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Mit den heißen Sommermonaten steigt nicht nur die Trockenheitsgefahr – auch schwere Unwetter mit Überflutungen treten zunehmend häufiger auf. Als Reaktion darauf will die neue Bundesregierung am Freitag ein Zehn-Punkte-Aktionsprogramm präsentieren, das die Bevölkerung besser auf zukünftige Naturkatastrophen vorbereiten soll. Für die vom Hochwasser im vergangenen September betroffenen Menschen wird zudem zusätzliche finanzielle Hilfe bereitgestellt.
ÖSTERREICH. Das Hochwasser Mitte September 2024 hatte Österreich eindrucksvoll vor Augen geführt, welche verheerenden Auswirkungen Naturkatastrophen haben können. Vom 12. bis 16. September fiel in nur fünf Tagen das Fünffache der für den gesamten September typischen Niederschlagsmenge. Ganz Niederösterreich wurde zum Katastrophengebiet erklärt. Auch in Wien haben die Regenmassen zu schweren Überschwemmungen geführt. Häuser mussten evakuiert werden, die U-Bahn fiel tagelang aus und Strandlokale wurden verwüstet. Bei der Hochwassersituation in Niederösterreich waren erstmals alle Bundesländer gemeinsam bei einer Katastrophe im Einsatz - hauptsächlich mit freiwilligen Helferinnen und Helfern.
Die wirtschaftlichen Folgen des September-Hochwassers waren trotzdem beträchtlich: Das Supply Chain Intelligence Institute Austria, das Institut für Wirtschaftsforschung und der Complexity Science Hub schätzten die Gesamtschäden auf 1,3 Milliarden Euro. Davon entfallen rund 700 Millionen Euro auf private Haushalte, weitere 600 Millionen Euro auf Produktionsausfälle, beschädigtes Inventar bei Betrieben und indirekte Lieferketteneffekte. Der von Versicherungen abgedeckte Schaden belief sich laut Versicherungsverband auf 600 bis 700 Mio. Euro.
Maximal 5700 Euro pro Haushalt
Für die Opfer des Hochwassers im September 2024 gibt es vom Bund eine weitere Finanzhilfe in Höhe von 40 Millionen Euro, wie diese Woche bekannt wurde. Sie richtet sich an alle, deren Wohnraum von dem Extremwetterereignis betroffen war und in eine Ersatzwohnung ziehen mussten. Die Unterstützungsleistung beträgt pro Haushalt maximal 5.700 Euro und kann unter hochwasserzuwendung.at bis 30. Juni 2025 beantragt werden.
Historische Hochwasserkatastrophen in Österreich
Das September-Hochwasser 2024 reiht sich in eine lange Liste verheerender Überschwemmungen in Österreich ein:
2013: Jahrhunderthochwasser an Donau, Inn und Salzach mit Schäden in Milliardenhöhe
2002: Katastrophales Hochwasser an der Donau, besonders dramatisch in Niederösterreich
2005: Schwere Überschwemmungen in Vorarlberg, Tirol und Salzburg
1899: Historisches Donauhochwasser in Wien
1954: Großes Hochwasser in Niederösterreich und der Steiermark
HORA ist die zentrale Anlaufstelle für die Einschätzung von Naturgefahren.
Auch wenn das Hochwasser schwere Schäden verursacht hat, haben viele wichtige Maßnahmen geholfen, Schlimmeres zu vermeiden. Der Hydrologe Günter Blöschl betont in einem Blog der TU Wien, dass sich Österreichs Investitionen in den Hochwasserschutz der letzten Jahrzehnte bewährt haben. Insbesondere nach den verheerenden Überschwemmungen von 2002 und 2013 wurden die Schutzmaßnahmen massiv ausgebaut. Das Hochwasserschutzsystem der Stadt Wien, das bereits in den 1870er und 1970er Jahren entwickelt wurde, ist für einen Abfluss von 14.000 Kubikmetern pro Sekunde ausgelegt - deutlich mehr als die 10.000 Kubikmeter pro Sekunde während des Unwetters im September.
Naturgefahrenportal Hora mit neuen Funktionen
Ein wichtiges Instrument für die Bevölkerung ist die HORA-Karte (Hochwasserrisikozonierung Austria), ein kostenloses Online-Tool, das Risikogebiete für Hochwasser österreichweit darstellt. Diese Karte hilft Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen dabei, ihre individuelle Gefährdung einzuschätzen und entsprechende Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Rund 300.000 Gebäude sind im Hochwassergebiet, nimmt man die Zonen mit Lawinen, Steinschlag- und Hangrutschungsgefahren dazu, kommen wir auf 600.000 Gebäude.
Zuletzt wurde die Gefahrenhinweiskarte mit einem neuen hydrodynamischen Modellierungsansatz aktualisiert. Dieser Ansatz ermöglicht die Darstellung von Wassertiefen und Fließgeschwindigkeiten in potenziell gefährdeten Bereichen. Die Karte bietet eine schnelle Ersteinschätzung, ob eine Liegenschaft im Gefährdungsbereich liegt. Zwar ersetzt sie keine detaillierten Analysen, liefert jedoch einen guten ersten Anhaltspunkt, heißt es vom Landwirtschaftsministerium. Eine innovative Methode ermöglichte die Entwicklung einer neuen Hagelgefährdungskarte für Österreich. Basierend auf Radardaten und tatsächlichen Hagelbeobachtungen bietet die Karte jetzt auch eine detaillierte Übersicht über Häufigkeit und Größe von Hagelkörnern im ganzen Land.
Bundesminister Totschnig präsentiert am Freitag ein Zehn-Punkte-Aktionsprogramm zur besseren Vorbereitung der Bevölkerung auf künftige Hochwasserkatastrophen.
Für einen vorbeugenden Hochwasserschutz bzw. zur Instandhaltung von bestehenden Anlagen werden vom Bund 268 Projekte mit 77 Millionen Euro gefördert. Weitere Maßnahmen wird die Bundesregierung in Form eines Zehn-Punkte-Aktionsprogramms Freitagfrüh bekannt geben-MeinBezirk berichtet. Die im März 2025 gestartete Informationskampagne "Hochwasser - ich schütze mich!" soll den hohen Informationsbedarf in der Bevölkerung decken und über Vorbereitung, Verhalten während eines Hochwassers und wichtige Maßnahmen danach aufklären. Eine Umfrage zum Hochwasserbewusstsein der Bevölkerung wird ebenfalls vorgestellt.
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