Wie Eltern am besten reagieren, wenn ihr Kind sie anlügt

Kleine Lügengeschichten gehören zur Pubertät dazu: Der Experte erklärt warum und wie Eltern damit am besten umgehen.
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  • hochgeladen von Elisabeth Pötler

Stellen wir die Frage anders: Wann lügen Kinder und Jugendliche nicht? Die Antwort: Wenn sie es nicht nötig haben.
Wann ist Lügen nicht notwendig?
1. Wenn ein Kind grundsätzlich auf Verständnis stößt. Jedem können Fehler passieren: Man schreibt eine schlechte Note in der Schule, übersieht die Zeit oder setzt eine impulsive Handlung. Wie Eltern reagieren sollten: Mit Ausgleich und Versöhnung statt Strafe und Härte.
2. Wenn ein Klima der Offenheit und Ehrlichkeit herrscht. Denn dann kann alles erzählt werden, vor allem Dinge, die wirklich für Schwierigkeiten sorgen könnten.
3. Wenn das Kind unterstützt wird beim Umgang mit seinen Selbstzweifeln. Sehe ich gut genug aus? Bin ich in meiner Gruppe anerkannt? Warum erreiche ich nicht, was ich will? Elterliche Unterstützung und Begleitung hilft oft bei Größenfantasien und Aufschneiderei.
4. Ein Teenager braucht auch nicht zu lügen, wenn Eltern achtsam sind. Sie beobachten sein Tun, sind neugierig auf seine Leidenschaften. Dabei sind Sie wachsam, schreiben dem jungen Menschen aber nicht alles vor, was gut für ihn ist.

Kleine Lügen sind normal
Entwicklungspsychologen sind sich übrigens einig, dass ein gewisses Maß an Lügen zur Pubertät dazu gehört: Das Gehirn ist dann nämlich eine Baustelle. Das Frontalhirn zuständig für Planung, Hemmung und Integration von Gefühlen und Werten, ist noch nicht richtig entwickelt. Dafür sind Gefühle, Fantasie und Begeisterung überschäumend.
Das Flunkern beginnt üblicherweise mit 12 Jahren und sollte sich spätestens bis 17 gelegt haben. Bleibt es bestehen, kann eine Beziehungskrise vorliegen. Eltern und Teenager vertrauen sich nicht. Aber auch hier hilft kein Überdramatisieren, Kontrollieren und Strafen, denn Druck und Härte sind meist der beste Dünger für ein Lügensystem.

Das können Sie tun:
• Seien Sie ein Vorbild. Wie halten Sie es mit kleinen Lügen? Stehen Sie zu Verfehlungen. Vermitteln Sie, dass man mit Ehrlichkeit am weitesten kommt.
• Pflegen Sie ein Klima der Wertschätzung und Transparenz gegenüber ihrem Teenager. Sagen Sie aber auch klar und unmissverständlich, in gebührenden Ton, wenn etwas nicht in Ordnung ist.
• Aus Lügen ergeben sich oft natürliche Konsequenzen, die Ihr Kind tragen muss, strafen Sie es nicht unmotiviert.
• Fordern Sie nicht kategorisch Schuldeingeständnisse ein und blamieren Sie Ihren Teenager nicht. Geben Sie ihm die Chance, sein Gesicht zu wahren. Geben Sie ihm durch Fragen die Möglichkeit, die Geschichte immer wieder zu erzählen und zu einer Lösung zu kommen.
• Wenn sich Ihr Kind durch Lügen in eine ausweglose Situation verstrickt hat, stoßen Sie es nicht weg, halten Sie zu ihm, bis es eine Lösung gibt.
• Suchen Sie mit Ihrem Teenager nach Alternativen zur Lüge, um ein Problem zu lösen. Wertschätzen Sie sein Bemühen.

Dr. Philip Streit ist Psychologe und Psychotherapeut.
Seit 19 Jahren leitet er das „Institut für Kind, Jugend und Familie“ in Graz, das größte Familientherapiezentrum der Steiermark.
Jede Woche beantwortet der Experte eine Frage rund um die
Themen Erziehung und Beziehung.
Ihre Fragen können Sie per E-Mail an die Redaktion schicken:
elisabeth.poetler@woche.at

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