06.12.2017, 09:01 Uhr

Helene Pilko zu den wichtigsten Punkten im neuen Bildungspaket

Pflichtschulinspektorin Helene Pilko (Mitte) gibt sich abwartend. (Foto: KK)

Bezirksschulinspektorin für Volksschulen Helene Pilko im WOCHE Gespräch zu den Neuerungen im Bildungspaket von ÖVP und FPÖ sowie die Schullandschaft im Bezirk.

Im kürzlich beschlossenen Bildungspaket von ÖVP und FPÖ ist ein Aufnahmegespräch vor dem Eintritt in die Volksschule angedacht. Kinder mit sprachlichen Defiziten sollen demnach in einer Vorschule entsprechend vorbereitet werden. Auch eigene Deutschklassen sind im Gespräch. Wie ist Ihre Meinung zu diesen Maßnahmen?
Was Bildungspaket tatsächlich beinhaltet wird man erst sehen. Für eine erfolgreiche Aneignung von Sprache braucht es v.a. einen sprachlichen Austausch mit Gleichaltrigen und Unterstützung über mehrere Jahre durch speziell ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer. Eigene „Deutschklassen“ haben sich in Untersuchungen nicht als erfolgreich erwiesen.

Wie funktioniert die Integration von nicht deutschsprachigen Kindern im Bezirk Deutschlandsberg?

Bis auf einen Standort gibt es nur wenige Schülerinnen und Schüler mit anderer Erstsprache in den einzelnen Klassen. Mit etwa einem Drittel nicht deutschsprachiger Schülerinnen und Schüler in der Klasse gelingt der gemeinsame Unterricht ausgezeichnet.

Das große Thema ist die Wiedereinführung der gängigen Notenskala von 1 bis 5 ab der ersten Volksschulklasse, die verbale Benotung soll ergänzend möglich sein. Ist das aus Ihrer Sicht sinnvoll?

Obwohl Noten ganz klar definiert sind, sind sie nur anscheinend objektiv, sagen wenig über das Wissen, Können, die Kompetenzen und Begabungen aus. Sie sind nicht geeignet um Leistungen zu vergleichen, sie werten ab, können bei Kindern und Eltern Angst und Druck machen. Diese negativen Gefühle wirken sich lern- und leistungshemmend aus.


Erfahrungswerte bei der Bewertung

Inwieweit sind bisher in den Volksschulen im Bezirk Deutschlandsberg Noten bzw. verbale Beschreibungen eingesetzt worden und wie sind die Erfahrungswerte?

In den ersten beiden Volksschulklassen wurden bis zu diesem Schuljahr über 90% der Schülerinnen und Schüler in verschiedenen Formen verbal ohne Noten beurteilt – zur großen Zufriedenheit aller Beteiligten. Heuer sind es weniger, weil die Überführung ins Regelschulwesen mit einer großen Rechtsunsicherheit verbunden war.

Was halten Sie von einem standardisierten Talente-Check in der 3. Volksschulklasse rund um Kreativität, Sport, Sprache, Mathematik u.a.?

Standardisierte Test für eng umgrenztes, abfragbares Können zur Standortbestimmung halte ich für wichtig. Talente werden wohl kaum mit Tests gefunden.

Diverse Schließungswellen haben immer wieder zur Schließung von Volksschulen in kleinen, ohnehin schon infrastrukturell ausgehölten Gemeinden geführt. Lange Anfahrtswege für Lehrer, Eltern und vor allem für die Kinder sind die Folge, siehe z.B. Soboth oder Garanas. Bringen diese Schulzusammenlegungen den erhofften Effekt?

Was immer der erhoffte Effekt ist – auf jeden Fall tragen Volksschulschließungen zur Absiedelung in den Randgebieten bei und mindern die Vielfalt. Pädagogische Neuerungen wurden oft an Kleinschulen „erfunden“ und dann übernommen.

Ist eine weitere Schließungswelle zu erwarten und wenn ja wann?

Das wird vom politischen Willen abhängen.


Die WOCHE Deutschlandsberg hat auch drei Volksschuldirektoren zum Schulnotensystem befragt - hier lesen Sie ihre Meinungen.
1
Einem Mitglied gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.