Waldboden-Geheimnis
Wie Frauen im Wald beim Spaziergang die Geheimnisse des Bodens lüfteten
Unter dem Motto „Von unten nach oben – Was zwischen Waldboden und Baumkronen passiert“ fand der diesjährige Waldspaziergang für Frauen statt. Bei einer Wanderung rund um die Mugel erkundeten die Teilnehmerinnen ausgewählte Waldstandorte und beschäftigten sich dabei mit den Eigenschaften und der Beschaffenheit der Waldböden.
NIKLASDORF. „Frauen im Wald haben noch immer Seltenheitswert. Die Forstwirtschaft ist eine Branche, die traditionell männlich geprägt ist. Wir wissen aber, dass ungefähr ein Drittel der Privatwälder, vor allem im Kleinwald, Frauen gehört – zumindest als Mitbesitzerinnen. Wir wissen aber auch, dass die meisten dieser Frauen keine forstliche Ausbildung haben. Oft gibt es auch eine Hemmschwelle, einen Forstkurs zu besuchen, wenn ich weiß, dass ich dort die einzige Frau sein werde“, erläutert Dagmar Karisch-Gierer von der Forstlichen Ausbildungsstätte Pichl die Situation.
Um dem entgegenzuwirken und interessierten Frauen forstliches Wissen zu vermitteln, wurde die Veranstaltung ausschließlich für Frauen ins Leben gerufen. „Es kann immer mal passieren, dass sich die Frau selbst um die Angelegenheiten des heimischen Waldes kümmern muss. Es reicht, dass der Mann sich verletzt und dadurch ausfällt“, erklärt Karisch-Gierer weiter.
- Die Waldspaziergeherinnen werden über die dynamische Bodenkarte informiert.
- Foto: Katrin Stiper-Mauhart
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„Die Baumpflege ist heute auch eine andere geworden. Ich schaue auf jeden meiner Bäume, ich kenne unseren Wald. Die Baumpflege und vieles andere mache ich selbst. Die körperlich schwereren Arbeiten übernehmen dann meist die Männer“, erzählt Katharina Ducho, die seit 50 Jahren im heimischen Wald mitarbeitet. „Man hört immer wieder etwas Neues und es ist interessant, einmal in einem anderen Wald unterwegs zu sein. Man entdeckt dabei immer wieder neue Dinge", betont die Exkursionteilnehmerin weiter.
Historische Bewirtschaftung hat Auswirkungen
Waldböden sind durch eine lange Umtriebszeit und eine andere Bewirtschaftung als landwirtschaftliche Böden geprägt. Historisch haben sich Wälder vielfach auf weniger günstigen Standorten entwickelt, während die fruchtbareren Böden der Landwirtschaft vorbehalten waren.
Durch die frühere Nutzung des Laubes als Dünger auf landwirtschaftlichen Flächen kam es auch im Wald zu Nährstoffverlusten. Dadurch konnte der Nährstoffhaushalt aus dem Gleichgewicht geraten, was unter anderem zu Versauerung und Podsolierungsprozessen führte. Dabei werden Nährstoffe und Mineralstoffe aus den oberen Bodenschichten in tiefere Schichten verlagert. Unter diesen Bedingungen boten die Standorte vor allem anspruchsloseren Baumarten bessere Wachstumsmöglichkeiten.
- Joachim Kirchmaier, Forstberater der Bezirkskammer Obersteiermark, erläutert die Bodenbildung anhand eines Waldstandortes.
- Foto: Katrin Stiper-Mauhart
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Bodenanalyse vor Ort
In der Forstwirtschaft wird schon seit Längerem umgedacht, und an neuen Konzepten für eine zukunftsorientierte Waldbewirtschaftung gearbeitet. Der Klimawandel stellt dabei die Forstwirte und Forstwirtinnen immer wieder vor neue Herausforderungen. Der Waldboden bildet eine wichtige Grundlage für einen gesunden und widerstandsfähigen Wald, da er unter anderem Wasser und Nährstoffe speichert und den Bäumen Lebensraum für ihre Wurzeln bietet.
Bei der Exkursion wurden verschiedene Methoden vermittelt, mit denen direkt vor Ort Analysen durchgeführt werden können, um einen Standort fachkundig zu beschreiben. Auch die Vegetation liefert mit ihren Zeigerpflanzen wertvolle Hinweise auf bodenkundliche Eigenschaften, wie zum Beispiel die Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit.
- Joachim Kirchmaier erklärt den anwesenden Frauen die Fingerprobe zur Bestimmung des Oberbodens. Um die Bodenart auch im Wald beurteilen zu können.
- Foto: Katrin Stiper-Mauhart
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Mithilfe der Spatenprobe wurde bei den Waldstandorten unter anderem der Auflagehumus beurteilt. Mit der Fingerprobe konnte die Bodenart bestimmt und daraus Rückschlüsse auf den Wasserhaushalt gezogen werden. So lässt sich rasch und unkompliziert feststellen, welche Bodenart an einem Standort vorliegt. Aber auch neue Möglichkeiten, wie die dynamische Waldtypisierung online, wurden vorgestellt und auf ihre praktische Anwendbarkeit getestet.
Waldspaziergänge finden jedes Jahr in der gesamten Steiermark statt. Weitere Informationen dazu gibt es hier.
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