Corona-Praxis
Der Tag beim Rennen

Rennleiter Manuel Wutti
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Es gibt kein Land, in dem ich diese Zeit lieber verbringen würde, bis wir die Bedrohung durch die Corona-Pandemie auf einem Minimum herunten haben. Ich hatte das eben erst debattiert, als wir nach dem Tag am Drag Strip im Raum Hartberg heimfuhren.

Dabei saß ich neben Manuel Wutti vom Puch Club Magazin im Wagen. Er hatte das Moped-Rennen (MBr2020) organisiert. Wir bangten auf dem Weg zur Veranstaltung nicht nur wegen des Wetters, sondern auch wegen der ständig drohenden Absage durch die Behörde.

Derzeit weiß ja niemand, wie sich die Lage im Land binnen Wochenfrist entwickelt und welche Verordnungen das zur Folge hat. Man kann das beklagen. Ich hab in diesem 2020er Jahre viele Menschen erlebt, die sich im Schimpfen verausgaben und ihre Zeit mit Gezänk verplempern.

Andere überlegen einfach, was genau unter diesen Bedingungen gemacht werden kann und… machen das, auch wenn das Risiko groß ist, daß man damit ins Leere läuft. Routiniers wissen: durch Jammern wird nichts besser. Und finanziell haben wir heuer alle gelitten. (Nur wenige profitieren von der Krise.)

Was ist der springende Punkt? Die komplexe Situation zeigt uns: grade die Experten streiten sich dauernd, welche Maßnahmen nun sinnvoll seien und welche nicht. Könnte das anders sein? Nein! Neue Situationen sind ohne Irrtümer und falsche Entscheidungen nicht bewältigbar. Wer das aber erwartet, Freiheit von Widersprüchen, kennt das Leben kaum und träumt von warmen Eislutschern.

Also? Wir müssen mit Unsicherheit, Irrtümern und falschen Entscheidungen zurechtkommen. Das ist übrigens eine der grundlegenden Bedingungen von Erwachsensein. Das heißt auch, wir müssen keinesfalls immer gleicher Meinung sein und sollten es ertragen, wenn jemand eine andere Meinung vertritt. Das ist in Demokratien eigentlich ein gutes Zeichen.

Was ist aber das Besondere an Österreichs Situation? Da gibt es einen speziellen Aspekt, der - wenn ich mich derzeit umhöre - gerne übersehen wird. Ich hatte das mit Wutti konkret besprochen. Diese Motorsport-Veranstaltung war etwas sehr Tröstliches.

Die viele Arbeit hatte sich gelohnt. Es war ein Tag der Emotionen. Ich konnte einigen Rudeln gutgelaunter Menschen begegnen. Das hab ich dringend gebraucht: Leute mit guter Laune, die nicht volle Länge Frust schieben. Es war auch sehr schön zu sehen, wie die Youngsters aufgeregt herumgewuselt sind.

Für unsere Kinder ist das heute wesentlich schwieriger. Ich hatte schon mein Jahre, in denen ich sehr unbeschwert vieles leben konnte, was meine Emotionen gerade ergaben. Ich konnte stur und eigensinnig sein, im hohen Bogen aufs Maul fliegen, Fehler machen und neue Ansätze ausprobieren.

So sorglos, wie ich einige meiner Jugendjahre zubringen durfte, haben es unsere Kinder jetzt gerade nicht. Derzeit fallen mir Einschränkungen und Verzicht natürlich sehr viel leichter. Aber da ist noch ein ganz wichtiger Punkt.

Ich hab das Rennen besucht, weil ich davon ausgehen konnte: selbst wenn tatsächlich zwei, drei oder vier infizierte Leute da sind, ist es extrem unwahrscheinlich, daß ich einer der betroffenen Personen nahekomme. Es bleibt in dem Fall unter freiem Himmel ganz unwahrscheinlich, daß wir lange genug beieinanderstünden, um mich mit einer ausreichenden Virenmenge in Kontakt zu bringen.

Und das, genau das, ist einer Hauptgründe für all die Maßnahmen, für ein Ringen um Klarheit, welche Regeln uns als Gesellschaft was bringen. Mich interessieren im Alltag keine genauen Infektionszahlen, keine Todesnachrichten, kein Expertenstreit.

Mich interessiert, ob wir als Gemeinschaft diesen Status Österreichs halten können. Noch einmal ganz deutlich! Es macht für mich einen Unterschied, ob ich eine Veranstaltung unter diesen oder jenen Bedingungen besuche, was genau ich antreffe, wenn ich vor die Tür hinausgehe.

Muß ich damit rechnen, daß jede dritte oder vierte Person, der ich begegne, infiziert ist und mich anstecken könnte? (Dann bliebe ich lieber zu Hause.) Oder darf ich annehmen, daß da draußen zwar einige Infizierte unterwegs sind, aber ich werde ihnen vermutlich nicht begegnen? (Falls ich ihnen begegne, schützen mich ein paar simple Vorsichtsmaßregeln mit allergrößter Wahrscheinlichkeit.)

Das macht den Unterschied zwischen meiner Gegend und anderen Gegenden. Dabei macht es Unterschiede, ob sich Menschen in der Begegnung so oder so verhalten.

+) MBr2020: Puch und Konsorten (Die Doku)
+) Corona: Eine Meinungsstreit (Übersicht)

Rennleiter Manuel Wutti
Genügend Platz, um Abstand zu halten.

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