Rassismus als Teil der Grazer Sportgeschichte

Dessau 05, 1939 Gast am Sturmplatz, leistet den Hitlergruß.
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  • Dessau 05, 1939 Gast am Sturmplatz, leistet den Hitlergruß.
  • Foto: Hans Schabus
  • hochgeladen von Christoph Hofer

Von den Autoren Walter Iber und Harald Knoll

Antisemitismus und Rassismus sorg(t)en auch im Grazer Sport für Probleme: Wie Klubs darauf reagieren.

Im Oktober 2019 kommt es in der Liebenauer Eishalle zu einem Rassismus-Eklat: Beim Heimspiel der 99ers gegen Dornbirn sind aus dem Grazer Fansektor nachgeahmte Affenlaute zu hören; sie richten sich gegen den dunkelhäutigen Dornbirn-Verteidiger Jordan Subban. Der 99ers-Vorstand reagiert rasch und konsequent: Das Gros der Übeltäter wird mit einem Stadionverbot für zumindest die Saison 2019/20 belegt. Zudem müssen die Betroffenen Erklärungen unterschreiben, in denen sie versichern, ein solches Verhalten bei Spielen der Graz 99ers zukünftig zu unterlassen. Der Fall schlug hohe Wellen und war medial sehr präsent – im Gegensatz zu anderen verbalen Ausfällen, die sich zum Beispiel (sofern gespielt wird) Woche für Woche im Fußball-Unterhaus ereignen und meist für plumpen Alltagsrassismus stehen.

"Arierparagraph" eingeführt

In puncto Sensibilisierung gäbe es jedenfalls viel zu tun, wobei die Vereine besonders gefordert sind. Ein Blick in Zeiten, in denen Rassismus im Sport System hatte und insbesondere in einem massiven Antisemitismus zum Ausdruck kam, kann hier hilfreich sein. Die großen Grazer Fußballklubs haben ihre Geschichte dahingehend bereits aufgearbeitet.
Daher ist bekannt, dass sowohl der GAK als auch Sturm in den jeweiligen Gründungssatzungen – aus den Jahren 1902 beziehungsweise 1909 – einen „Arierparagraphen“ verankert hatten. Mitglieder beider Vereine konnten demnach nur „Deutsche arischer Abkunft“ werden.

Heute unvorstellbar, im November 1938 Realität: Die Veröffentlichung des "Judenverbotes" am Platz des Grazer Sportklubs.
  • Heute unvorstellbar, im November 1938 Realität: Die Veröffentlichung des "Judenverbotes" am Platz des Grazer Sportklubs.
  • Foto: Grazer Tagespost, 18.11.1938
  • hochgeladen von Christoph Hofer

Freundschaft und Friktion

Bei „Rot“ und bei „Schwarz“ war Antisemitismus damit anfänglich ein Teil der Vereins-DNA, wobei sich dies im sportlichen Alltag eher ambivalent niederschlug. Während manches Spiel gegen den jüdischen Klub SC Hakoah Graz alles andere als friktionsfrei über die Bühne ging, pflegten etwa die GAK-Wasserballer zwischenzeitlich eine Trainingsgemeinschaft mit den Wasserballern der Hakoah. Sturm löschte den Paragraphen 1932 aus seinen Statuten, der GAK hielt noch länger an ihm fest.

Ausgrenzung der Juden

Mit dem „Anschluss“ Österreichs an Hitlerdeutschland und der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahr 1938 brachen dann alle Dämme. Von Anfang an hielt das NS-Regime die Vereine zur Ausgrenzung jüdischer Sportler und Funktionäre an – und die Vereine zogen mit.
Der Grazer Sportklub Straßenbahn, damals dritter prominenter Vertreter der Grazer Fußballzunft, machte den Anfang: Im November 1938 verhängte er auf seiner Sportanlage ein „Judenverbot“. Indes wurde der SC Hakoah von der Gestapo liquidiert. Seine Mitglieder mussten teils ins Ausland flüchten, teils fielen sie der nationalsozialistischen Terrorherrschaft zum Opfer.

Rassismus-Schulung

Dass Sensibilisierung in diesem Zusammenhang nicht zwangsläufig nur ein Lippenbekenntnis sein muss, haben die Verantwortlichen der Graz 99ers unter Beweis gestellt: Infolge des eingangs erwähnten Skandals wurde über die betroffenen „Fans“ nicht nur ein Stadionverbot verhängt. Einige von ihnen hatten sich auch einer professionellen Schulung zum Thema „Respekt und Rassismus“ zu unterziehen.


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