Zu wenig Niederschlag
Die Trockenheit setzt den Landwirten im Bezirk Villach zu
- Auf den Kartoffelfeldern der Schaller-Anderwald KG gibt es regionale Unterschiede, was die Wasserknappheit anbelangt.
- Foto: Schaller-Anderwald KG
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Aber noch alarmierender ist die Situation im Unterland. MeinBezirk Villach hat bei regionalen Landwirten nachgefragt, welche Auswirkungen die Trockenheit auf Felder, Äcker und Ernte hat.
VILLACH, VILLACH LAND. Ein extrem trockenes Jahr, das mit einem negativ rekordverdächtigen Dezember seinen Höhepunkt erreichte, liegt hinter uns. Auch wenn jetzt im Frühjahr die Karten neu gemischt werden und auch der Spätwinter noch Niederschlag bringen wird, ist die Ausgangslage auf den Feldern unserer regionalen Produzenten keine einfache. Die Schaller-Anderwald KG Kärntner Erdäpfel ist in ganz Kärnten im Kartoffelanbau tätig – von Spittal/Drau über Feistritz/Drau und Villach bis ins Klagenfurter Unterland und St. Veit/Glan. Das trockene Jahr 2025 und der überdurchschnittlich trockene Winter 2025/26 haben regional sehr unterschiedliche Auswirkungen auf die Kartoffelfelder.
"Auf die Drau ist Verlass"
"Das gesamte Drautal ist begünstigt, weil unsere Pflanzen dank der Drau Wasser aus der Tiefe ziehen können. Im Glantal ist die Situation schwieriger, weil die Schotterböden extrem trocken sind und sich in den moosigen Bereichen Staunässe bildet. Die Meteorologen und Hydrografen (siehe unten auf den Seiten 4 und 5, Anm.) bringen es gut auf den Punkt, wenn sie bestätigen, dass unsere Bezirke schon seit längerem viel zu wenig mit Wasser versorgt sind", verrät Simon Schaller-Anderwald, von dem viele Felder zwar im Oberflächenbereich noch recht feucht wirken, während es in der Tiefe deutlich trockener zur Sache geht: "Letztes Jahr im Juli hatten vier Wochen am Stück mit 40 Grad. Meine Wetterstationen haben in 40 Meter Tiefe noch 40 Grad gemessen. Auch weil bei so einer Hitze die Kartoffeln viel zu schnell altern, gab es 2025 Ertragseinbußen von bis zu 50 Prozent."
- Biolandwirt Peter Janežič aus St. Jakob im Rosental: "Es fehlt ein Meter Schnee, der langsam ins Erdreich schmilzt."
- Foto: Privat
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"Jahr ist noch jung"
Weil das Jahr 2026 noch jung ist, kann der Kartoffelprofi noch keine Prognose abgeben. Schaller-Anderwald: "Jetzt gerade ist es sogar von Vorteil, wenn es noch trocken bis mäßig feucht weitergeht, damit wir unsere Böden optimal bearbeiten können. Von April bis Juli wäre dann etwas Niederschlag wichtig. Während Mais noch im August Feuchtigkeit aufnehmen kann, sind Kartoffeln dann schon längst fertig – im Idealfall zumindest." Der frostige Jänner hat den Schaller-Anderwald-Feldern übrigens gutgetan, weil viele Schädlinge nicht überlebt haben. Schaller-Anderwald: "Jetzt hoffen wir auf eine bessere Saison als im Vorjahr, als die Ernte im Drautal zwar gut ausgefallen ist, das Glantal dafür einer Wüstenlandschaft glich."
"Kein Mangel, Knappheit"
Auch auf den Feldern der Biolandwirtschaft von Peter Janežič in St. Jakob im Rosental sehnt man regelmäßigen Niederschlag herbei: "Aktuell spreche ich noch nicht von massivem Wassermangel, definitiv aber von Wasserknappheit. Man merkt immer erst zwei bis drei Jahre später die Auswirkungen von zu wenig Wasser im Erdreich. Die letzten sechs Winter waren durch die Bank viel zu mild, während die massiven Platzregen im Sommer von den Böden nicht verarbeitet werden konnten." In der unproduktiven Zeit im Winter setzt der Biohof auf Winterbegrünung. Janežič: "Dafür braucht man Feuchtigkeit, die aktuell kaum vorhanden ist. Während im Sommer die Dürre meist genau dann kommt, wenn Wasser gebraucht wird, fehlt jetzt der eine Meter Schnee, der langsam ins Erdreich versickert. Es wird klimatisch immer schwieriger, aber die Natur kann man nicht beeinflussen. Ist Ihnen eigentlich schon einmal aufgefallen, dass kaum noch Mücken auf den Pkw-Windschutzscheiben landen?"
- Auch heuer hält sich der Niederschlag bis dato in Grenzen.
- Foto: Hydrographie Kärnten
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"Es fehlt viel Niederschlag"
Bereits im Vorjahr gab es ein großes Niederschlagsdefizit – auf ganz Kärnten bezogen lag dieses bei –20%. Das bedeutet, dass es im Mittel in Kärnten um ca. 250mm zu wenig Niederschlag gab. Besonders von der Trockenheit war der Nord-Osten betroffen – stellenweise pendelte sich das Defizit bei –30% ein. Oberkärnten wies ein Niederschlagsdefizit von 15 bis 17% auf, war also deutlich weniger betroffen, als der Osten Kärntens. "Besonders außergewöhnlich ist, dass es bereits ab Juni zu wenig geregnet hat und dadurch auch die Abflüsse und Grundwasserstände ab Juni des Vorjahres drastisch zurückgingen", verrät Johannes Moser, Unterabteilungsleiter der Abteilung 12 des Landes: "Die Abflussmengen an der Gurk, Glan und Lavant wiesen im Jahr 2025 ein Defizit bis zu 40% auf. Das ist beträchtlich. Die Drau hatte im Vorjahr zum Vergleich ein Defizit von 25%. Interessant ist auch, dass im Vorjahr die mittlere Lufttemperatur um ca. 1°C über dem Mittel lag, was wiederum eine höhere Verdunstungsrate und intensivere Trockenheit bedeutet."
- "Ich würde die Situation derzeit als noch nicht kritisch einschätzen" – Johannes Moser, Unterabteilungsleiter der Abteilung 12 des Landes (Hydrografischer Dienst Kärnten)
- Foto: Privat
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"Noch nicht kritisch"
Die Niederschlagsbilanz von heuer fällt nur für Mittelkärnten zum Teil positiv aus. Moser: "Positiv ist der Schneefall zu werten, der doch für das Frühjahr mit der Schneeschmelze einen positiven Grundwassereintrag bedeutet. Die Abflüsse und Grundwasserstände befinden sich derzeit noch im Niederwasserbereich, was für den Winter ohnehin typisch ist." Mit höheren Temperaturen und der Schneeschmelze sollte sich die Situation noch etwas verbessern. Moser: "Insgesamt fehlt aber noch viel Niederschlag – einige überdurchschnittliche Monatssummen, um das Gesamtdefizit auszugleichen." Bis zum Frühjahr kann ja noch einiges an Niederschlag kommen. Moser: "Vom natürlichen Wasserhaushalt würde ich die Situation derzeit als noch nicht kritisch einschätzen, vor allem mit den noch zu erwartenden Regen- und Schneefällen."
- Andreas Mannsberger, Geosphere Austria
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"Problematische Vorgeschichte"
Auch bei Geosphere Austria, der ehemaligen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), steht der trockene Winter 2025/26 bereits in den Büchern. "Der Dezember war mit bis zu 73% weniger Niederschlag kärntenweit extrem trocken. Er zählt zu den Top 15 der trockensten Dezember seit es Aufzeichnungen gibt", verrät Meteorologe Andreas Mannsberger: "Was folgte, war ein recht durchschnittlicher Jänner und ein Februar, der ebenfalls ziemlich durchschnittlich ausfallen dürfte. Es ist zu betonen, dass es in Oberkärnten im Winter deutlich trockener zur Sache ging als im Osten des Landes."
"Kombination entscheidet"
Dass der Dezember 2025 alleine dafür verantwortlich ist, dass es jetzt leicht an Feuchtigkeit und Grundwasser mangelt, kann man so nicht sagen. Mannsberger: "An dieser Stelle ist anzumerken, dass das ganze Vorjahr seit Juli massiv zu trocken ausgefallen ist. Die Vorgeschichte macht den gerade vergangenen Dezember so problematisch. Sowohl im Villacher Zentralraum als auch im Klagenfurter Becken zählt 2025 zu den trockensten Jahren der Messgeschichte. Das Vorjahr hat erwiesenermaßen seinen Platz in den Top 10 inne." (pek)
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