Trotz Trockenheit und Hitze
Steirische Wälder sind robust und kräftig
- Die steirischen Wälder sind Erholungsgebiet, CO2-Speicher und Wirtschaftsmotor zugleich. Der Erhalt ist von großer Bedeutung – und dafür wird viel getan.
- Foto: Grünkraft Steiermark
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Dieser Tage gibt es in der Steiermark die ersten Abkühlungen mit Temperaturen unter 30 Grad Celsius seit Wochen. Die lang anhaltende Hitze und die damit verbundene Trockenheit hat Auswirkungen auf Fauna und Flora. Wie steht es um das kostbare Gut Wald? Wir haben nachgefragt.
STEIERMARK. Expertinnen und Experten sind sich einig: Der August 2024 war der wärmste seit Messgeschichte. Im Tiefland war es um 4,8 Grad, auf den Bergen um 5,1 Grad wärmer als im Durchschnitt – darüber hinaus: "Der August 2024 brachte zwei bis drei Mal so viele Hitzetage (mindestens 30 Grad) wie ein durchschnittlicher August", fasst die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (kurz ZAMG) zusammen. Ende Juli warnte Greenpeace davor, dass im Jahr 2050 ingesamt 60 steirische Gemeinden von Wasserknappheit betroffen sein würden. Klima und Wetter haben auch Auswirkungen auf die Wälder.
- Mehr Hitzeperioden, weniger Niederschlag: Greenpeace warnt vor Wasserknappheit. Alleine in der Steiermark soll das 60 Gemeinden betreffen.
- Foto: Mitja Kobal/Greenpeace
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"Resilienz ist groß"
Die gute Nachricht vorweg: Die Wälder der Grünen Mark sind robuster und widerstandsfähiger als man denken mag. Wie es "dem steirischen Wald" denn aktuell so geht, wollen wir von Landesforstdirektor Michael Luidold wissen. Und dieser lehnt sich zurück, denn den einen steirischen Wald gibt es nicht – hier herrscht die Vielfalt. Und das rettet mitunter auch die Böden. "Die Resilienz der steirischen Waldflächen ist groß. Das Frühjahr hat uns gut mit Wasser versorgt. Die Aufnahmefähigkeit der Böden ist gut, der Süden und Osten könnte Regen vertragen, aber wir sind sehr weit von einem Waldbodensterben entfernt", erklärt und beruhigt Luidold. "Im Norden von Graz sind wir beim Thema Niederschlag im grünen Bereich. Es ist noch recht grün."
- Landesforstdirektor Michael Luidold klärt über den aktuellen Gesundheitszustand der steirischen Wälder auf.
- Foto: Foto Furgler
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Auch Trockenstress ist kein Thema – und das, obwohl Bäume auf eine konstante Wasserversorgung angewiesen sind, um überleben und wachsen zu können. Wenn Bäume unter Trockenstress leiden, können sie ihre grundlegenden Funktionen wie Photosynthese, Nährstoffaufnahme und Wachstum nicht mehr aufrechterhalten.
Schädlinge erkennbar
Die weniger gute Nachricht: Viele Bäume, die aktuell braune oder graue Blätter haben, sodass man davon ausgehen könnte, dies ist ein Zeichen von Trockenheit, leiden unter Schädlingen. Und die sind eine Folge des Klimawandels, denn "für Schädlinge ist es heiß genug, damit sie sich verbreiten können. Die Kälte im April hat eine weitere Ausbreitung verhindert", so der Landesforstdirektor. Zu nennen ist hier die Eichennetzwanze, die in der Steiermark in Scharren aufgetaucht ist. Ursprünglich stammt sie aus Nordamerika und hat sich durch den internationalen Handel in anderen Regionen ausgebreitet. Ihre Hauptwirtspflanze sind Eichen, aber sie befällt auch andere Laubbäume. Die Schäden, die die Eichennetzwanze anrichtet, sind vor allem auf die Fressaktivitäten der Larven und adulten Tiere zurückzuführen.
- Klein, lästig, für den Menschen ungefährlich, dafür aber für die Wälder schädlich: die Eichennetzwanze.
- Foto: Gernot Hoch/BFW
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Dass sich die Eichennetzwanze ausbreiten kann, liegt, bestätigt Luidold: "Gleich mehrere Generationen pro Jahr legen Eier. Heuer haben sie sich explosionsartig vermehrt. Die Eichennetzwanze saugt den Saft aus den Blättern. Für den Wald ist das kein großes Drama, wenn es so bleibt. Aber es führt zu einem Zuwachsverlust. Und die Eichen werfen die Eicheln früher ab. Damit gibt es nur einen Bruchteil an Samen."
Auch der Borkenkäfer plagt die steirischen Wälder. Steigende Temperaturen schaffen optimale Entwicklungsbedingungen für die Käfer, die durch die erhöhte Evapotranspiration auf stärker gestresste und daher anfälligere Wirtsbäume treffen werden. Grundsätzlich sind Borkenkäfer sekundäre Schädlinge, die nur geschwächte oder bereits abgestorbene Bäume befallen. Durch die höheren Temperaturen entwickeln sich die Larven schneller, was eine beschleunigte Vermehrung und mehrere Käfergenerationen pro Jahr ermöglicht.
Prävention hilft den steirischen Wäldern
Was gegen ein mögliches Sterben der Wälder hilft, ist natürlich Prävention. In der Steiermark wird dies im Rahmen der dynamischen Waldtypisierung gemacht. Aus dem Forschungsprojekt mit zwölf Forschungsinstitutionen mit mehr als 100 Wissenschafterinnen und Wissenschaftern ist ein Strategieplan geworden: Ziel war es, ein praxistaugliches Instrument zu entwickeln, welches für jeden Waldort konkrete Empfehlungen für eine standortangepasste Baumartenwahl unter dem Aspekt des Klimawandels bietet.
- Die Vielfalt der Bäume in den Wäldern schützt ein gutes Stück vor Trockenheit.
- Foto: Archiv
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Dieses Instrument ermöglicht den steirischen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern, die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf ihren Wald für die nächsten 80 Jahre digital abzurufen und in ihre waldbaulichen Entscheidungen insbesondere bei der Baumartenwahl einfließen zu lassen. Als "Europäisches Leuchtturmprojekt" wurde das Projekt zwischenzeitlich auch beim Energy Globe Austria Award 2022 ausgezeichnet und mehrfach für weitere Auszeichnungen nominiert.
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