11.01.2018, 00:00 Uhr

Entschleunigung am Jakobsweg

Nach beruflicher und sportlicher Karriere engagiert sich Erich Timischl ehrenamtlich im Pflegewohnhaus Fernitz, wofür ihm kürzlich Caritas-Direktor Herbert Beiglböck Dank und Anerkennung aussprach.

Einem lang gehegten Wunsch zufolge begab sich Erich Timischl auf eine Pilgerreise, die ihn zu Fuß 700 km von zu Hause weg und doch zu ihm selbst führte.

250.000 Pilger gehen jährlich den Jakobsweg nach Santiago de Compostela/Spanien, 2014 machte sich der Mellacher von Pamplona aus auf den Weg zum Grab des Apostels Jakobus. „Man kommt von dort als ein etwas anderer zurück, da passiert sehr viel im Kopf“, blickt Timischl auf seinen dreiwöchigen Fußmarsch zurück. Bis zu seiner Pensionierung legte er für sich in Beruf und Sport die Latte hoch. Seine Arbeit bei Magna führte ihn um die halbe Welt. Fachwissen, Weiterbildung, Einsatzbereitschaft und die Fähigkeit, auch in Stresssituationen gute Leistung zu erbringen, hatten Priorität.

Neben dem Beruf machte er als Eishockeyspieler Karriere. „Ich bin mit dem früheren Landeshauptmann Franz Voves im selben Haus aufgewachsen. Wir waren arme Buben und spielten mit selbst hergestellten Eishockeyschlägern im Hof auf einer Eisfläche, die unsere Väter angelegt haben“, blickt Timischl zurück. Als der ATSE Nachwuchsspieler suchte, gingen er und Voves zum Vorlaufen in die neu gebaute Liebenauer Eishalle. Rasch erkannte der damaligen Trainer Miroslav Kubera das Talent der Buben. „Als er uns fragte, ob wir beim ATSE Eishockey spielen wollen, da schauten wir uns beide an und meinten, wenn du mitmachst, dann bin ich auch dabei“. Puck, Schlittschuhe und eiserne Disziplin brachten sie in die höchste Liga. „Wir spielten im Team der Nationalmannschaft und wurden in der Bundesliga in der Saison 1974/75 und 1977/78 österreichischer Meister.

„Es gehen einem am Jakobsweg viele Gedanken durch den Kopf“, sinniert Timischl. „Erstmals seit meiner Kindheit hatte ich wieder Zeit für mich selber“. Lange Wegstrecken unter glühender Sonne oder im gefühlten Dauerregen war er alleine mit sich selber. „Da fragte ich schon mit schmerzenden Füßen, Jakobus, warum quälst du mich? Und dennoch war ich jeden Tag überglücklich“, strahlt Timischl. Selbst den letzten Wasservorrat und Proviant teilte er mit Weggefährten, „hier zählt das Wir und die Kommunikation fernab von Sprachbarrieren, Herkunft oder Status“.

Timischl lässt heute vieles passieren, was er zuvor minutiös geplant hätte. Am Jakobsweg machte er die Erfahrung, dass es für das wahre Glück nur wenig braucht. „Familie und echte Freunde sind das höchste Gut, bei allem anderen kann man in kleinen Schritten Abstriche machen. Ich habe mir meinen Traum vom Jakobsweg erfüllt – und meine Frau Brigitte hat ihn mitgetragen“. Mit ihr möchte er als nächstes den Franziskusweg gehen, von Florenz nach Assisi.
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