Niedrige Durchimpfungsrate
Immer mehr Erwachsene erkranken an Masern
- Lange Zeit wurden hierzulande jährlich nur wenige Masernfälle verzeichnet, nun scheint die Erkrankung jedoch endgültig in Österreich zurück zu sein. Der Hauptgrund dafür sind zunehmende Impflücken, die auch Erwachsene betreffen.
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Lange Zeit wurden hierzulande jährlich nur wenige Masernfälle verzeichnet, nun scheint die Erkrankung jedoch endgültig in Österreich zurück zu sein. Der Hauptgrund dafür sind zunehmende Impflücken, die auch bei Erwachsenen auftreten.
ÖSTERREICH. Seit 1. Jänner 2024 sind laut der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) 542 bestätigte Masernerkrankungen für das Jahr 2024 und 30 "bestätigte oder wahrscheinliche" Erkrankungen für das Jahr 2025 im epidemiologischen Meldesystem (EMS) erfasst worden (Stand: 22.01.2025, 07:00 Uhr). Zu 557 Masernerkrankten liegt zudem die Information bezüglich Hospitalisierung vor: 127 Personen (22,8 Prozent) wurden im Krankenhaus behandelt, davon vier Personen auf einer Intensivstation.
Im Vergleich mit dem Vorjahr sind die Masernfälle 2024 somit deutlich angestiegen: Im Jahr 2023 wurden insgesamt 186 Masernfälle im Meldesystem erfasst. Davon wurden 49 Personen im Krankenhaus behandelt.
Komplikationen bei jedem fünften Fall
Wie Virologe Lukas Weseslindtner vom Zentrum für Virologe an der Medizinischen Universität (MedUni) Wien im Ö1-"Mittagsjournal" erklärte, klinge die Zahl der Erkrankten erst mal nach nicht besonders viel. Man müsse dabei jedoch beachten, dass Masern eine schwere systemische Virusinfektion sind, die den ganzen Körper betreffen und häufig Komplikationen mit sich bringen. Laut Weseslindtner treten bei über 20 Prozent – und somit in jedem fünften Fall – so schwere Nebenwirkungen auf, dass betroffene Personen im Krankenhaus behandelt werden müssen.
Immer mehr Erwachsene bekommen Masern
Gemeinsam mit seinem Forschungsteam ging Weseslindtner nun der Frage nach, wieso sich die Zahl der Masernfälle in Österreich im letzten Jahr beinahe verdreifacht hat. Dafür haben die Forscher über 55.000 Serumsproben analysiert und die Antikörper im Blut bestimmt. Anschließend bezogen sie die Antikörpermesswerte im Blut auf den jeweiligen Geburtsjahrgang, wie der Virologe im "Mittagsjournal" erklärte. Dabei hätten sich vermehrt Impflücken gezeigt.
- Rund zehn Prozent der Menschen in Österreich sind nicht gegen Masern immunisiert.
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Rund zehn Prozent der Menschen in Österreich seien demnach nicht gegen Masern immunisiert. "Das heißt, auch bei den 30-, 40- und 50-Jährigen läuft ein bestimmter Prozentsatz ohne Immunität herum", so der Virologe. Diese Menschen könnten somit auch im mittleren oder späteren Erwachsenenalter die Masern bekommen, wenn sie auf den Virus treffen. "Das durchschnittliche Alter der Menschen, die Masern bekommen, steigt", erklärte Weseslindtner. So habe die Untersuchung ergeben, dass 95 Prozent der Erkrankten gar nicht geimpft seien oder nur eine Teilimpfung erhalten hätten.
"Die Masern kommen zurück"
Die Immunität in Österreich sinkt also, da die Rate der ungeimpften Personen zunehmend ansteigt. Der Trend, dass die Maserninfektionen nach oben gehen, sei laut Weseslindtner "das neue Normal". Der Virologe betonte: "Die Masern kommen zurück, es wird Jahr für Jahr mehr Fälle geben." Verhindern lasse sich diese Entwicklung nur, wenn die Impflücke – insbesondere bei Erwachsenen – geschlossen wird.
- Da der Mensch der einzige Wirt von Masern ist, kann eine konsequent hohe Durchimpfungsrate der Bevölkerung die Virusübertragung stoppen.
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Weseslindtner empfiehlt, im eigenen Impfpass zu überprüfen, ob man beide Masernimpfungen erhalten hat. "Man kann diese Immunität auch bestimmen lassen, etwa im Rahmen eines Blutbilds durch einen Antikörpertest", so der Virologe. In Österreich ist ein "wirksamer, gut verträglicher Impfstoff in Kombination mit einem Schutz gegen Mumps und Röteln" kostenlos in allen öffentlichen Impfstellen erhältlich, betont das Gesundheitsministerium auf seiner Webseite.
Masern können ausgerottet werden
"Da der Mensch der einzige Wirt ist, kann eine konsequent hohe Durchimpfungsrate der Bevölkerung die Virusübertragung stoppen. Im Falle von Masern sind Durchimpfungsraten von 95 Prozent mit zwei Impfungen notwendig", erklärt das Ministerium weiters. Mit einer entsprechend hohen Durchimpfungsrate kann das Masernvirus demnach erfolgreich ausgerottet werden. In Nord- und Südamerika ist dies bereits gelungen.
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