12.06.2018, 23:09 Uhr

SPORT UND GEWICHTSVERLUST - DIE UNANGENEHME WAHRHEIT

(Foto: Fotolia)
Niemand ist gerne der Überbringer schlechter Nachrichten. Trotzdem und um all jener Willen, die sich in ihren Körpern unwohl fühlend und beschämt inmitten all der „Dudes“ und „Bros“ im Fitnesscenter an den Geräten quälen oder in überteuerten 150 Euro Schuhen über den Asphalt; es gibt 4 kontrollierte, stationäre Stoffwechselstudien (=der höchste Standard in der menschlichen Forschung) die allesamt einen deutlichen Rückgang des metabolischen Grundumsatzes (=Tages Grundumsatz)nachwiesen, als die Studienteilnehmer täglich 30 – 60 Minuten Sport über mehrere Wochen hinweg durchführten. Noch überraschender, je übergewichtiger der Teilnehmer, umso größer die Reduktion des Grundumsatzes. Dieser lag bei allen 4 Studien im Bereich von 5 – 15%.

Es gibt hingegen keine unter ähnlich exakten, klinischen Umständen durchgeführte Studie, die das Gegenteil beweisen könnte.

Anekdotisch kann ich berichten, in meinen trainingsintensivsten Jahren als Berg- und Ultraläufer habe ich wöchentlich zwischen 20 – 22 Stunden trainiert, dabei definitiv weitaus weniger gegessen als es dieses hohe Trainingsaufkommen laut Sportwissenschaft eigentlich erfordert hätte. Trotzdem habe ich mein Gewicht gehalten, haben auch alle (im Fall von einem Nahrungsengpass weniger wichtigen) körperlichen Funktionen wie beispielsweise Haarwuchs, Schlaf-Wachrhythmus, „Morning Wood“ (wie es der Amerikaner nennt) und ähnliches funktioniert wie immer. Mein Metabolismus war derart optimiert, dass die vorhandenen Ressourcen extrem effizient genutzt wurden.

Was sich im Grunde genommen jeder Autofahrer wünscht, ein Fahrzeug, das mit wenig Sprit auskommt. Sollte für uns Menschen nicht gleiches gelten? Zumeist denken wir „Wieviel kann ich maximal essen um nicht zuzunehmen“ wo „Wie wenig kann ich essen um maximal energetisch, leistungsfähig und lebensfroh zu sein“ der bessere Ansatz wäre.

Zurück zu unseren 4 Studien, warum sind diese so wenig bekannt? Weil das Dogma „Bewegung verbrennt Kalorien“ in unsere Gehirne eingebrannt ist? Zudem ist die Logik man baut Muskel auf um damit mehr Energie zu verbrennen einfach ungemein sexy, schlägt man damit zwei Fliegen mit einer Klappe. Dagegen spricht, sieht man bei einem Ironman oder einem großen Stadtmarathon zu, so unterscheiden sich die Athleten/innen - abgesehen von den allerschnellsten – optisch wenig von den Zusehern. Und niemand beendet solch ein Rennen ohne zuvor nicht über Wochen und Monate regelmäßig trainiert zu haben. Wie die Probanden unserer 4 Studien (so Sie diese selbst nachlesen wollen habe ich unten deren Namen angeführt).

Man darf auch nicht außer Acht lassen, Fitness- und Breitensport ist ein Milliarden Geschäft. Was würde geschehen wenn diese unangenehme Wahrheit einer breiten Öffentlichkeit bekannt wird? Natürlich, es würde immer noch Leute geben – so wie mich – die den Sport, die Bewegung einfach lieben, trotzdem Marathons laufen, ins Fitness Center gehen und teure Fahrräder kaufen. Doch all die Konsumenten, denen es lediglich um den Gewichtsverlust geht, die würden fern bleiben.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich bin Lauf- und Gesundheitstrainer und möchte, dass Sie sich wegen all der anderen positiven Effekte für Ihre Gesundheit täglich bewegen. Verspricht Ihnen aber jemand davon langfristigen Gewichtsverlust, so sollten Sie das mit ähnlicher Vorsicht behandeln wie wenn Ihnen jemand Anteile am Tauerntunnel verkaufen möchte.

Sport ist für unsere Gesundheit UNVERZICHTBAR. Nicht aber für den Gewichtsverlust.
(Dieses Thema behandle ich ausführlich in meiner mehrteiligen, wöchentlichen Serie „Mühelos Abnehmen“)

Quellen:

Bouchard, Tremblay, Despres, Theriault, Nadeau, Lupien, Moorjani, Prudhomme, Fournier: “The response to exercise with constant energy intake in identical twins” Obes Res 1994, 2(5):400-410

Heymsfield, Casper, Hearn, Guy: “Rate of weight loss during underfeeding: relation to level of physical activity” Metabolism 1989, 38(3):215-223

Phinney, La Grange, O´Connel, Danforth: “Effects of aerobic exercise on energy expenditure and nitrogen balance during very low caloric dieting” Metabolism 1988, 37(8):758-765

Woo, Garrow, Pi-Sunyer: “Voluntary foot intake during prolonged exercise in obese women” Am J Clin Nutr 1982, 36(3):478-484
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