Krimiautorin Claudia Rossbacher
"Ich schreibe mit dem Blick in die Glaskugel"

Der "Steirerstern" wandert gerade durch die Bestseller-Listen, der elfte Steirerkrimi ist in Arbeit.
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  • Der "Steirerstern" wandert gerade durch die Bestseller-Listen, der elfte Steirerkrimi ist in Arbeit.
  • Foto: Hannes Rossbacher
  • hochgeladen von Roland Reischl

Höchste Spannung, überraschende Wendungen, unvorhergesehene Ereignisse sind ihr nicht fremd: Doch die letzten Wochen dürften auch die großartige steirische Krimiautorin Claudia Rossbacher überrascht haben. Gemeinsam mit ihr haben wir in unserer Serie – in deren Rahmen wir Meinungsbildner und Querdenker befragt haben – einen Blick auf diese "neue Normalität geworfen , die uns Experten und Politiker prophezeien.

Der nächste Krimi wird neu geschrieben

Vieles werde nach Corona anders sein, meint sie: "Das chinesische Schriftzeichen für "Krise" trifft es aus meiner Sicht gut, setzt es sich doch aus den Symbolen für „Gefahr“ und „Gelegenheit“ zusammen." Manches werde danach schlechter, manches besser sein, wirtschaftliche Einbußen würden die meisten von uns hinnehmen müssen: "Vieles, was wir zuvor ganz selbstverständlich konsumiert haben, wird in diesem Umfang nicht mehr möglich, einiges nicht mehr notwendig sein beziehungsweise höher geschätzt werden."
Das werde auch im ganz alltäglichen Leben spürbar werden: "Die körperliche Nähe zwischen den Menschen, Hände schütteln, Wangen küssen wird so schnell nicht, wenn überhaupt jemals wieder, zurückkehren." Der positive Nachsatz: "Dafür wird uns die spürbar gestiegene menschliche Nähe und Wertschätzung hoffentlich erhalten bleiben." Auch beruflich steht eine "Neuorientierung" für die Erfolgsautorin an: "Die ersten 50 Seiten meines nächsten Romans, der im Jänner 2021 handelt, musste ich komplett umschreiben, weil mir klar war, dass sich das so, wie es vorher war, danach nicht mehr abspielen wird. Seither schreibe ich mit Blick in die Glaskugel weiter, was ziemlich spannend ist."

Besinnung auf Wesentliches

Und was sieht sie da, in dieser Glaskugel? "Das Schneller-, Weiter-, Höher-, Immer-mehr-Pendel musste irgendwann in die Gegenrichtung ausschlagen. Ewiges Wachstum ist widernatürlich", stellt sie fest. Es werde eine neue Bescheidenheit gefragt sein: "Die mangelnde Wertschätzung für Lebensmittel, Natur und Menschen, der Konsumwahn in unserer Wegwerfgesellschaft gehören sowieso längst korrigiert. Die Erkenntnis, dass wir gar nicht so viel brauchen, wie wir immer geglaubt haben, sehe ich als Gewinn." Das Risiko aus ihrer Sicht: "Es besteht die Gefahr, dass die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter aufgeht."
Dennoch hofft sie auf ein Umdenken: "Die Erkenntnis, dass die Kassenkraft im Supermarkt, die Altenpflegerin, die Krankenschwester künftig mehr verdienen sollte, ist nun hoffentlich auch dem letzten überbezahlten Politiker und Konzernchef klargeworden." Sie wünsche sich eine Neubemessung des Wertes der Arbeit: "Die unverschämt hohen Gagen mancher Bonzen in Politik, Wirtschaft und Kultur sollten schlichtweg abgeschafft werden. Wenn es ein Mindesteinkommen gibt, könnte es doch auch ein Höchsteinkommen aus Solidarität geben." Klingt gut, aber ...? "Dass sich dieser blauäugige Ansatz niemals durchsetzen wird, ist mir leider klar", hat Rossbacher einen klaren Blick auf die Realität.

"Kreuzfahrten einstellen"

Nachdem aber auch bei einer Krimiautorin die Hoffnung zuletzt stirbt, baut sie auf die Menschen in diesem Land: "Vielleicht lässt sich die Erkenntnis, dass unsere regionalen Produkte und kleinen Strukturen erhalten werden müssen, damit wir uns möglichst unabhängig von anderen selbstversorgen können, in diese neue Normalität mitnehmen." Denn: "Globalisierung geht bereits dann in die falsche Richtung, wenn Spargel um die halbe Welt geflogen wird, damit er im März möglichst billig im Supermarkt angeboten werden kann, anstatt ein paar Wochen auf heimische Ware zu warten." Kreuzfahrten würde sie einstellen, außerdem müsse es machbar sein, den Flug- und Autoverkehr zu reduzieren. Viele Wege seien überflüssig, wenn man Home-Office, Videokonferenzen und Co. in Zukunft stärker nutze. Nach der Krise werde der internationale Austausch, schon aus wirtschaftlichen Gründen, bestimmt wieder aufleben. "Er sollte dann aber auch ökologisch vertretbar sein. Also keine Importe von Rindfleisch aus Argentinien und Spargel aus Chile. Kritischer Blick ins Steirerland: "Die Staus, die sich nach der Wiedereröffnung der Drive-ins einer amerikanischen Burgerkette gebildet haben, sprechen aber leider eine andere Sprache."

Sorge um die Gemeinden

Themenwechsel: Bedeutet die Krise zwangsläufig ein Wegbewegen von internationaler Vernetzung? "Die Krisen der letzten Jahre haben ganz deutlich gezeigt, dass Europa aus einzelnen Staaten mit vorwiegend nationalen Interessen besteht, ob Flüchtlings- oder Corona-Krise. Selbst der vergleichsweise harmlose Siegeszug des Regionalkrimis bestätigt diesen Trend."
Gewinner der Krise wird aus Sicht von Claudia Rossbacher der Versandhandel sein. "Der größte von ihnen ist leider der Konzern des reichsten Mannes der Welt, der weitere Milliarden an der Krise verdient hat. Die österreichischen Onlineshops konnten hoffentlich ein wenig mitnaschen." Wenn auch nicht genug, um die Verluste durch Geschäftssperren wettzumachen, das sei ihr bewusst. "Manche Shops wurden ja quasi über Nacht von den Einzelhändlern aus dem Boden gestampft, um die Umsatzeinbußen möglichst gering zu halten. Ich kann nur hoffen, dass möglichst viele von ihnen die Corona-Maßnahmen und deren Folgen überleben werden, damit die Innenstädte und Ortskerne nicht komplett aussterben." Dasselbe wünsche sie sich für die Gastronomiebetriebe – "zumindest für jene, die ihre Einnahmen in Österreich versteuern." 

Freunde und Tantiemen fehlen

Und wie geht es ihr ganz persönlich mit den Umständen? "Ich schlafe in der Krise besser als sonst. Nur zum Aufstehen habe ich öfter keine Lust", schmunzelt sie. "Dabei hat sich mein Alltag kaum verändert. Als Schriftstellerin arbeite ich sowieso die meiste Zeit abgeschottet im Home Office (am Reinischkogel, Anm. der Red.). Allerdings trifft es mich schon, dass sämtliche Lesungen für meinen zehnten Steirerkrimi „Steirerstern“ bis auf weiteres abgesagt wurden." Ebenso wie die Sperre der Buchhandlungen, die sich im Juli finanziell für sie auswirken werden, wenn die Tantiemen der Buchverkäufe des ersten Halbjahres fällig sind. "Aber die erwarteten Einbußen werden mich nicht umbringen, ich schreibe ja weiter", zeigt sie sich zuversichtlich. "Momentan fehlen mir meine engsten Freunde, die Gastronomiebetriebe und Buschenschenken im Schilcherland und das Reisen am meisten. Aber diese Durststrecke hat ja bald ein Ende."  Resümee? "Alles wird gut."

Der "Steirerstern" wandert gerade durch die Bestseller-Listen, der elfte Steirerkrimi ist in Arbeit.
Claudia Rossbacher und ihr zehnter Krimi "Steirerstern".
Autor:

Roland Reischl aus Graz

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