Mit Grazer Ausrüstung zu Olympiagold
Dynafit und die Schischuhe der Sieger
- Mit Schischuhen der Grazer Firma Dynafit hohlte Franz Klammer olympisches Gold für Österreich.
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5. Februar 1976: Die Straßen sind menschenleer. Viele sitzen zu Hause, starren gebannt auf ihre Fernsehapparate – sie werden Zeugen, wie Abfahrtskaiser Franz Klammer am Patscherkofel zu Olympiagold rast. Andere hatten sich damals in Wirtshäusern versammelt und fieberten dort vor dem TV-gerät in der Gaststube mit – noch nicht jeder Privathaushalt verfügte über einen Fernseher. In Graz drängten sich die Menschen vor einem Bildschirm vor dem Spielwarengeschäft Koch am Hauptplatz (und sicher auch anderswo).
Es war ein denkwürdiger Moment: Der spektakuläre Höllenritt, der gelbe Rennanzug, Klammers Rennskier der Marke Fischer, all das hat sich tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Aber Hand aufs Herz: Wem ist heute noch bekannt, dass Klammer seine Siegesfahrt mit Schuhen der Marke Dynafit bestritt? Noch weniger dürfte bekannt sein, dass es sich dabei ursprünglich um eine Marke der Humanic Leder und Schuh AG aus Graz handelte.
Von Sieg zu Sieg
Das Traditionsunternehmen, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1872 zurückreichen, brachte 1950 seine ersten Skischuhe auf den Markt – nicht zufällig, denn es war die Zeit, in welcher der Skisport in Österreich langsam zu boomen begann. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das Grazer Unternehmen Dynafit kontinuierlich weiter und erarbeitete sich mit technischen Neuerungen immer wieder einen Wettbewerbsvorsprung: So produzierte man 1965 die ersten Schuhe mit Schnallenverschlüssen.
Auch der technologische Sprung vom Leder zum Kunststoff wurde zunächst gut bewältigt. Die Nachfrage war derart groß, dass Humanic am Beginn der 1970er Jahre eine Dynafit-Schufabrik in Graz-St. Martin errichtete. 1972 wurde diese an die oberösterreichische Skifirma Fischer verkauft. Humanic-Dynafit war zum begehrten Ausrüster im alpinen Skizirkus geworden – überdies zu einem sehr erfolgreichen, denn in den 1970er und 1980er Jahren reihte sich Rennerfolg an Rennerfolg: Vom Klammer-Triumph abgesehen holten Dynafit-Athleten von der Saison 1974/75 bis 1982/83 acht Mal in Serie den Abfahrtsweltcup. Auch einen weiteren Olympiasieger gab es: Leonhard Stock, der 1980 in Lake Placid Abfahrtsgold gewann.
- Die Schuhe spielten bei großen Sportmomenten mit.
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Verblassender Ruhm
Doch all der Ruhm schützte nicht vor dem Abstieg. Noch in den 1970er Jahren begann das Geschäft mit dem alpinen Skisport zu stagnieren. Die Übersättigung des Marktes zeichnete sich deutlich ab – die Konkurrenz im In- und Ausland wuchs, und mit ihr der Preiskampf. Humanic, das seinen Innovationsvorsprung bei Skischuhen eingebüßt hatte, setzte in dieser Situation auf Diversifizierung: Die Marke fand Eingang in den Tourenskibereich, und zwar in Form eines Skitouring-Bindungssystems mit der Bezeichnung „Low Tech“.
Dieses kam 1985 auf den Markt, es war einfacher und leichter als jedes andere Skitourenbindungssystem dieser Zeit und erleichterte vor allem das Gehen erheblich. Die einstige Breitenwirkung erreichte man damit freilich nicht mehr. Indessen wurde die Skischuproduktion 1998 eingestellt. Nach mehreren Besitzerwechseln wurde die Marke, inzwischen als Dynafit Sports GmbH firmierend, 2003 Teil der familiengeführten Bozener Unternehmensgruppe Oberalp.
Seither machte sich Dynafit besonders im Skitouren-Rennsport einen Namen, unter anderem mit der Schuhlinie „ZZero“ und mit dem Schneeleoparden als unverwechselbares Logo. Zudem kann man heute auch mit einer breiten Produktpalette für weitere Trendsportarten aufwarten, beispielsweise mit Schuhen und Bekleidung für Trail Running, Mountaineering und Mountainbiking.
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