Serie zur Sportgeschichte
Wo man Racket und Tanzbein schwang
- So sah das Tennisspiel in einem Ballhaus aus: Titelblatt zum Werk Le Jeu Royal de la paulme von Charles Hulpeau aus dem Jahre 1632.
- Foto: Charles Hulepau
- hochgeladen von Ludmilla Reisinger
Vom Tennismatch bis zum Tanzabend: Im Grazer Ballhaus ging es von Anfang an hoch her.
Ein Beitrag von Johannes Gießauf
Im Gegensatz zum berühmten Wiener Ballhausplatz fristet das gleichnamige Grazer Gässchen zwischen Freiheitsplatz und Sporgasse ein sehr beschauliches Dasein. Was den Sitz des Bundeskanzleramtes und die seit 1825 bezeugte Grazer Ballhausgasse freilich verbindet, ist der Ursprung ihrer Benennung. Schließlich weist ihre, auch in anderen Städten des deutschen Sprachraums anzutreffende, Bezeichnung beide Örtlichkeiten als einstige Sportstätten der Reichen und Schönen vergangener Jahrhunderte aus.
Frühform des Tennis
In den namengebenden Ballhäusern in Wien und Graz vergnügten sich Adel und gehobenes Bürgertum der frühen Neuzeit beim sogenannten Jeu de Paume – einer Frühform des heutigen Tennis, die im 13. Jahrhundert als Zeitvertreib der Mönche in den Kreuzgängen französischer Klöster seinen Ausgang genommen hatte. Ab dem 14. Jahrhundert begeisterte sich zusehends auch der Adel für diese zunächst mit der Handinnenfläche und erst ab etwa 1500 mit einem Schläger (raquet) praktizierte Ballsportart.
So matchten sich bei Gelegenheit eines Treffens in London 1522 sogar Kaiser Karl V. und der englische König Heinrich VIII. in dieser Modesportart. Das von Medizinern ob seiner Eleganz und Trainingswirkung für Arme und Beine hochgelobte „Ballschlagen“ zählte wie Reiten, Fechten, Schießen und Tanzen zu den „kavaliersmäßigen Exerzitien“ der Zeit. Zu Beginn unter freiem Himmel gespielt, wurden bald eigens konzipierte Gebäude errichtet, die den komplizierten Regeln des Spiels gerecht werden mussten.
Stunde der Ballhäuser
Dazu benötigte man flachgedeckte Hallen mit hohen Wänden, hoch gelegene, mit Netzen verhängte Fenster und Zuschauernischen sowie in den Boden eingearbeitete Markierungen des Spielfeldes, das in der Mitte durch eine Schnur, später dann ein Netz geteilt wurde. Wohl in ihren spanischen Besitzungen vom zeitgenössischen „Tennisfieber“ angesteckt, ließen die Habsburger zuerst 1521 in Wien und in der Folge in den meisten ihrer erbländischen Residenzen eigene Ballhäuser errichten.
Nach kurzlebigen Vorgängerbauten am Tummelplatz und am Murtor zeichnete der Ballmeister Ferrante Signorini zwischen 1602 und 1605 dafür verantwortlich, dass Graz auf den heutigen Grundstücken Ballhausgasse 1–3 eine repräsentative dreigeschoßige Spielstätte erhielt. Betuchte Sportler konnten hier unmittelbar neben der landesfürstlichen Burg ihr Racket schwingen und zum Teil beachtliche Summen bei damit verbundenen Wetten riskieren.
Billard und Kartenspiel
Daraus resultierende Schulden und teilweise handgreifliche Streitigkeiten schlagen sich quer durch Europa in den Akten der Zeit nieder und bescherten Ballhäusern nach und nach einen zum Teil zweifelhaften Ruf. Daneben wurden Ballhäuser in ganz Europa für Kartenspiel und das im 18. Jahrhundert boomende Billard sowie dank ihrer Architektur für Theateraufführungen und große Tanzvergnügungen (daher auch die heutige Benennung als Ball) genutzt. Das Mitte des 18. Jahrhunderts geschlossene Grazer Ballhaus wurde 1846/47 gemeinsam mit dem inneren Paulustor und den umliegenden Gebäuden abgerissen und schuf damit Raum für den Franzensplatz, den gegenwärtigen Freiheitsplatz.
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