11.01.2018, 09:56 Uhr

Feuerwehr klagt über Schaulustige

Die Feuerwehr will bei Einsätzen in Ruhe arbeiten können. Foto: FF/Zeiler

Einsatzkräfte im Murtal werden immer öfter bei der Arbeit gestört.

MURTAL. Ein Toter und vier Verletzte. Ein tragischer Unfall und ein fordernder Einsatz für die Rettungskräfte vergangene Woche in Fohnsdorf. Zur psychischen Belastung kommen immer öfter auch anderweitige Unannehmlichkeiten auf die Einsatzkräfte zu. „Ein trauriges Schauspiel boten wieder zahlreiche Schaulustige, die immer wieder versuchten, an die Unfallstelle zu gelangen, um einen Blick zu erhaschen“, berichten die Mitglieder der Feuerwehr Hetzendorf.

Katastrophe

Kein Einzelfall: „Das wundert mich nicht, in diesem Bereich sind viele Leute unterwegs. Wir haben generell immer wieder damit zu tun“, berichtet Hagen Roth, Feuerwehr-Sprecher für den Bereich Judenburg. Das Problem sei bekannt, von einer starken Beeinträchtigung könne man aber noch nicht sprechen. „Eine Katastrophe ist es natürlich, wenn Fotos und Videos gemacht und veröffentlicht werden, bevor Angehörige benachrichtigt wurden“, gibt Roth zu bedenken.

Zahl gestiegen

„Es kommt immer wieder vor, dass Schaulustige die Arbeit an einer Unfallstelle behindern“, sagt auch der Knittelfelder Feuerwehrkommandant Erwin Grangl. In letzter Zeit sei die Zahl deutlich gestiegen. „Das ist natürlich störend. Wir brauchen das Personal für den Unfall und nicht für die Zuschauer.“

Sichtschutz

Ein Sichtschutz mit Decken und Planen ist bei allen Feuerwehren der Region ohnehin üblich. Im Moment gibt es zumindest in Knittelfeld die Überlegung, mobile Wände anzuschaffen. Zudem werden die Einsatzkräfte in Schulungen für die Thematik sensibilisiert. „Wir scheuen auch vor Anzeigen nicht zurück, wenn jemand zu weit geht“, sagt Grangl. Die Konsequenzen reichen von einer Wegweisung bis hin zu Geldstrafen. Strafrechtlich relevant ist auch die Veröffentlichung von Bildmaterial, wenn die Privatsphäre von Betroffenen verletzt wird.

Ressourcen

Betroffen von diesen Vorgängen ist übrigens nicht nur die Feuerwehr, sondern auch das Rote Kreuz. „Das ist immer wieder ein Problem. Vor allem bei Unfällen auf der Schnellstraße kann es ganz schnell gefährlich werden“, berichtet Knittelfelds Bezirksrettungskommandant Bernd Peer. Das Rote Kreuz habe auch nicht die personellen Ressourcen, um entsprechend damit umzugehen. Bei Fortbildungen wurde das Thema deshalb bereits öfters angeschnitten.

Hemmschwelle

Ein anderes Problem ortet Peer in der sinkenden Hemmschwelle bei verbalen Attacken gegen seine Helfer. „Die Leute regen sich bei Einsätzen immer öfter auf, auch das macht die Arbeit nicht leichter.“ Erwin Grangl hat einen guten Tipp für Schaulustige parat:
„Die Leute können sich gerne bei uns melden und selbst helfen, anstatt uns bei der Arbeit zu behindern!“

Mehr dazu in der aktuellen Murtaler Zeitung
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