Erreichbarkeit und Ausbau
Wie steht die Steiermark im internationalen Bahnverkehr da?
- Mit der Koralmbahn und später dem Semmering-Basistunnel wird das steirische Bahnnetz einen Aufschwung erfahren.
- Foto: Michl
- hochgeladen von Simon Michl
Wie die Steiermark im internationalen Bahnverkehr dasteht, zeigt ein interaktives Online-Tool mit Zugverbindungen aus ganz Europa. Außerdem hat MeinBezirk.at einen Verkehrsexperten der TU Graz gefragt, welche Bahnprojekte in der Steiermark als Nächstes umgesetzt werden müssen.
STEIERMARK. Wer wissen will, wie das steirische Bahnnetz im internationalen Vergleich da steht, kann das online genau nachschauen: Im Online-Tool chronotrains.com werden ausgewählte Bahnhöfe in Europa angezeigt und wie weit man von ihnen aus innerhalb von fünf Stunden reisen kann. Ein Beispiel: Vom Grazer Hauptbahnhof kommt man in fünf Stunden nach fast ganz Slowenien und in den Norden Kroatiens. Zagreb wäre in vier Stunden erreichbar – zum Vergleich: mit dem Auto eine Fahrtstrecke von 2:20 Stunden in den Süden.
Bahn muss gegen Auto noch aufholen
In andere Himmelsrichtungen dauert's teilweise noch länger: In fünf Stunden ist von Graz aus Westungarn, Bratislava oder der Süden Tschechiens zu erreichen, national nicht einmal Teile von Ober- und Niederösterreich sowie Tirol. München oder Innsbruck, mit dem Auto in viereinhalb bis fünf Stunden erreichbar, dauert per Bahn sechs bis sieben Stunden. Andere Landeshauptstädte, auch in Österreich, weisen auf der Karte ein größeres Netz aus.
- Der Grazer Hauptbahnhof gelangt durch die neue Koralmbahn an einen wesentlichen Korridor im europäischen Bahnnetz.
- Foto: Foto Jörgler
- hochgeladen von Christoph Hofer
"Ein guter Überblick, fokussiert aber natürlich auf Fahrzeit und Geschwindigkeiten", beurteilt Peter Veit das Tool. Er leitet das Institut für Eisenbahnwesen und Verkehrswirtschaft an der TU Graz. "Es ist nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch die Taktkonzeption."
- Der Grazer Peter Veit leitet seit 2010 das Institut für Eisenbahnwesen und Verkehrswirtschaft an der TU Graz.
- Foto: Holding Graz
- hochgeladen von Simon Michl
Bauprojekte für die Zukunft
Der Bahnexperte erklärt die Nachteile der Steiermark mit einer Randlage, gibt aber einen positiven Ausblick: "Durch die Projekte Koralmbahn und Semmering-Basistunnel gelangt Graz an einen wesentlichen Korridor und die Randlage der Steiermark hat ein Ende." Die Koralmbahn soll 2025/26 in Betrieb gehen, der Semmering-Basistunnel 2030. Nach diesen Großprojekten nennt der Experte drei Streckenaus- bzw. -neubauten als Priorität:
- Pyhrnstrecke: Bosruck-Tunnel neu
Laut Veit eine technische Notwendigkeit – immerhin ist der Bahntunnel fast 120 Jahre alt und sehr steil. Saniert wurde der Tunnel zuletzt, bis 2040 wollen die ÖBB neu bauen. Veit denkt an ein Südportal nahe der Enns und an ein bestehendes Nordportal wie heute. Dazu brauche es auch einen taktkonformen Ausbau Selzthal-Linz.
- Der Bosrucktunnel wurde umfassend saniert, bis 2040 wollen die ÖBB neu bauen.
- Foto: ÖBB/Robert Deopito
- hochgeladen von Marion Aigner
- Graz-Bruck
Veit denkt an einen Neubauabschnitt zwischen Graz und Peggau aus Kapazitäts- und Fahrzeitgründen. Außerdem an einen Ausbau Peggau-Bruck zum Erreichen der Taktkompatibilität durch Linienverbesserungen und den Neubaue eines Peugener Tunnels bei Frohnleiten. - Neue Grazer Ostbahn
Vom Flughafen in etwa der Autobahn folgend bis vor Gleisdorf: "Um mit der Achse Italien-Koralm-Graz-Szombathely für den Güterverkehr Italien-Osteuropa ein attraktives Angebot zu bieten", so Veit.
- Östlich und nördlich von Graz, wie hier in Peggau-Deutschfeistritz, müsse man laut dem Experten als Nächstes ansetzen.
- Foto: ÖBB/Zenz
- hochgeladen von Nina Schemmerl
Wo finanzielle Mittel gebraucht werden
Was die öffentlichen Gelder für den Bahnverkehr angeht, hat der Experte der TU Graz lobende Worte. "Österreich setzt mittels einer sehr hohen und stabilen Finanzierung den Ausbau des Bahnnetzes seit Anfang der 1990er um. Das ist beispielhaft", sagt Veit. "Man kann sich natürlich immer mehr wünschen, aber eigentlich kann man in diesem Bereich zufrieden sein." Gerade im Bereich Eisenbahn/Fernbahn werde genug Geld in öffentliche Verkehrsmittel gesteckt. "Beim innerstädtischen Verkehr ist das nicht überall der Fall", meint Veit. "Die Zielsetzung einer Verdoppelung der Kapazität bis 2040 wird aber jedenfalls zusätzliche Mittel erfordern."
MeinBezirk auf
MeinBezirk als
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.