Tipps vom Psychologen: Wenn Eltern altern und Hilfe brauchen

Unterstützen und nicht bevormunden: Ältere Menschen wollen ihre Autonomie so lange wie möglich bewahren.
  • Unterstützen und nicht bevormunden: Ältere Menschen wollen ihre Autonomie so lange wie möglich bewahren.
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  • hochgeladen von Elisabeth Pötler

Vielleicht kennen Sie diese Situation: Ihre Eltern altern, sind 70 oder 80 Jahre und Sie bemerken, dass sie Hilfe brauchen: Vielleicht beobachten Sie mangelnde Selbstständigkeit und zunehmende Orientierungslosigkeit. Doch Ihre Eltern wollen keine Hilfe annehmen. Wie soll man sich als Tochter oder Sohn verhalten?
Der Volksmund sagt: Ältere Menschen werden wieder wie Kinder. Doch nichts ist so falsch wie diese Annahme. Denn diese Menschen haben ihr Leben gemeistert, beruflich etwas geschaffen und Kinder großgezogen. Sie sind mit ihren Eigenheiten zu Persönlichkeiten geworden und haben sich in ihrem Leben Autonomie erarbeitet.
Diese Autonomie aber droht im Alter verloren zu gehen, wenn man schlechter sieht, schlechter hört, nicht mehr so flexibel ist und Gefahr läuft geistig abzubauen.
Alte Menschen aber verteidigen ihre Unabhängigkeit mit Händen und Füßen. Hilfe zuzulassen ist für sie oft gleichbedeutend mit dem Gefühl, kein selbstständiger Mensch zu sein. Es ist menschlich, dann störrisch zu reagieren, eine Versorgung zu verweigern oder die eigene Wohnung nicht gegen ein Heim tauschen zu wollen. Am ehesten helfen lässt man sich aber von den eigenen Kindern.

Wollen, aber nicht können

Spürbar wird dabei die Kluft zwischen Nicht-mehr-können und dennoch weitermachen wollen wie bisher. Für Töchter und Söhne gilt es damit sorgsam und souverän umzugehen. Der Schlüssel dazu sind Respekt, Begegnung auf Augenhöhe und Dankbarkeit für das, was die Eltern geschaffen haben.
Fest steht: Die Betreuung eines älteren Menschen ist eine Herausforderung. Ein No-go: alte Rechnungen zu begleichen um quasi den Spieß umzudrehen. Das kann eine Beziehung nur verschlechtern. Hindernisse in der zwischenmenschlichen Beziehung gilt es möglichst aus dem Weg zu räumen. Dafür gibt es nur einen Weg: Verzeihung und Wiedergutmachung. Aus Dankbarkeit heraus fällt es leichter Menschen zu umsorgen. So kann man in wachsamer Sorge klare, angemessene Schritte zur Unterstützung setzen.

Sieben praktische Tipps

1. Beginnen Sie rechtzeitig mit ihren Eltern darüber zu reden, was sein wird, wenn sie Unterstützung brauchen, wenn sie etwa in ihrer Mobilität eingeschränkt sind.
2. Machen Sie innerlich reinen Tisch mit Konflikten und gehen mit Dankbarkeit an ihre Aufgabe heran. Legen Sie sich fest: Dies sind Ihre Eltern und das bleiben Sie auch. Entwickeln Sie die Größe zu verzeihen, vielleicht mit professioneller Hilfe, wenn es größere, unausgeräumte Dinge gibt.
3. Sprechen Sie mit Vertrauten darüber, was Sie sich an Pflege zumuten können. Achten Sie besonders darauf, sich nicht zu überfordern. Schaffen Sie ein Netz der Hilfe.
4. Lassen Sie Entscheidungen, so lange es möglich ist, bei Ihren Eltern. Stehen Sie aber hilfreich zur Verfügung.
5. Wenn es nötig ist, treffen Sie eindeutige Entscheidungen. Besprechen Sie sich und übernehmen Verantwortung dafür.
6. Wenn es einmal emotional schwierig wird, bleiben Sie ruhig und liebevoll sowie beharrlich.
7. Haben Sie immer ein offenes Herz und lassen Sie Ihre Eltern erzählen, wie sie ein Problem lösen würden. So können Sie eine offene und respektvolle Beziehung mit ihnen führen.

DER EXPERTE
Dr. Philip Streit
ist Psychologe, Psychotherapeut und Lebens- und Sozialberater.
Seit 20 Jahren leitet er das „Institut für Kind, Jugend und Familie“ in Graz, das größte Familientherapiezentrum der Steiermark.
Kontakt: Tel. 0316/77 43 44, www.ikjf.at
Jede Woche beantwortet er in der „WOCHE“ eine Frage aus dem Themenfeld Erziehung und Beziehung.
Ihre Anregungen können Sie an die Redaktion schicken:
elisabeth.poetler@woche.at

Autor:

Elisabeth Pötler aus Graz

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