25.10.2017, 15:50 Uhr

In der Altstadt wird noch gehobelt – Businesslunch mit der Tischlerei "Der Hobel"

Sonniger Oktober: WOCHE-Redakteurin Martina Maros (l.) und Engelbert Tscheschner mit Eva Sonnleitner im "Graf Leopold" (Foto: Jorj Konstantinov)

Der einzige Mohikaner: In der Sackstraße leitet Engelbert Tscheschner die Spezialtischlerei "Der Hobel".

Ein Handwerksbetrieb im Herzen von Graz? Ja, den gibt es. Engelbert Tscheschner hat die 1969 von seinem Vater gegründete Tischlerei vor 27 Jahren übernommen und werkt am Fuße des Schloßbergs.

WOCHE: Sind Sie der letzte Mohikaner in der Innenstadt?
Engelbert Tscheschner: Ich würde nicht sagen der letzte, sondern der einzige. Wenn man der letzte ist, dann heißt das, dass man auch bald weg ist, und ich hoffe nicht, dass dieser Fall bald eintritt (lacht).

Nahezu alle Handwerksbetriebe haben einen Standort außerhalb der Innenstadt. War das für Sie jemals eine Überlegung?
Nein, ich bin sehr stolz darauf, dass ich in der Altstadt tätig bin, und ein Standortwechsel kam für mich nie in Frage. Die Auflagen werden aber immer strikter, und manche alten Genehmigungen würde man heute gar nicht mehr bekommen. Ich habe auch Glück, dass ich mit dem Klein-Lkw über den Innenhof reinfahren kann, denn die Ladetätigkeit am Schloßbergplatz ist nur bis zehn Uhr morgens erlaubt. Ich habe auch mein Firmenauto danach ausgesucht, ob es durch die Hofeinfahrt durchkommt oder nicht.

Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, und auch Möbel werden von Gebrauchs- immer mehr zu Verbrauchsgegenständen. Wie sehen Sie als Tischler diese Entwicklung?
Früher hat man ausschließlich Möbel aus Vollholz gehabt und diese über Generationen weitergegeben. Das ist heute nicht mehr so, und preislich können wir mit der Industrie natürlich nicht mithalten und müssen uns auf Nischen konzentrieren. Daher haben wir uns auf Sanierungen spezialisiert.

Was wird da insbesondere nachgefragt?

Wir sanieren alles vom Boden bis zur Decke – oft sind es Fenster, Türen, Rollos oder Balken von Altbauhäusern, aber auch Schadensfälle bei Küchen oder aufgrund von Einbrüchen. Natürlich gehören auch Antiquitäten zu unserem Spezialgebiet. Dabei arbeiten wir mit vielen Firmen, Einrichtungen, Hausverwaltungen und privaten Kunden zusammen.

Was muss bei der Sanierung beachtet werden?
Zuerst muss man Freude an alten, erhaltenswürdigen Sachen haben, wissen, wie man an die Sanierung herangeht und überlegen, was man erhalten kann. Die Schlüsselfrage, die es dabei zu beantworten gilt, ist: Wie schaffe ich aus dem Bestand einen Mehrwert? Dafür braucht es neben handwerklichem Können auch Beschläge, die passen. Wir haben auf dem Dachboden einen großen Schatz an Originalteilen, die wir bei den Sanierungen passend verbauen.

Zu welchem Stück raten Sie, wenn man heute auf der Suche nach etwas ist, das Generationen überdauern soll?
Eine Antiquität in einem modern eingerichteten Raum ist immer ein Hingucker. Wiegen oder ein schöner, eleganter Esstisch sind auch Klassiker, die zeitlos sind, und gerne innerhalb der Familie weitergegeben werden. Wir können Kunden das Persönliche und Individuelle bieten, denn jeder ist auf der Suche nach etwas Besonderem. Das ist auch ein klarer Vorteil des Traditionshandwerks gegenüber der Industrie.

Sie haben zwei Söhne – eine Garantie für die Weiterführung Ihres Betriebes?
Meine Söhne helfen zwar mit, haben aber andere Karrierewege eingeschlagen. Ich habe mit meinem Vater lange Zeit sehr gut zusammengearbeitet, akzeptiere aber die Entscheidung meiner Söhne. Auf meine zwei Mitarbeiter kann ich mich immer verlassen, sie sind selbstständig und machen eine sehr gute Arbeit. Wer weiß, vielleicht übernehmen sie es einmal. Es wäre schade, wenn das Handwerk aus der Innenstadt gänzlich verschwindet.

Das ist Engelbert Tscheschner

Geboren am 6. August 1961 in Graz.
Ist verheiratet, hat zwei Söhne.
Schloss die Tischlerlehre im Betrieb seines Vater ab.
Absolvierte danach die Gesellenprüfung und legte ebenso die Meisterprüfung ab.
Übernahm den Betrieb von seinem Vater im Jahr 1990.
Wenn es die Zeit erlaubt, geht er gerne wandern.
Aber die Arbeit ist sein größtes Hobby.
Derzeit hat er auch zu Hause eine Baustelle durch einen Zubau.
Würde gerne mehr Zeit Qigong und Bogenschießen widmen.
Weiters möchte er auf der Hörakademie sein Gehör schärfen.
Verbringt die Zeit gerne mit seiner Familie.
Fährt gerne auf Urlaub nach Griechenland, Kroatien, Slowenien oder Kärnten.
Hat seine Frau, eine Steirerin, in Griechenland kennengelernt.
Probiert gerne Neues aus, so wird nächstes Jahr beim Campen erstmals das eigene Zelt eingeweiht werden.
Liebt Abenteuer und ist gerne in der Natur.
Ist ein leidenschaftlicher Esser, mag vor allem steirische und italienische Speisen.
Er trinkt gerne guten Wein und Natursäfte.
Trotz der vielen Arbeit dürfen Ruhephasen nicht zu kurz kommen, daher gibt es im Sommer und über Weihnachten immer Betriebsurlaub.


Infos über die "Spezialtischlerei DERHOBEL.at e.U."

Die "Spezialtischlerei Der Hobel" wurde 1969 von Alois Tscheschner gegründet.
1990 übernahm sein Sohn Engelbert Tscheschner den Betrieb.
Die Tradition wird trotz zahlreicher Modernisierungen im Unternehmen hochgehalten.
Tischlerei-Anfertigungen aller Art auf Kundenbestellung.
Sanierung von Türen, Fenstern, Balken, Antiquitäten oder Reparatur von Schäden, die beispielsweise durch Einbrüche entstehen.
Das Unternehmen arbeitet mit vielen Bauunternehmen, Hausverwaltungen und Privatpersonen zusammen.
Zwei Vollzeitmitarbeiter.
Standort: Sackstraße 22, 8010 Graz
Telefon: 0316/84 85 16, 0676/84 75 12 100
Web: www.derhobel.at
Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 7.30 bis 16.30 Uhr, Freitag von 7.30 bis 13.30 Uhr, Samstag, Sonn- und Feiertage geschlossen

Gast und Wirtschaft
Graf Leopold – Spezerei

Am Schloßbergplatz, Sackstraße 20, 8010 Graz
Leitung: Eva Sonnleitner
Telefon: 0660/400 17 37
Web: www.graf-leopold.at
Öffnungszeiten: Sonntag bis Donnerstag von 9 bis 20 Uhr, Freitag bis Samstag von 9 bis 22 Uhr
Beschreibung: Das Graf Leopold befindet sich im ältesten urkundlich erwähnten Haus von Graz, dem Reinerhof, am Schloßbergplatz. In nettem, gemütlichem Ambiente können Köstlichkeiten sowohl im charmanten Gastgarten also auch im Inneren genossen werden.
Das Essen: Neben Fixgerichten auf der Karte, die einen bunten Mix bieten, erhält man vom Servicepersonal auch Tipps, die nicht auf der Karte stehen. So entschied sich Engelbert Tscheschner für Kohlrabisuppe und Gemüsequiche, WOCHE-Redakteurin Martina Maros wählte den Steirer-Salat und WOCHE-Fotograf Jorj Konstantinov entschied sich für den Paradeiser-Knuspersalat.
Die WOCHE meint: Die Auswahl und die Qualität der Speisen überzeugen durch und durch. Das Essen wird charmant im Vintage-Stil angerichtet und schmeckt vorzüglich. Zur Auswahl stehen auch Mehlspeisen, die eine ideale Ergänzung zum Kaffee sind.
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