Too good to go
Die neue Innsbrucker App im Test

Etwas verwaist stehen sie in der Vitrine: Die Brötchen für unser Überraschungssackerl.
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  • Etwas verwaist stehen sie in der Vitrine: Die Brötchen für unser Überraschungssackerl.
  • hochgeladen von Agnes Czingulszki (acz)

Gegen einen kleinen Selbstkostenbeitrag kommen Lebensmittel statt in den Müll in hungrige Magen.

INNSBRUCK. Köche und Köchinnen kennen am Ende des Tages dieses dumpfe Gefühl: Da hat man mit viel Energie gutes Essen gekocht, es bleibt übrig und kann nicht mehr verwertet werden. Was bisher meistens im Biomüll gelandet ist, ist in einigen Tiroler Lokalen, Bäckereien und Konditoreien nun das Rückgrat einer App. "Too good to go" – frei übersetzt: zu gut, um es wegzuwerfen – ist eine dänische App aus dem Jahr 2016 und hat mittlerweile mehrere Millionen Abonnenten. Der Sinn hinter der App: Lebensmittelverschwendung vermeiden und CO2 einsparen. Seit Juni ist die App auch in Innsbruck verfügbar und führt "Hungrige" mit den Lebensmittelproduzenten und -produzentinnen zusammen. Das Cafe am Tivoli macht auch mit. Wie Koch Michael Schuchter erklärt: "Wir machen gerne mit, um keine Lebensmittel wegzuschmeißen und anderen auch noch eine Freue zu bereiten." Der Bäcker Ruetz ist auch mit 25 Filialen dabei und hat einen ähnlichen Hintergedanken. Statt Überraschungssackerl zu Verfügung zu stellen, könnte man doch weniger produzieren, wirft das Stadtblatt im Gespräch mit Martina Fagschlunger, der Sprecherin der Bäckerei, auf: "Man hat die Herausforderung bis zum Ladenschluss was zu bieten. Da bleibt dann immer was übrig. Wenn es nicht so ist, können wir es dann auch noch stornieren. Dann bekommt der Kunde oder die Kundin die Nachricht via App, dass diesmal kein Essen gerettet werden muss." Wie beide Betriebe bestätigen: Man macht es für die gute Sache, zur Sensibilisierung und nicht wegen dem finanziellen Nutzen. Denn auch 20 bis 30 Prozent des Verkaufspreises gehen als Vermittlungsprovision sowieso an die App. Wir haben ausprobiert, wie sie funktioniert.

So funktioniert Too good to go

Ein lächelnder Globus umarmt eine lächelnde Banane. 2.030.586 gerettete Mahlzeiten im Juni. Die App ist wie für die Smartphone-Generation gemacht. Selbsterklärend, übersichtlich, informativ und ansprechend gestaltet. Zum einen kann man auf einer Karte stöbern wo es was gibt, zum anderen sind die aktuellen Angebote des Tages – inklusive ihrem Preis – aufgeführt, zum dritten sind sogar die verpassten Aktionen zu sehen.
Dafür, dass es in Innsbruck von Lokalitäten nur so wimmelt, ist die Auswahl dann doch ziemlich Mau. Wie "Too good to go"-Sprecherin (Österreich) Jasmin Memaran erklärt: "In Tirol gibt es 40 Partnerbetriebe. Natürlich gibt es hier Luft nach oben."

Man bekommt, was bleibt

Jede Menge Filialen einer Bäckerei, mal das eine, mal das andere China Restaurants, ein Lokal mit Mittagsmenüs, ein Gemüsehändler, eine Fast-Food-Kette und eine Konditorei in Innsbruck. Das Angebot ändert sich täglich. Mal gibt es was, mal gibt es nichts, das hängt von den Betrieben ab. Eigentlich wollten wir das Mittagsmenü um 3,99 Euro vom Cafe am Tivoli ausprobieren, aber das heutige Menü war gestern Abend schon ausverkauft. Brot wird in unserer WG wenig gegessen, also fallen die Bäcker – die in der Vielzahl sind – auch weg. Schließlich macht es ja keinen Sinn, wenn wir die Backwaren retten, um sie schließlich in den eigenen Biomüll zu werfen. Für 3,99 Euro probieren wir dann doch das Nordsee-Angebot im Sillpark aus. Einen kleinen Bammel habe ich schon und denke an trockene Fischbrötchen, alte Majonässalate und abgestandene Pommes.
Auf der App wird vermerkt, wann das Sackerl abzuholen ist – der Countdown läuft. Sicherheitshalber habe ich mir auch noch einen Wecker gestellt, um das Zeitfenster – Abholung zwischen 18:30 Uhr und 19:00 Uhr – nicht zu verpassen.

Nach der Arbeit ist es dann Zeit loszufahren. Im Sillpark finde ich die Filiale schnell, alles ist schon verräumt, eine Mitarbeiterin putzt den Boden als ich vor den Stühlen stehe, die den Eingang versperren. Sie fragt, ob ich wegen Too good to go da bin, ich nicke und zeige die App her. Um die Abholung zu aktivieren und gleichzeitig zu zahlen, wische ich nur nach rechts. Damit wurde der Betrag von meiner Kreditkarte, dessen Nummer ich im vornherein angeben musste, abgebucht. Währenddessen zählt die Mitarbeiterin die Preise zusammen. Ich bekomme einen Überraschungssackerl im Wert von 12 Euro. Zum Schluss packt sie die verwaisten Brötchen aus der Vitrine einfach alle ein. Insgesamt fünf Fischburger. Eine stattliche Zahl. 

Die Fischbrötchen werden passend zu ihrem Ursprung am Sillufer verputzt.

Ich nehme das Paket und setze mich zu meiner WG-Mitbewohnerin an die Sill. Rundherum Menschen mit ähnlichen Sackerln und wir sind fast sicher, auch sie haben sich am Ende des Tages das eine Überraschung von verschiedenen Betrieben gegönnt. Trotz des Hungers schaffen wir nicht alle Brötchen aufzuessen. Die Befürchtung, sie könnten abgestanden sein, stimmt nur zum Teil. Sie schmecken eben nicht ganz frisch, aber auch nicht alt. Nur an den Crunchy-Röstzwiebeln merken wir, dass sie jetzt doch ein paar Stunden im Ketchupsud verbracht haben. Was übrig bleibt kommt in den Kühlschrank, schließlich macht es keinen Sinn, Lebensmittel zu retten und sie dann wegzuwerfen. Bei Überraschungssackerl, dessen Inhalt und Menge nicht klar ist, kann das schon einmal vorkommen. Damit wäre das Problem  verlagert, statt gelöst. Meine Empfehlung daher: Ein Überraschungssackerl nur dann holen, wenn man sich sicher ist, dass auch andere beim verspeisen mitwirken können!

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