30.04.2015, 14:05 Uhr

Wirtschaft: Schon über 160 Unternehmen aus Österreich unter den Weltmarktführern

"Spezialisierung macht den Absatz-Markt klein. Deshalb braucht es eine zweite Säule: Globalisierung", erklärt Unternehmensberater Thomas Haller das Erfolgsrezept der Hidden Champions. (Foto: Simon-Kucher & Partners)

Eine aktuelle Erhebung der deutschen Unternehmensberater Simon-Kucher & Partners zeigt: In unseren heimischen Regionen gibt es immer mehr Unternehmen, die weltweit an der Spitze mitmischen. Die meisten davon sind sogenannte Hidden Champions. Also „heimliche“ Weltmeister, weil sie der breiten Öffentlichkeit noch nicht so bekannt sind.

Thomas Haller, der Österreich-Chef von Simon-Kucher & Partners, hat RMA-Chefredakteur Wolfgang Unterhuber und Online-Redakteurin Sabine Miesgang im Interview erklärt, warum unsere Champions so gut sind. Entdecken Sie im Anschluss auf einer interaktiven Karte, welche Weltmarktführer aus Ihrer Umgebung stammen.

Wie wird man eigentlich Weltmeister in der Wirtschaft?
Thomas Haller: Also zufällig geht gar nichts. Diejenigen, die es geschafft haben, haben sich vorgenommen, die Besten zu werden. Zunächst auf ihrem lokalen und regionalen Markt, dann global. Und dahinter steht meist eine starke Persönlichkeit, die das mit innerem Feuer und Begeisterung vorantreibt.

Gibt es Merkmale, die die Unternehmen an der Weltspitze gemeinsam haben?
Ja. Weltklasse wird man nur, wenn man sich auf ein Geschäftsfeld fokussiert und seine ganze Kraft darauf konzentriert. Es ist ähnlich wie im Sport. Weltmeister kann man nicht im Langstreckenlauf und zugleich im Hundert-Meter-Lauf werden. Man muss sich auf eine Disziplin konzentrieren.

Also volle Spezialisierung?
Exakt. Aber Spezialisierung macht den Absatz-Markt klein. Deshalb braucht es eine zweite Säule: Und die heißt Globalisierung.

Wieso?
Die Abdeckung des Weltmarktes lässt die Nischensegmente auf eine adäquate Größe anwachsen. Sprich: Wenn Sie ihr Nischenprodukt bis ins letzte Eck der Welt verkaufen, sind sie auf Ihre Art schon wieder groß. Aber auch andere Merkmale sind wichtig.

Welche?
Eine starke Innovationskraft, qualifizierte Mitarbeiter und die Nähe zum Kunden. Die Kombination all dieser Merkmale macht Unternehmen zu Champions.

Und worin liegt jetzt unsere Stärke in Österreich?
In einem starken international wettbewerbsfähigen Mittelstand. Nicht in Großunternehmen. Vor zehn Jahren haben wir dazu eine Statistik erhoben: Damals hatte die Schweiz 19 Unternehmen mit mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz, Österreich eins. Wenn wir heute die Grenze bei zehn Milliarden ansetzen würden, wäre das Verhältnis im Wesentlichen ähnlich. Österreich sollte also nicht auf Großkonzerne setzen.

Wie sieht Ihre aktuelle Statistik zu den Champions aus Österreich aus?
Pro Million Einwohner hat Deutschland 16 Hidden Champions und Österreich nach unseren neuesten Erhebungen rund 19. Dahinter kommt dann erst mit 5,4 Hidden Champions pro eine Million Einwohner Schweden.

Und in absoluten Zahlen heißt das?
Derzeit können wir knapp über 160 österreichische Unternehmen eindeutig als Hidden Champions identifizieren.

Welches Bundesland hat die meisten Weltmeister?
Oberösterreich ist, was die Anzahl angeht, führend.

Warum?
Weil die oberösterreichische Industrie stark exportgetrieben ist. Denken Sie beispielsweise an die Firmen Teufelberger, Rosenberger oder Trodat, deren Exportquoten deutlich über 90 Prozent liegen.

Was noch?
Oberösterreich verfügt über eine sehr gute Vernetzung mit internationalen Märkten: Die Hochleistungsanbindung der Westbahn, die Donau, der Flughafen Linz und die Westautobahn bieten bestmögliche Verbindungen – vor allem mit Deutschland.


Das Unternehmen Rosenbauer ist vor allem für seine Feuerwehr-Fahrzeuge berühmt. (Foto: Rosenbauer)

Welche Bundesländer liegen noch im Spitzenfeld?
Etwa die Steiermark. Hier ist der Raum Graz mit seinem Automobilzuliefer-Cluster die treibende Kraft. Und schließlich haben wir mit in Summe über 50 Europa- und oder Weltmarktführern in Wien Umgebung und Niederösterreich ein weiteres Zentrum.

Viele Champions sind Familienunternehmer. Erstaunt sie das?
Nein. Denn es geht bei den Champions um langfristige Orientierung. Die Chefs der Champions aus dem Mittelstand bleiben im Schnitt 20 Jahre an der Spitze ihres Unternehmens, bei den Großkonzernen sind es derzeit 6,1 Jahre. Der Aufbau einer Champion-Position ist ein Langstreckenlauf. Das dauert oft drei Führungsgenerationen.

Haben Sie auch konkrete Zahlen?
Ja. Mehr als 80 Prozent der österreichischen Unternehmen sind Familienunternehmen. Diese Unternehmen beschäftigen 70 Prozent der Arbeitskräfte und sichern so den wirtschaftlichen Erfolg des Landes.

Wir brauchen uns am Weltmarkt also nicht verstecken?
Überhaupt nicht.

Danke für das Gespräch.

Entdecken Sie Weltmarktführer in Ihrer Umgebung

Die farbigen Markierungen kennzeichnen Weltmarktführer aus Österreich. Mit einem Klick auf die Markierung erfahren Sie mehr über das Unternehmen. Anhand der Symbole "+" und "-" können Sie die Karte vergrößern oder verkleinern. Ein Klick auf das Symbol links oben zeigt die Legende an.


Simon-Kucher & Partners

Hermann Simon, Managementdenker und Bestsellerautor, ist der Entdecker und Namensgeber der „Hidden Champions“. Seit Ende der 1980er-Jahre verfolgt er die Entwicklungen von heimlichen Weltmarktführern, den sogenannten Hidden Champions, auf der ganzen Welt. Die von Simon 1985 gegründete globale Strategieberatung Simon-Kucher ist mit den Schwerpunkten auf Marketing, Vertrieb und Pricing mittlerweile selbst ein Champion. Simon-Kucher ist mit rund 760 Mitarbeitern und 29 Büros in 22 Ländern vertreten – auch in Wien. Dort führt seit 2007 Thomas Haller als Partner und Gesellschafter die Geschäfte.
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