Gefährlicher TikTok-Trend
Experten warnen eindringlich vor dem Verzehr von Gammelfleisch
- Ein aktueller TikTok-Foodtrend ist nichts für schwache Mägen. (Symbolfoto)
- Foto: unsplash / Alexandros Giannakakis
- hochgeladen von Antonio Šećerović
Ein aktueller TikTok-Foodtrend ist nichts für schwache Mägen. Bei „High Meat“ isst man absichtlich verdorbenes bzw. fermentiertes Fleisch – Anhänger versprechen sich davon unter anderem eine „Entgiftung“ des Darms und mehr Serotonin. Experten warnen.
ÖSTERREICH. Huhn in Hustensaft gekocht („Sleepy Chicken“), Toast mit einem Bügeleisen zubereitet („Ironed Toastie“), Gelee aus Gurkenlake im Hotdog („Pickle-Jelly-Hotdog“) oder Butter als Hauptgericht – die TikTok-Welt hat uns in den vergangenen Jahren einige verrückte, kuriose und teils kontroverse Foodtrends gebracht. Auch bei Getränken war man kreativ: Parmesan Espresso Martini, Spicy Margarita mit Gurkenlake oder gesalzener Kaffee.
Das sind alles TikTok-Kreationen, doch ein Trend macht jetzt wieder die Runde, obwohl es ihn schon 2020 gab und er bereits lange vor der Smartphone-Zeit, Anfang der 2000er-Jahre, bekannt war. Männer aus der sogenannten „Carnivore“-Szene essen „High Meat“, also absichtlich lange gelagertes rohes Fleisch.
Die Szene ist eine Subkultur in den sozialen Medien, die eine extreme Form der fleischbasierten Ernährung propagiert. So mancher Magen dreht sich beim Lesen und Schauen um. Der Trend heißt „High Meat“, „Fermented Meat“ oder „Fermented Raw Beef“ und wird auch in Österreich zunehmend thematisiert.
Gesunde Delikatesse, die den Darm entgiftet?
Anhänger sehen darin eine gesunde Delikatesse, da Bakterien helfen würden, den Darm zu entgiften. Auch soll dies zu mehr Serotonin im Körper führen und teilweise sogar als eine Art Antidepressivum wirken. Für diese gesundheitlichen Versprechen gibt es allerdings keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege.
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Einer der frühen Befürworter war der umstrittene US-Rohkostautor Aajonus Vonderplanitz (verstorben 2013), der bereits Anfang der 2000er-Jahre rohes und über längere Zeit gelagertes Fleisch propagierte. Er behauptete unter anderem, dass die darin vorkommenden Bakterien eine bessere Verdauung, positivere Stimmung und mehr Energie geben würden.
Natürlich ist das Risiko einer Lebensmittelvergiftung beim Verzehr von Gammelfleisch deutlich höher. Krankheitserreger wie Salmonellen, E. coli und Campylobacter kommen häufig in rohem Rindfleisch vor und stammen oft von Verunreinigungen während des Schlachtens. Schon 2005 warnte davor das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Vor Kurzem gab es zu ähnlichen Food Trends eine Podcastfolge von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES).
Auch Tod möglich
Der deutsche Arzt und TV-Gesundheitsexperte Thomas Kurscheid warnte im „RTL“-Interview eindringlich vor dem Verzehr von vergammeltem Fleisch: „Wenn man Fleisch einfach vergammeln lässt, bildet sich darauf eine dicke Bakterienschicht. Es ist extrem gefährlich, das zu essen.“ Dabei sei es auch irrelevant, ob es sich um rohes oder gekochtes verdorbenes Fleisch handelt.
Die Wirkung, durch die man sich nach dem Verzehr wie im Rausch fühlt, würde durch „scharfe Stoffe und Histamine“ ausgelöst, erklärt der Arzt. Diese würden entstehen, wenn Fleisch nicht konsumiert wird und für längere Zeit sich selbst überlassen bleibe: „Dadurch werden im Körper allergieähnliche Reaktionen ausgelöst, die einen Reiz darstellen, der stimulierend wirken kann.“
Und weiter warnt er: Bei Menschen, die einen geschwächten Organismus haben, würde er nicht ausschließen, dass man durch den Verzehr von vergammeltem Fleisch auch verstirbt: „Lasst die Finger davon und macht es einfach nicht.“
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