Grazer Erfindung: das "Steirertor"
- Archivbild aus der roten Vergangenheit: Trainer Herfried Sabitzer mit Sohn Marcel (vorne, 2.v.l.), Michael Gregoritsch (vorne, Mitte) und Co.
- Foto: H. Rienessel
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Ein Beitrag von Herbert Rienessel
Grazer Fußballlegenden gibt es viele: Einer der Besten spielt in Leipzig, der erste Star war einst Teil des ,Wunderteams'.
Unterschiedliche Zeiten, unterschiedliche Idole: Der erste Grazer Fußballstar von Europaformat war in der Zwischenkriegszeit Torhüter Rudi Hiden. Und derzeit ist zweifellos Marcel Sabitzer einer der besten Fußballer mit Grazer Vergangenheit. Grund genug, beide Karrieren zu beleuchten.
Legendäre Geburtsstunde
Rudolf Hiden kam 1909 in Graz zur Welt. Als Jugendlicher schloss er sich dem GAK an – und schaffte den Sprung in die Kampfmannschaft. 1926 und 1927 wurde Hiden mit den Athletikern steirischer Meister, ehe er als Profi zum Wiener AC wechselte.
Nach einem seiner wenigen folgenschweren Fehler soll dort Mannschaftskollege Karl Sesta gerufen haben: „So a Türl kann a nur a Steirer kriegen!“ – das „Steirertor“ war geboren. Letztlich setzte sich Hiden in Wien aber souverän durch und schaffte mit dem Wiener AC 1931 den österreichischen Cupsieg und den Finaleinzug im Mitropacup.
- Torhüter-Legende aus Graz: R. Hiden
- Foto: Sammlung H. Rienessel/Hiden-Museum des StFV
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Vom Grazer zum Franzosen
Der Weg ins Nationalteam war geebnet: Mit Hiden im Tor sorgte die österreichische Auswahl von 1931 bis 1933 unter anderem mit Siegen gegen Deutschland, Italien und Frankreich für Furore und ging als „Wunderteam“ in die Geschichte ein. 1933 wechselte Hiden zu Racing Paris, wo er ebenfalls große Erfolge feierte – und schließlich die französische Staatsbürgerschaft annahm. 1940, kurz vor seinem Karriereende, wurde der gebürtige Grazer sogar in die französische Nationalmannschaft einberufen. Als Angehöriger der französischen Armee geriet Hiden während des Zweiten Weltkrieges in deutsche Gefangenschaft.
Nach seiner Freilassung kehrte er nach Paris zurück, wo er sich als Unternehmer versuchte, jedoch glücklos blieb. In den 1950er- und 1960er-Jahren arbeitete er als Trainer bei italienischen Zweit- und Drittligateams. Große Erfolge blieben aus. Ein Krebsleiden, das zu einer Beinamputation führte, erschwerte seine letzten Lebensjahre. Verarmt und vergessen starb Rudi Hiden 1973 in Wien.
- Foto: H. Rienessel
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Ausbildung beim GAK
Sprung in die Gegenwart: Von den Topspielern aus der GAK-Talenteschmiede wären an dieser Stelle auch Michael Gregoritsch, Stefan Posch oder Valentino Lazaro zu nennen. Als Leistungsträger und Kapitän des deutschen Spitzenklubs RB Leipzig ist das aktuell größte Aushängeschild aber Marcel Sabitzer. Geboren 1994 in Wels, sieht sich Sabitzer selbst als Steirer. Von seinem siebten Lebensjahr an wurde er, dessen Vater Herfried sich ebenfalls als Profi einen Namen gemacht hatte, in der GAK-Jugend ausgebildet. Der junge Sabitzer beeindruckte mit Tempo, Technik und Schusskraft.
Nach kurzen Gastspielen in den Nachwuchsabteilungen von Wiener Neustadt und der Wiener Austria unterschrieb der Offensivmann 2010 seinen ersten Profivertrag bei der Admira. Die weiteren Stationen: Rapid und Red Bull Salzburg. Ab 2015 lief er für Leipzig auf – es folgten Traumtore, das Champions-League-Halbfinale 2020 gegen Paris SG und die Ernennung zum Spielführer – eine Karriere wie aus dem Bilderbuch. Für die österreichische Nationalmannschaft bestritt Marcel Sabitzer bisher 48 Spiele und erzielte dabei acht Tore.
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