11.04.2017, 13:29 Uhr

Aufbruch in den Osten

In Freundschaft verbunden: Schellnegger und "Shanghai-Export" Pleyer bringen den steirischen Wein nach China. (Foto: KK)

Bad Gleichenberg ist Dreh- und Angelpunkt in Sachen Tourismusexport.

Dass Manager von den besten Adressen der Zig-Millionen-Metropolen rund um den Globus die Schüler in Bad Gleichenberg vor Ort rekrutieren, ist für den kleinen 5.300-Seelen-Kurort im beschaulichen Vulkanland mittlerweile "Business as usual". Keine Selbstverständlichkeit hingegen ist das Netzwerk, das sich der südoststeirische Topstandort für Tourismusausbildung in den Jahren aus eigener Kraft aufgebaut hat. Die Landesberufsschule (1.400 Schüler im Jahr, 50.000 insgesamt) – neben den Tourismusschulen (rund 6.000 Absolventen seit Gründung 1949) hauptverantwortlich für Bad Gleichenbergs Weltruf in Sachen Tourismusfachkräfte – orientiert sich momentan Richtung Osten. Und das hat einen guten – hausgemachten – Grund.

Kontakte etwa nach China werden persönlich geknüpft – warum, erklärt LBS-Direktor Josef Schellnegger: Zum einen seien viele Absolventen aus "seinem" Haus in den prosperierenden Wirtschaftsmärkten schlechthin, wie Shanghai oder Hongkong, in Toppositionen, zum anderen mache der kulturelle Austausch zwischen der Steiermark und dem Fernen Osten Sinn. Schellnegger: "Für uns sind asiatische Küche und Gepflogenheiten am Tisch ein wichtiges Thema, China interessiert sich für den österreichischen Wein und unsere Süßspeisen." Chinas neuerdings kapitalstarke Mittelschicht sei in Sachen Urlaub in Österreich im Fokus. Dass ihm umgekehrt eine große Verantwortung etwa als Botschafter des südoststeirischen Weins zukommt, ist dem Direktor bewusst. Zurzeit sei Shanghai in vinophilen Fragen noch sehr Frankreich-lastig. Das soll sich ändern. Heuer komme Shelley Lam von der Vinothek Schmidt in Shanghai nach Wien. Die Gelegenheit werde er, Schellnegger, nutzen, die Chinesin ins Vulkanland zu "entführen".

In alle Himmelsrichtungen

Seit 2003 ist Schellnegger Direktor der Landesberufsschule, seit über 30 Jahren schon Lehrkraft. Genauso lange kennt er Maximilian Pleyer – der ehemalige Schüler in Bad Gleichenberg leitet zurzeit das welthöchste Hotel im 632 Meter emporragenden Shanghai Tower. Pleyer sei stets sein Hauptanknüpfungspunkt gewesen. Die beiden verbindet eine Freundschaft. Rund ein Mal im Jahr treffen sich die beiden zum Wandern. Kooperationen mit Chinas Ausbildungsstätten und Tourismusbetrieben gebe es nicht erst seit der jüngsten China-Reise mit Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer und Vize Michael Schickhofer. Auf 2010 gehe ein Management-Trainee-Programm über Pleyer in Shanghai und Umgebung zurück. Mindestens für sechs Monate müssen sich frischgebackene Absolventen zur Ausbildung, die international alle Türen und Tore öffnen sollte, verpflichten.
Auch im Osten, aber noch auf europäischem Boden, kommt nach kurzer Auszeit während der Krimkrise der Schüleraustausch mit St. Petersburg in Russland wieder ins Laufen. 14 Tage sind in der Regel vorgesehen. Ähnliche Programme führen jeweils zwei, drei oder vier Schüler gleichzeitig auch in den Westen, Norden oder Süden nach Valencia und Lyon, Kilkenny in Irland oder nach Palermo.


Duale Ausbildung legt Basis

Sie seien Talenteschmiede, keine Kaderakademie. Gute Fachkräfte auszubilden, sei ihr Auftrag, so Schellnegger. Dafür sei das duale System in Österreich mit Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule wie geschaffen. Was aber fürs Netzwerken im Ausland unentbehrlich sei: die Unterstützung von Landespolitikern wie zuletzt in China.

Zitat, Josef Schellnegger: "Chinesen essen in der Früh Suppe, wir trinken Kaffee. Wir müssen den chinesischen Gast studieren."

Landesberufsschule

Hotel-, Gastgewerbe und Tourismus; 42.953 Schüler seit 1954; 1.600 Schüler/Jahr; aktuell 45 Lehrkräfte; aktuell 7 Lehrberufe, 3 (aus Gleinstätten) kommen dazu.
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