25.09.2014, 13:32 Uhr

Warum die Jobaussichten in Westösterreich besser sind, die Gesamtsituation am Arbeitsmarkt aber getrübt bleibt

Aufgrund der schlechten Konjunkturaussichten, wird die Zahl der Arbeitssuchenden in den nächsten zwei Jahren steigen. (Foto: fotolia / matttilda)

Zwar sank die Arbeitslosigkeit in Österreich vom ersten auf das zweite Quartal 2014 um fast ein Prozent. Trotzdem waren mehr als 10.000 Menschen mehr auf Arbeitssuche als im letzten Jahr. Im Westen ist dabei die Arbeitslosenquote deutlich niedriger als in Ostösterreich. Die Prognosen für dieses und nächstes Jahr zeigen, dass keine Erholung am Jobmarkt in Sicht ist.

Die Statistik Austria, das statistische Amt der Republik Österreich, hat die Arbeitsmarktzahlen der ersten sechs Monate für dieses Jahr veröffentlicht. Mit Ende Juni waren über 206.000 Österreicher auf Jobsuche. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 4,7 Prozent (nach Eurostat-Definition). Die höchste Quote an Arbeitssuchenden hat dabei Wien mit 7,7 Prozent zu verzeichnen. In Tirol hingegen sind es nur 2,8 Prozent. Im ersten Quartal waren es in der Hauptstadt immerhin noch 9,9, in Tirol 2,7 Prozent.



Im zweiten Quartal ist die Arbeitslosigkeit geringer

Interessant ist es, sich die Arbeitslosenzahlen des ersten und des zweiten Quartals im Vergleich anzusehen. Tendenziell zeigt sich, dass die Quote von April bis Juni sinkt: Im Schnitt der letzten zehn Jahre gibt es im zweiten Quartal um 0,4 Prozent weniger Arbeitssuchende als im ersten. "Das liegt an der hohen Saisonarbeits-Komponente", bestätigt Beate Sprenger, Expertin des Arbeitsmarktservice (AMS). Ein Beispiel hierfür ist die Baubranche: Deren Arbeiter melden sich arbeitslos, wenn die Baustellen für die kalte Jahreszeit stillgelegt werden. Kommt der Frühling fallen diese Arbeitskräfte aus der Statistik.



Im Osten gibt es mehr Arbeitssuchende als im Westen

Auch ein Vergleich zwischen den Regionen fördert interessantes zu Tage. Um einen Vergleich übersichtlicher zu gestalten wurden die Bundesländer Wien, Niederösterreich und Burgenland zu Ostösterreich; Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg zu Westösterreich und Kärnten und die Steiermark zu Südösterreich zusammengefasst.
Betrachtet man das erste Halbjahr zeigt sich, dass die Arbeitslosenquote im Osten tendenzielle höher ist, als im Westen oder Süden (siehe interaktive Grafik). Beate Sprenger erklärt sich dieses Phänomen etwa durch die solide Struktur an mittelständischen Unternehmen in Tirol: "Betriebe sind dort den Schwankungen der Wirtschaft nicht so stark ausgesetzt wie in anderen Bundesländern". Zudem sei der Tourismus in Westösterreich ein großer Faktor, der sich positiv auf die Beschäftigungszahlen auswirke. In Oberösterreich wiederum sieht sie die Industrie als stabilisierenden Faktor, "ein sehr Beschäftigungs-intensiver Wirtschaftszweig".



Ein gebremstes Wirtschaftswachstum führt zu hoher Arbeitslosigkeit

Die Entwicklung von Jänner bis Juni wird sich wohl fortsetzen. Die Arbeitslosigkeit ist stark von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängig. Die Prognosen für dieses Jahr wurden bereits mehrmals nach unten korrigiert. Zuletzt hat das Institut für Höherer Studien (IHS) seine Voraussagen für 2014 auf 0,8 Prozent gesenkt. Das bedeutet auch, dass "die Arbeitslosigkeit in diesem und dem kommenden Jahr weiter ansteigen wird", sagt Sprenger. Die Quote soll dabei nicht unter die Fünf-Prozent-Marke fallen.

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