Tennis in Graz: Erster Aufschlag im 19. Jahrhundert
- Vorreiter in Sachen Tennis: Auf den Anlagen des GAK in der Körösistraße wird bereits seit über hundert Jahren gespielt.
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Ein Beitrag von Gilbert Norden
Als Tennis noch „Lawn Tennis“ hieß: Über die Anfänge und weitere Entwicklung einer
Weltsportart in Graz.
Während man sich bei den French Open in Paris der entscheidenden Phase nähert, blicken wir heute zurück in die Jahre und Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg, um die Anfänge des Tennis in Graz zu beleuchten. Das Tennisspiel, wie wir es heute kennen, nahm seinen Ursprung 1873/74 in England, wo es auf Rasenplätzen gespielt wurde. Daher auch der Begriff „Lawn Tennis“ (Rasen-Tennis). In Österreich wurde Tennis zuerst von Mitgliedern der britischen Botschaft in Wien gespielt. Bald aber fand der Sport auch seinen Weg nach Graz: Die erste „Lawn Tennis“-Gesellschaft entstand 1889 in der Humboldtstraße, genauer in der Villengegend am Fuße des Rosenbergs.
Gespielt wurde aber nicht – so wie es der Name eigentlich vermuten lässt – auf Rasen, sondern auf einem harten Belag.
Es begann mit Studenten
Vier Jahre später, 1893, nahmen Studenten und Akademiker auf einer Radrennbahn am heutigen Messegelände den Tennisbetrieb auf. Zur Zeit der vorletzten Jahrhundertwende konnten sich dann zwei Tennisvereine in Graz etablieren: Einer davon war der Akademische Sportverein (ASV), der kurzfristig auch als „Grazer Sportverein“ auftauchte.
Heimstätte des ASV waren damals mehrere Sandplätze in der Fröhlichgasse. Der zweite Verein war der Grazer Athletiksport Klub (GAK). Der GAK legte Sandplätze in der Körösistraße an, diese befinden sich auch heute noch dort. Beide Vereine trugen auf ihren Anlagen in den Jahren vor 1914 Klubvergleichskämpfe sowie lokale und internationale Turniere aus. Die Preise für diese Turniere spendeten meist die austragenden Vereine, aber auch verschiedenste bekannte Persönlichkeiten. Auch die Stadt Graz selbst spendete damals einen Preis für einen international ausgeschriebenen Wettkampf. Die umstrittene Auflage dafür: Die Zählung der Spielstände sollte auf Deutsch und nicht auf Englisch stattfinden.
- Im Grazer Tagblatt wurde 1900 das Tennisgeschäft beworben.
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Öffnung für die Mittelschicht
Der Streit um die „richtige“ Tennissprache konnte den Tennis-Aufschwung in Graz freilich nicht aufhalten. So richteten nun auch Geselligkeitsvereine, namentlich der anglo-französische Club und der Klub der Reserveoffiziere, Tennissektionen ein.
Die Anzahl der Spieler und Spielerinnen stieg und neue Tennisanlagen entstanden in Graz – unter anderem in der Grazbachstraße, in der Zimmerplatzgasse und in der Elisabethstraße. Da diese Plätze – und zeitweise auch einzelne Plätze des GAK – von jedermann stundenweise gemietet werden konnten, wurde gelegentliches Spielen für ein breiteres Publikum aus der bürgerlichen Mittelschicht möglich.
Tennis wird zum Geschäft
Zur weiteren Verbreitung trugen auch vom GAK und ASV organisierte Tenniskurse für jugendliche Nicht-Mitglieder bei. Diese Kurse hatten meist großen Zulauf. Ob wettkampfmäßiges Tennis oder Gesellschaftsspiel, eine entsprechende Kleidung und Ausrüstung war obligat. Seit 1900 gab es ein Spezialgeschäft für Tennisbekleidung und Ausrüstung in der Sporgasse. Die Entwicklung des Tennis zum Wirtschaftszweig hatte damit begonnen.
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