05.10.2016, 09:21 Uhr

Christian Schulz: "Wir lassen uns nicht blenden!"

Keine Generalprobe für die Meisterfeier – die Aussicht am Rathausbalkon hat Christian Schulz dennoch genossen. (Foto: geopho.com)

Sturm-Kapitän Christian Schulz hat trotz Erfolgslaufs die Bodenhaftung nicht verloren.

"Ich weiß, warum du dich hier treffen willst", lächelt Christian Schulz, als er zum Treffpunkt mit der WOCHE vorm Rathaus eintrifft. "Da oben am Balkon steigen die Meisterfeiern – aber komm bloß nicht auf die Idee, zu schreiben, dass ich hier schon mal Probe stehe." Trotzdem sprach der Kapitän des SK Sturm im Interview natürlich auch über die Meisterchancen des Tabellenführers.

WOCHE: Viertelmeister und nach dem Sieg in Salzburg sechs Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger – wie einfach ist’s da eigentlich, die schwarz-weiße Euphorie auszublenden?

Christian Schulz: Ach, Viertelmeister, den Titel gibt’s ja schon einmal nicht. Man muss das halt schon etwas einschätzen können. Ich bin zwar neu beim Verein, hab aber mitbekommen, dass die letzten Jahre nicht einfach waren, für den Verein, für die Stadt. Jetzt herrscht deshalb vielleicht eine leichte Überreaktion – wobei diese Euphorie ja auch ganz normal ist. Wir lassen uns davon nicht blenden, wissen, dass wir noch nichts erreicht haben. Aber dennoch können wir auf die bisherige Saison auch stolz sein.

Aber wenn jemand nach zehn Runden auf Platz eins steht, kann er das auch nach 36 Runden, oder?

Ja, es kann aber auch jemand nach zehn Runden Vierter sein und dann noch Meister werden. Wir haben uns natürlich einen Polster erarbeitet, das ist aber nicht die Garantie, dass es jetzt so weiter geht – es ist alles harte Arbeit.

Du hast es vorhin angesprochen, Sturm war in den letzten Jahren nicht wirklich erfolgreich – was hat dich als Kapitän eines deutschen Bundesligisten dazu bewogen, nach Graz zu kommen?

Ich war 15 Jahre lang Profi in der Bundesliga, einer der größten Ligen der Welt. Irgendwann neigt sich die Karriere halt Richtung Ende – und mich hat es schon immer gejuckt, einmal ins Ausland zu gehen. Vor allem mit unserer Tochter kamen aber keine Harakiri-Aktionen in irgendwelche fernen Länder in Frage. Und dann kam halt das Interesse von Sturm – Herr Kreissl und der Trainer waren sehr bemüht. Wir waren dann hier, haben uns alles angeschaut – sicher ist alles eine Spur kleiner, aber ich hab die Entscheidung keine Sekunde bereut.

Wie würdest du das Niveau der österreichischen Liga im Vergleich zur deutschen Bundesliga einschätzen?

Solche Ligavergleiche sind immer schwierig. Aber einen Anhaltspunkt bekam man schon letzte Woche in der Europa League bei Schalke gegen Salzburg. In Österreich hast du halt eine Zweiklassengesellschaft – du hast die großen Vier, allein schon was das Umfeld und die Tradition betrifft und dann kommt eben der Rest und da klafft schon eine Lücke.

Wie hast du bisher die Sturm-Fans erlebt? Auch hier vielleicht im Vergleich zu Deutschland.

Ich finde, gerade in den letzten Spielen war es einfach erstaunlich, was unsere Fans auf die Beine stellen – mit den vielen tollen Choreographien und vor allem der fantastischen Unterstützung. Ich glaube, von 90 Minuten wird 85 Minuten lang durchgesungen. Das ist auch in Deutschland nicht alltäglich – deshalb macht’s einfach Spaß, für diese Leute zu spielen.
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