Nach Corona die Gesundheit neu denken
"Der Applaus ist inzwischen leider verhallt"

Beleuchtet die Rolle der Pflege im soeben erschienenen Buch "Wir denken Gesundheit neu!": Karoline Riedler, die im Vorstand des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbands (ÖGKV) sitzt.
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"Wenn es genügend Ärzte gibt, kann uns eigentlich nichts passieren", das sei – besonders jetzt nach der akuten Krise – die Meinung vieler Menschen, beobachtet Karoline Riedler, Leiterin der Universitätslehrgangs für Mittleres Pflegemanagement. "Das ist allerdings zu kurz gedacht, denn worauf es ankomme, sei die Kombination aus Ärzteschaft und Pflegepersonal. Corona hat das österreichische Gesundheitssystem auf die Probe gestellt. "Und diese Probe haben wir gut bestanden", findet Riedler, "wir haben dank ausreichender Intensivbetten weniger Tote und schwer Erkrankte gehabt." Nichtsdestotrotz müsse man jetzt auch weiterdenken. Ihre Gedanken zur Zeitenwende im Gesundheitsbereich hat die Pflegeexpertin daher gemeinsam mit ihren Kolleginnen Melitta Horak und Sonja Haubitzer im Rahmen eines Beitrags zum kürzlich erschienenen Buch "Wir denken Gesundheit neu!" des Herausgeber-Duos Martin Sprenger und Martin Rümmele zu Papier gebracht. 

Pflege mitten unter uns

Die Pflege greifbar machen, gemäß dieses Credos lässt sich der Ansatz von Riedler und ihren Mitautorinnen zusammenfassen. Im Fachjargon geht es um "Community Health Nursing", so lautet auch der Titel des Beitrags im Sammelband der Gesundheitsexperten. Konkret ist damit gemeint, dass derartige Community Nurses in den Gemeinden als Schnittstelle zwischen der Primärversorgung, den Landärzten und der mobilen Pflege fungieren. "Diese Pflegekräfte wirken als Netzwerker und können Teile der medizinischen Versorgung übernehmen, denn nicht immer ist ein Arzt sofort greifbar", erklärt Riedler, die Mitglied im Vorstand des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes (ÖGKV), Landesverband Steiermark, ist. Dabei gehe es darum, generell zu entlasten. "Wenn Patienten nach einem Zeckenbiss auf die Derma-Ambulanz fahren, dann ist das nicht unbedingt der schnellste und günstigste Weg. Hier käme die Community Health Nurse zum Einsatz." Rund 5.000 Menschen könnten durch eine dieser Fachkräfte mitversorgt werden.
Im Regierungsprogramm ist die Einrichtung von Community Health Nurses in 100 Gemeinden – keine davon in der Steiermark – übrigens vorgesehen. Einzig, es scheitert bis dato an der Umsetzung.

Lehren aus der Krise

So laut der Applaus zu Beginn der Krise für den Gesundheitsbereich auch war, so rasch ist er nun auch wieder verhallt. "Das ist sehr sehr schade", findet Riedler. "Die Anerkennung ist verblasst. Jetzt ist es wieder selbstverständlich geworden. Es gab weder eine finanzielle Honorierung noch eine Aufwertung des Berufsbilds." Auch hier könnte die Installierung der Community Health Nurse zu einer stärkeren Bewusstseinsbildung beitragen. Und als bitterer Nachsatz: "Es läuft eben alles über das ärztliche Verrechnungssystem, wir können unsere Leistungen nicht direkt mit den Kassen abrechnen", bedauert die Pflegeexpertin.
Abgesehen von der Verbesserung des Standings des Pflegepersonals gehe es auch darum, die Menschen allgemein in Vorsorge zu schulen. "Die Gesundheitskompetenz muss gefördert werden, dann sind wir auch besser für Pandemien gerüstet." Viele Menschen wüssten nicht einmal die über die grundlegenden Hygieneregeln bescheid. "Wer sich selbst gesund erhält, hat das beste Rüstzeug für derartige Krisen", urteilt Riedler.

Zur Mitautorin:
Karoline Riedler, Jahrgang 1974, verheiratet und zwei Kinder
- Studium der Gesundheits- und Pflegewissenschaft an der Medizinischen Universität Graz
- DGKP auf der Herz- u. Transplantintensivstation am LKH Universitätsklinikum Graz (ICU1)
- Studiengangsleitung ULG Mittleres Pflegemanagement, ULG Demenz, Mitarbeit im Vorstand des ÖGKV, Landesverband Steiermark
- Lehrgang Felin: Frauen führen und gestalten

Zum Buch:
Neben Karoline Riedler haben insgesamt 37 Expertinnen und Experten an "Wir denken Gesundheit neu! Corona als Chance für eine Zeitenwende im Gesundheitswesen" mitgewirkt. Sie alle stimmen nicht in die allgemeine Corona-Hysterie ein.
Sie fragen vielmehr, was dem Gesundheits- und Sozialwesen durch die Pandemie drohen könnte, in welchen Bereichen es schon vorher Reformbedarf gab, und entwickeln Konzepte für eine gesunde Zukunft.
Das Buch ist im Ampuls Verlag erschienen und ab sofort im Fachhandel erhältlich.

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