Ironman Christoph Schlagbauer im WOCHE-Interview

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Er gilt als einer der anspruchsvollsten Ausdauerwettkämpfe der Welt. Für viele Athleten ist es das höchste Ziel, einmal daran teilzunehmen, und nur wenige träumen davon, ihn jemals zu gewinnen. Der Ironman Hawaii ist der spektakulärste und auch bekannteste Ironman und berüchtigt für seine harten Wettkampfbedingungen. Temperaturen von über 40°C und starke Winde machen das Rennen so besonders.
Christoph Schlagbauer aus Weiz hat den Ironman Hawaii heuer nicht nur bezwungen, sondern den Vize-Weltmeister-Titel nach Österreich geholt. WOCHE hat mit dem Ausnahmeathleten gesprochen:

WOCHE: Wie sind Sie zum Triathlonsport gekommen? Wann hat Ihre Karriere begonnen?
Nachdem ich bereits mein ganzes Leben lang „sportverrückt“ war, habe ich im Jahr 2007 über den WSV St. Kathrein/Off. begonnen am Bezirkslaufcup teilzunehmen. Dabei fand ich Gefallen am Ausdauersport, beziehungsweise merkte schon sehr früh, dass ich mit geringem Aufwand recht weit vorne dabei war. Als ich dann begann mich auf Läufe auch noch vorzubereiten und mir dafür ein Rennrad zulegte, nahm die die Geschichte Formen an und wurde im Jahr 2010 mit dem Selbsterlernen der Kraultechnik für die Sportaufnahmeprüfung im Sommer vollendet! Es folgte die Kombination der drei Sportarten, der Wechsel zum RTT-Passail und Trainingsbeginn Jänner 2011 unter dem Grazer Profitriathleten Heinrich Sickl.

WOCHE: Wer waren/sind Ihre Vorbilder unter den Athleten?
Da Triathlon leider nach wie vor eine Randsportart darstellt, ist es sehr schwer von meinen momentanen Vorbildern unter den Triathleten zu berichten, da diese – obwohl sie im Vergleich zu anderen populäreren Sportarten weit mehr leisten – bei den Meisten kaum bekannt sein werden. Sehr wohl aber will ich hier erwähnen, dass ich zu Beginn im Prinzip zu allen Passailer Triathleten hochgeblickt hab. Um hier den Rahmen nicht zu sprengen, will ich stellvertretend Berndi Pöllabauer erwähnen, der 2009 bereits auf Hawaii war, aber es dürfen sich auch alle Anderen angesprochen fühlen!

WOCHE: Welche der drei Disziplinen mögen Sie persönlich am meisten?
Ich glaube, um im Triathlon erfolgreich zu sein, muss man alle Disziplinen lieben! Wenn man im Regen gerne aufs Rad steigt, bei Schnee die Laufschuhe mit einem Lächeln schnürt und ohne sich zu ärgern in ein meschenüberflutetes Schwimmbecken springt passt das schon! Wichtig ist, dass man vor einem Bewerb keine Angst vor einer Disziplin hat und selbstbewusst an die Sache herangeht, obwohl klar zu erwähnen ist, dass Schwimmen meine Achillesferse ist, an der im Winter gearbeitet werden muss!

WOCHE: Wie kann man sich den Trainingsalltag vorstellen? Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?

Gott sei dank sehr abwechslungsreich! Diese Frage ist dadurch auch sehr schwer allgemein zu beantworten, da es auf die Phase der Saison ankommt. Ich trainiere 7 Tage die Woche, an einem Ruhetag gehe ich zum Beispiel eine Stunde schwimmen oder Laufen - ein umfangreicher Tag im Sommer kann aber schon auch mal eine morgendliche einstündige Schwimmeinheit, eine 6-Stunden Radausfahrt und ein direkt anschließendes Läufchen beinhalten. Wichtig ist, dass die Planung von meinem Trainier individuell erfolgt und ich auch sehr viel gemeinsam mit ihm Trainiere.

WOCHE: Wie viel Zeit nimmt dieser Sport in Anspruch?
Ähnlich wie zuvor nicht einheitlich zu beantworten, aber viel! Außerhalb der Saison, also im Winter, geht der Trainingsumfang nicht über 10-15 Stunden hinaus, wohingegen dieser ab Februar kaum noch unter 20 Stunden fällt bei mir. In einem Trainingslager trainiere ich meist über 35 Stunden pro Woche. Diese Nettowerte könnte man nun auch noch auf Bruttostunden hochrechnen, aber davon sollte man als Athlet eher mal absehen, wenn man dann sieht was unter dem Strich - zum Beispiel im Gegensatz zu Fußballern - herausschaut.

WOCHE: Wie bereitet man sich überhaupt für so ein Großereignis wie auf Hawaii vor?
Sehr lange! Wenn man jetzt mal den jahrelangen Aufbau bis zu einem gewissen Leistungsvermögen weglässt, hat die Vorbereitung im Prinzip ein Jahr davor begonnen! Von meinem Trainer wurden von vorne herein fix zwei Saisonhöhepunkte eingeplant: Der Ironman Austria Ende Juni und eine zweite Langdistanz im Herbst, schön dass ich mich für Hawaii qualifiziert habe. Die spezielle Vorbereitung begann dann mit einem 3-wöchigen Trainingslager auf Lanzarote im Februar und zog sich bis zum 12. Oktober. Dabei habe ich zum Beispiel seit Beginn des Kalenderjahres ca. 12.000km am Rad zurückgelegt, um den Umfang etwas zu erläutern.

WOCHE: Was sind Ihre Stärken und was Ihre Schwächen?

Als meine größte Stärke sehen mein Trainer und ich keine Disziplin, sondern Motivation, Zielstrebigkeit und Ehrgeiz! Ohne diese 3 Eigenschaften kommt man in keiner der 3 Disziplinen an die Weltspitze und schon gar nicht in allen dreien kombiniert! Um die eigentliche Frage zu beantworten, ist meine stärkste Disziplin, obwohl ich vom Laufen komme und 10km zum Beispiel in 32 Minuten laufen kann, das Radfahren - Allein das Ergebnis der WM beantwortet die Frage: Die 180km bewältigte ich in nicht ganz 40km/h Schnitt als 14. Schnellster Gesamt.

WOCHE: Wie finanzieren Sie Ihr Leben als Sportler? Wer unterstützt Sie?

Ich glaube mal, dass in so einem Sport ohne Unterstützung von Familie und Freunden einmal gar nichts geht! Auf diesem Wege ein großes Dankeschön! Und gerade in so einer kostenintensiven Sportart wie Triathlon geht auch ohne finanzielle Unterstützung gar nichts! Ohne meinen Hauptsponsor, die FB Green Energy GmbH, hätt ich wohl Hawaii weithin nur von der Landkarte gekannt! Mein Auto vom Autohaus Stacherl erspart mir seit diesem Jahr viel Zeit, die ich ins Geldverdienen investieren hätte müssen, um ein Auto zu erhalten, die ich jetzt ins Training stecken kann! Sport 2000 Liebmarkt, ich denke wenn man 180km in 4,5 Stunden fahren kann, braucht man nicht zu erwähnen, dass Rad und Service in Gleisdorf perfekt passen! Super unterstützt sowie auch in der Zukunft auf der finanziell auf der sicheren Seite bin ich als Kunde der OVB Gleisdorf! Danke auch für die Hawaii-Unterstützung von der Raiba Birkfeld sowie der Malerei Fischer!

WOCHE: Wie sind Sie zu dem Startplatz beim Ironman World Championship 2013 in Hawaii gekommen?
Als Amateur-Athlet kann man sich bei jedem Ironman auf der Welt qualifizieren. Ich habe das heuer in Klagenfurt geschafft: Dazu galt es aber mit einem Sieg in meiner Altersklasse 18-24 den einzigen verfügbaren Startplatz in dieser Kategorie zu ergattern, was mir gelang!

WOCHE: Welche Gedanken schossen Ihnen während diesem Großereignis durch den Kopf? Hatten Sie jemals Gedanken ans Aufgeben?
Gedanke Nummer eins war: Aua, das tut weh - Bezogen jetzt aber auf Schläge und Tritte von Mitstreitern beim Schwimmen zu Beginn. Viel Zeit zum Denken war da nicht, nur einen folgenschweren Entschluss – im positivem Sinne – konnte ich fassen: Meine ursprüngliche und von allen angeratene Taktik, am Rad abwartend zu fahren und zu schauen was passiert, zu verwerfen und von Anfang an Gas zu geben und attackieren. Beim Radeln durch die für Hawaii charakteristischen Lavafelder, dachte ich mir zu Beginn einfach dauernd nur wie genial es ist hier starten zu können sowie sich dabei von Platz 654 nach dem Schwimmen auf Rang 43 Gesamt und 1 in der Klasse vorzukämpfen und später, wie die Leute daheim wohl reagieren würden, als sie meine Splitzeiten im Livetracker verfolgten. Die erste Hälfte des Laufes war dann ein stimmungstechnischer Traum und ich hoffte den Mann mit dem sprichwörtlichen Hammer möglichst lang davonlaufen zu können, bevor die richtige Qual dann ca. ab km30 begann und man sich nur mehr ins Ziel sehnt, was aber alles wieder verloren und vergessen erscheint wenn man diesen unbeschreiblichen Zieleinlauf genießen darf, bevor man nach der Zielline entkräftet auf die Knie geht – nicht in Worte zu fassen!

WOCHE: Was ist Ihnen vom Ironman in Hawaii am Besten in Erinnerung geblieben?

Für immer und ewig wird mir der vorhin erwähnte Zieleinlauf in Erinnerung bleiben. Nachdem ich in Klagenfurt nur mehr in Trance über die Linie getorkelt bin und mich nicht mehr daran erinnern konnte, genoss ich diesen doppelt. Und bis jetzt kommen mir noch die Tränen allein wenn ich davon berichte – viel Trainingsmotivation für die Zukunft bringt so etwas!

WOCHE: Wann wurde Ihnen bewusst, dass Sie den Titel des Vize-Weltmeister erreicht haben?
Als mich der Weltmeister bei km35 beim Laufen überholt hatte. Ich wusste aufgrund von Zurufen österreichischer Zuseher, dass ich bereits als führender vom Rad abgestiegen, nachdem ich nach dem Schwimmen auf Platz 34 gelegen hatte. So ein Gefühlshoch ist unbeschreiblich, bevor man auf den Boden der Tatsachen heruntergeholt wird, dass da noch 42 Laufkilometer auf Einen warten. Leider wurde ich in meiner schlechtesten Phase (Anm: Muskel- und Magenkrämpfe über 2km) überholt und konnte nicht kontern. Das tut in dem Moment dann zwar noch mehr weh, doch die Motivation eine Medaille zu holen beziehungsweise überhaupt auf Hawaii über die Ziellinie laufen zu können, waren natürlich Motivation genug das Rennen schnellst möglich zu beenden: Enttäuschung über den verlorenen Titel gleich Null! Realisiert hab ich das glaub ich immer noch nicht!

WOCHE: Was nehmen Sie Sich für die Zukunft vor? Was sind Ihre Ziele?

Ab nächster Saison werde ich als Profi - vorerst mal auf der Halbironman-Distanz, aber in den nächsten Jahren dann natürlich auf der Ironman-Distanz – an den Start gehen! Für die nächste Saison erwarten mich als junger Athlet natürlich bestimmt ein paar Lehrstunden, denen ich sehr positiv entgegensehe! Die größten Ziele sind einerseits natürlich die Qualifikation für Hawaii als Profi (50 Plätze) und andererseits auch mal den einen oder anderen Ironman gewinnen zu können – Ich träume man da als Österreicher von Klagenfurt. Da ich hin und wieder zum Thema Olympische Spiele gefragt werde: Die Kurzdistanz ist zwar nicht meine Disziplin und sie sind auch kein Ziel von mir, aber sag niemals nie – vielleicht werde ich ja über Nacht noch zum Schwimmmonster.

WOCHE: Können Sie jungen, aufstrebenden Triathleten und solchen, die es werden wollen, ein paar Tipps geben?
Allgemeine Tipps zu geben ist sehr schwierig. In so einer Sportart läuft die komplette Trainingssteuerung sehr individuell ab. Wichtig ist, dass man sich an erfahrenere Athleten oder Trainer wendet und nicht einfach blauäugig drauflostrainiert. Das ist bei mir damals zwar bis zu einem Gewissen Grad aufgegangen, geht aber auf Dauer nicht gut und schadet einem selbst! Wer Talent mitbringt, sowie bereit ist viel zu investieren (Zeit, Geld, Lebensanpassung) kann es mit den Tugenden Motivation, Ehrgeiz und Zielstrebigkeit - gut beraten - sehr weit bringen!

Steckbrief
Name: Christoph Schlagbauer
Geburtstag: 11.09.1989
Wohnort: Haselbach bei Weiz/Graz
Familienstand: ledig
Interessen: Sport
Größte Erfolge: Vize-Weltmeister M18 Ironman, Vize-Europameister M18 Halb-Ironman, Sieg M18 Ironman Austria, mehrfacher Steirischer Landesmeister im Triathlon
Sponsoren: FB Green Energy GmbH, Autohaus Stacherl Weiz, Sport2000 Liebmarkt, OVB Gleisdorf

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