht, Industrialisierung und dem aufkommenden Nationalismus bis zum Ende der Monarchie berichtet. Daher legt Schöpfer allen die von Astrid Aschacher kuratierte Ausstelllung nahe, da man viel über die damaligen Umstände erfahren könne. "Es war eine Zeit des Umbruchs und Rosegger hat sich stets für Toleranz, Umwelt und Gesundheit eingesetzt, aber mit Augenmaß." Rosegger war darüber hinaus ein Pionier in puncto Technik und Weltoffenheit. So fuhr er laut Schöpfer gerne mit der Eisenbahn und interessierte sich für Flugzeuge und Autos. "Außerdem setzte er sich stark für die Ökumene ein, was ihm viel Ärger mit der Katholischen Kirche einbrachte. Konflikte hat er nie gemieden", lacht der Kenner. "Rosegger hat damals schon erkannt, dass sich die Zeit ändert. Genau das hat er dokumentiert. Und ihm haben wir es zu verdanken, dass viele Dialekte und Bräuche festgehalten wurden", erklärt Schöpfer die Bedeutung Roseggers über sein schriftstellerisches Wirken hinaus.


Programm des Rosegger Gedenkjahres

Mit mehr als 65 Ausstellungen, Veranstaltungen und anderen Initiativen gedenkt die Steiermark in diesem Jahr Peter Roseggers und knüpft so an das Rosegger Impulsjahr 2013 an. In Graz wird die Ausstellung "Peter Rosegger. Waldheimat und Weltwandel" von 9. Februar 2018 bis 6. Jänner 2019 im Museum für Geschichte (Sackstraße 16) gezeigt. Weiters gibt es mit "Peter Rosegger. Sein Leben in Wort und Bild" eine neue Publikation von Gerald Schöpfer über den großen Dichter. Alle Termine in Graz und den Regionen sowie aktuelle Informationen findet man auf der Website www.peter-rosegger.at
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