Unterwegs im Pistengerät
"Angst sollte man nicht unbedingt haben"

Hinweisschilder und Bewegungsmelder sorgen für Sicherheit.
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  • Hinweisschilder und Bewegungsmelder sorgen für Sicherheit.
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Alkoholisierte Schifahrer, gefährliche Abfahrten - zuletzt gab es viel Aufregung auf Österreichs Pisten. Wir waren eine Nacht mit dem Pistenteam am Kreischberg unterwegs - dort wird Sicherheit groß geschrieben.

KREISCHBERG. Wenn die letzten Schifahrer aus den Hütten kommen und Richtung Tal abfahren, dann beginnt für sie der Tag erst so richtig. Und das hat einen guten Grund. „Solange Gäste da sind, fährt bei uns keine einzige Raupe“, erklärt Geschäftsführer Reinhard Kargl. Deshalb startet das Pistenteam am Kreischberg erst um 17 Uhr mit der Arbeit. Tagsüber wurden da bereits Schäden an der Piste dokumentiert. „Bitte den Spalt zuschieben. Aber so, dass der Zaun stehen bleibt ...“, weist Kargl auf eine Lücke unter der Absperrung hin. Gelächter im Büro. Mit den neuesten Infos im Gepäck startet das Team dann die Motoren. 

„Eigene Wissenschaft“

Acht nagelneue Pistengeräte stehen bei der Mittelstation bereit und warten auf ihre Meister. Im „Prinoth Leitwolf“ nimmt Roland Mernacher Platz. Das 530-PS-Monster bietet den Komfort eines Reisebusses. Heizung und Radio natürlich inklusive. Bei der Steuerung wird es dann kompliziert. Farbdisplay und Multifunktions-Joystick sehen gewöhnungsbedürftig aus. „Es ist schon eine eigene Wissenschaft“, sagt Mernacher.

Die Pistenflotte am Kreischberg.

Traumjob

Arbeiten im 13 Tonnen schweren Pistengerät - klingt ganz nach Traumjob? „Es ist schon etwas Besonderes - aber auch nicht jedermanns Sache“, sagt der 35-Jährige, während er mit dem sieben Meter breiten Schild eine feine Pistenkante zieht. „Es hat alles System, man sollte nicht sinnlos herumfahren.“ Erst wird der Schnee aufgefräst, damit er atmen kann. Dann wird die Ebene gezogen. So entsteht über Nacht die locker-flockige Piste, die die Kreischberg-Fans so lieben. Und ganz wichtig: Die Spuren müssen sich leicht überlappen, damit keine Kanten entstehen.

Gemächlich unterwegs

Das Pistengerät schafft maximal 20 Kilometer pro Stunde. Roland Mernacher ist mit 7 bis 15 km/h unterwegs: „Je mehr Zeit man sich lässt, desto besser wird der Schnee.“ Eine Schicht dauert zwischen acht und zehn Stunden. Bei schlechtem Wetter kann es auch mal länger dauern. Allerdings: Bis spätestens 8 Uhr muss die Piste fertig sein, da schwingen sich in den Ferien die ersten Gäste in die Gondel.

Pistensperre

Seit einigen Jahren gibt es am Kreischberg zwischen 17 und 8 Uhr eine Pistensperre. „Wir hatten früher massive Probleme mit Tourengehern oder Schifahrern, die nachts unterwegs waren“, sagt Reinhard Kargl. Da wurden Schläuche für Schneekanonen oder Stromkabel durch die scharfen Kanten aufgeschnitten. Kargl: „Aber das ist nicht so tragisch. In erster Linie geht es um die Sicherheit. Um die eigene und um die unserer Mitarbeiter.“

Nachts werden die Pisten abgesperrt.
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Lebensgefahr

Eine nächtliche Abfahrt ist lebensgefährlich! Die Pistengeräte müssen teilweise mit Seilwinden arbeiten, um die Steigungen von bis zu 30 Prozent zu schaffen. Diese sind in der Dunkelheit kaum sichtbar. „Früher mussten wir fast täglich Leute darauf hinweisen“, erzählt Roland Mernacher, „mittlerweile sind es drei bis vier Vorfälle pro Jahr. Durch die Pistensperre hat sich das sehr verbessert.“

Maßnahmen

Zudem haben weitere Maßnahmen am Kreischberg gegriffen: Die Talabfahrt wurde für Tourengeher generell verboten, es wurden Absperrungen, Hinweisschilder und Bewegungsmelder montiert. „Auch das Verständnis dafür ist größer geworden“, sagt Reinhard Kargl. Und wenn trotzdem jemand erwischt wird? „Wir wollen niemanden anzeigen, sondern auf die große Gefahr aufmerksam machen.“

Perfektes Zusammenspiel

Gefährlich ist der Job der Pistenraupenfahrer auch so schon: „Angst sollte man nicht unbedingt haben, aber Adrenalin ist immer dabei“, erzählt Roland Mernacher. Vor allem im Frühjahr hinaus, wenn der Schnee weicher und rutschiger wird. Da hilft dann das bis zu 1.200 Meter lange Seil mit 4,5 Tonnen Zugkraft, das das Pistengerät auf Kurs hält. Das Zusammenspiel des Pistenteams funktioniert auch in dieser Nacht perfekt. Nach rund zehn Stunden sind alle Pisten perfekt gerillt und bereit für die ersten Feriengäste. Und alle Zäune stehen noch ...

Roland Mernacher (r.) und seine Kollegen sind für die Pisten am Kreischberg zuständig.
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Autor:

Stefan Verderber aus Murtal

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