Corona-Maßnahmen
Mürztaler Wirtschaft: Es gibt keine Gewinner

Der Coronavirus geht an keiner Branche der heimischen Wirtschaft spurlos vorüber.
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  • hochgeladen von Angelina Koidl

Nicht nur das gesellschaftliche Leben, sondern auch die Wirtschaft ist zu einem großen Teil zum Erliegen gekommen. Wir haben uns bei Vertretern von verschiedenen Branchen im Mürztal umgehört, um zu erfahren wie die Situation wirklich ist. 

Es gibt keine Gewinner

"In dieser Krise gibt es keine Gewinner", bringt es Mathias Spruzina vom Sparmarkt in Hadersdorf-Kindberg auf den Punkt. Auch wenn zu Beginn der gesetzten Maßnahmen der Umsatz der Lebensmittelhändler stark in die Höhe geschossen ist, hat sich die Situation mittlerweile beruhigt. "Die Menschen haben jetzt vorerst genug zuhause und wir merken, dass immer weniger Menschen einkaufen gehen. Wir haben in den letzten Tagen gearbeitet wie die Bösen, viele Nachtschichten hingelegt, jetzt müssen wir abbauen. Da nun wenig los ist, müssen unsere Mitarbeiter vor aus Zeitausgleich oder Urlaubstage in Anspruch nehmen", so Spruzina. 

Hinsichtlich dem Lebensmittelsortiment kann Spruzina beruhigen, dass es keinerlei Engpässe gibt. "Die Regale sind gut gefüllt, alles Notwendige ist verfügbar. Die Menschen brauchen sich keine Sorgen machen", stellt der Hadersdorfer Unternehmer klar. 

Werkstätten erhalten Mobilität aufrecht

Heinz Schwaiger von FS-KFZ-Technik in St. Barbara Mitterdorf weist darauf hin, dass auch ihr Unternehmen ihren Beitrag zur Eindämmung des Coronavirus leistet. Vorerst werden nur dringende Reparaturen durchgeführt, die dem Erhalt der Mobilität dienen. Die wirtschaftlichen Einbußen sind für das vierköpfige Team natürlich nicht ewig lange durchzuhalten. "Wir haben einen Journaldienst und sind natürlich auf Minimalbesetzung zurückgefahren. Wenn das länger dauert, müssen wir uns etwas einfallen lassen, sonst wird es traurig", so Schwaiger.

So sieht es auch Wolfgang Windbacher vom Autohaus Windbacher in Kindberg: "Wir priorisieren und führen nur noch dringende Reparaturen durch, um die Mobilität, derer die davon abhängig sind, sicherzustellen." Derzeit ist ein Mechaniker vor Ort. Kurzarbeit wird angedacht. Auch das Fahrradgeschäft ist zu 100 Prozent zum Erliegen gekommen. "Man kann nur hoffen, dass die Situation nicht allzu lange andauert", so Windbacher. 
Hinsichtlich der Ersatzteile braucht man sich keine Sorgen machen, da alle Teile irgendwo in Österreich lagernd sind. "Es kann nur sein, dass gewisse Teile länger dauern, bis sie angeliefert werden", erklärt der Inhaber vom Kindberger Autohaus. 

Stadtwerke versorgen die Mürzer weiterhin

Bei den Stadtwerken Mürzzuschlag wurde am Montag Kurzarbeit im Handel und in der Elektroinstallation angemeldet. Der Betrieb wurde im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben so weit wie nötig eingeschränkt, dennoch findet die Versorgung in allen notwendigen Bereichen statt. Der Elektrofachhandel ist telefonisch und per Mail erreichbar. "Wir haben viele Anfragen von der kaputten Waschmaschine bis hin zu fehlenden Batterien", erklärt Stadtwerke Geschäftsführer Reinhard Welser. "Unser Vorteil ist, dass wir schon vorher ein Lieferservice hatten, dass jetzt natürlich vermehrt genutzt wird. Wenn unsere Monteure nun einen Auftrag haben, nehmen sie die von den Kunden benötigten Produkte eben gleich mit", so Welser weiter. 

Der Betrieb ist durch die aktuelle Situation zwar beeinträchtigt, wichtige Projekte werden allerdings durchgeführt. "Wie haben zum Beispiel gerade eine Apotheke zu installieren. Das machen wir natürlich fertig, um die Versorgung aufrechtzuerhalten", erklärt Welser. In vielen Bereichen wie Strom, Wasser, Bestattung, Internet und Kabel TV wurde ein Notdienst eingerichtet. "Wir haben keine Einschränkungen bei den meisten Dienstleistungen."

Besonders bedacht sind die Verantwortlichen der Stadtwerke natürlich darauf, dass ihre Mitarbeiter gesund bleiben. "Wenn wir innerhalb der Mannschaft einen Infektionsfall hätten und der gesamte Betrieb unter Quarantäne gestellt wird, wäre das natürlich ein Wahnsinn. Viele unserer Mitarbeiter arbeiten schon im Homeoffice, unsere Monteure sind nur in Kleintrupps unterwegs. Wir treffen alle möglichen Sicherheitsmaßnahmen, dass diese einsatzfähig bleiben", so Welser. 

Gerade jetzt benötigen die Menschen Telekommunikation

Von der Wirtschaftskammer und Regierung ist es gewünscht, dass Geschäfte wie der Handyshop im Mürzcenter geöffnet bleiben. "Wir sind die letzten Mohikaner im Mürzcenter, alles andere hat zu, aber die Menschen brauchen in Zeiten des Homeoffices jetzt eben funktionierende Handys oder Tablets sowie ein vernünftiges Internet", meint Geschäftsführer Josef Zwing. 

Auch wenn geöffnet werden darf, gehen die Maßnahmen der Bundesregierung natürlich auch nicht spurlos am Handyshop vorüber. "Wir haben natürlich keine Laufkundschaft. Die Menschen kommen mit ganz gezielten Wünschen oder Problemen zu uns. Ich muss mir erst die Zahlen ansehen, aber ich rechne mit Einbußen von 50 Prozent oder mehr", so Zwing. Kurzarbeit wäre auch für ihn und seinen Betrieb denkbar, derartige Maßnahmen wurden dahingehend aber noch nicht getroffen. "Auch wenn Mitarbeiter Kurzarbeit oder sogar zwischenzeitlich gekündigt werden müssen, garantiere ich, dass wir sobald die Krise überwunden ist, wieder in Vollbesetzung durchstarten werden. Ich hoffe dahingehend auch, dass die Kunden dann wieder einen gewissen Teil aufholen, auf den sie jetzt verzichten müssen", meint Zwing. 

Was sich durch die außergewöhnliche Situation bereits zeigt, ist, dass das Internet von der Bandbreite oftmals nicht ausreicht. Manche Kunden, die jetzt mit ihren Kindern zuhause sind, benötigen einen zweiten Vertrag. "Wenn die Anschlüsse dafür vorhanden sind, würden wir eine Standleitung empfehlen", so Zwing, der sämtliche Produkte des Handyshops auch per Lieferung zustellen lässt.

Mitarbeiter absichern

Pia Teuber-Weckersdorf führt einerseits Intersport Schöberl in Kindberg und ist Obfrau der Kindberger Werbegemeinschaft: "Um keine Mitarbeiter zu verlieren haben wir im Geschäft auf Kurzarbeit umgestellt, das Geschäft ist natürlich geschlossen." Bei den Mitgliedern der Werbegemeinschaft ist großes Rechnen angesagt – wie geht es sich aus.
Mit dem Rechnen ist der Unternehmer Peter Deschmann schon fertig: "Die Vorwoche konnten wir noch mit Restarbeiten in der Polsterei und Näherei ausfüllen, in dieser Woche sind wir auf Kurzarbeit. Auch die Aufträge für Installationen und Raumausstattung wie Bodenlegen brechen weg, auch weil unsere Lieferanten derzeit nicht liefern können."

100 Prozent Einbußen im Bekleidungshandel

Besonders hart trifft es auch den Bekleidungshandel. Ronald Fuchs vom Modehaus Fuchs in Mürzzuschlag dazu: "Wir haben 100 Prozent Einbußen. Das größte Problem ist die Liquidität. Das lässt sich nicht schönreden" Um den Schaden etwas zu kompensieren hat das Modehaus nun auch eine Hotline sowie einen Lieferdienst eingerichtet. "Die Menschen nehmen das Angebot schon an, aber das kann den Verlust natürlich nicht wett machen", so Fuchs.

Ein Kurzarbeitmodell wird angedacht. "Es gilt sich hier aber erst vernünftig zu informieren. In den Medien laufen die angekündigten Maßnahmen teilweise viel schneller als in der Realität", meint Fuchs. Dennoch wollen er und seine Mitarbeiter für die Kunden weiterhin situationsangepasst und flexibel agieren. "Wenn den Menschen die Decke auf den Kopf fällt und sie gerne die neueste Frühlingsmode anprobieren möchten, ist das von unserer Seite alles kein Problem", so der Unternehmer. 

Pizzazustellung vorerst eingestellt

Bei der Pizzeria Danieli in Kindberg hat man die Zustellung vorest komplett ausgesetzt. "Wir haben jetzt bis 30. März geschlossen. Auch die Zustellung haben wir komplett eingestellt. Alle unsere Mitarbeiter haben Familie und Kinder um die es sich nun zu kümmern gilt. Das ist einfach zu gefährlich", erklärt Inhaber Emin Akbulut. Alle Mitarbeiter des Restaurants wurden einvernehmlich gekündigt. "Ohne irgendwelche Einnahmen können wir uns das nicht leisten. Sobald die Situation überwunden ist, stellen wir die Mitarbeiter natürlich wieder an", so Akbulut. 

Tourismus ist zum Erliegen gekommen

Auch in der Hotelerie ist die Lage angespannt. "Ehrlich gesagt, ist die Situation beschissen", nimmt sich Andreas Krainer vom preisgekrönten Hotel-Restaurant Krainer in Langenwang kein Blatt vor den Mund. "Der Tourismus ist komplett zum Erliegen gekommen. Wir haben natürlich keine Anfragen. Unsere letzten beiden Gäste sind schon am Wochenende vor zwei Wochen abgereist", verdeutlicht er die Lage. 

Ein weiteres Problem ist, dass die Kühlhäuser voll sind, doch die Waren nicht verarbeitet werden können. Die Mitarbeiter sind derzeit auf Urlaub. "In der kommenden Woche werden wir entscheiden, wie wir weitermachen. Kurzarbeit ist natürlich eine Option, da wir alle Mitarbeiter halten wollen", so Krainer. 

Dennoch wird die Zeit genutzt, um zwei Zimmer zu renovieren. "Man kann nur hoffen, dass sich die Lage so schnell wie möglich entspannt. Gesundheit geht vor, das ist auch klar", meint der Haubenkoch. 

Existenzangst in der Kreativbranche

Keine Arbeit gibt es für die Fotografin Katarina Pashkovskaya. Alle Geschäfts-Segmente sind weggebrochen. "Für eine Zeit reichen die Rücklagen, aber wenn die Maßnahmen länger andauern, dann muss ich mir Sorgen um meine wirtschaftliche Existenz machen", so die Freiberuflerin. "Auch wenn die Maßnahmen gelockert werden, der Kreativbereich wird der letzte sein, an den die Menschen nach der Krise denken werden", fürchtet sie um einen längerfristigen Geschäftsentgang.
Die gebürtige Weißrussin ist auch im telefonischen Kontakt mit ihrer Familie in Weißrussland. "Auch dort grassiert das Corona-Virus, nur hat es die dortige Regierung verabsäumt, entsprechende Maßnahmen zu setzen. Bislang passiert dort gar nichts. Eigentlich unglaublich."

Autor:

Bernhard Hofbauer aus Mürztal

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