Ministerium stellt nun klar
"Gynäkologen raten von Mund-Nasen-Schutz während der Geburt dringend ab“

Eine Geburt mit Maske ist etwa so, als "würde man einen Marathon mit Mundschutz laufen", sagt eine Hebamme.
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  • Eine Geburt mit Maske ist etwa so, als "würde man einen Marathon mit Mundschutz laufen", sagt eine Hebamme.
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Nachdem RMA-Redakteurin Anna Richter-Trummer von Müttern berichtete, die bei der Geburt einen Mund-Nasen-Schutzes tragen mussten, reagieren nun die Grüne Frauensprecherin Meri Disoski und der Grüne Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner. Der Schutz von Gebärenden hat Priorität und ist durch Masken des Personals gewährleistet. Und auch das Ministerium ringt um Klarstellung: Ein Mund-Nasen-Schutz (MNS) während der Geburt werde seitens der Behörde nicht empfohlen. Dass es dennoch dazu gekommen sei, wäre Sache der Spitäler gewesen. Man verspricht jedoch eine neue, entsprechende Richtlinie vorzulegen.

ÖSTERREICH. „Ich habe heute mit Dr.in Mirjam Hall von der gynäkologisch-geburtshilflichen Abteilung des Wilhelminenspitals telefoniert. Von einem Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes während der Geburt raten Frau Prof.in Maier, Leiterin der Abteilung im Wilhelminenspital und sie als Erstellerin der KAV-weiten Leitlinie, so wie viele ihrer KollegInnen auch, eindringlich ab“, sagt Disoski. „Die Sauerstoffzufuhr ist bei einer Geburt von zentraler Bedeutung, ebenso das eigene Wohlbefinden der Frau. Beides würde durch das Tragen eines MN-Schutzes beeinträchtigt werden und ist deshalb den Frauen nicht zumutbar“, so die Grüne Frauensprecherin.

"Sauerstoffzufuhr bei Geburt mit MNS beeinträchtigt"

Schallmeiner hält fest, dass „der Schutz von Gebärenden selbstverständlich höchste Priorität“ habe und gewährleistet sei, „da das Personal mit Masken ausgestattet ist und so eine etwaige Virus-Übertragung unterbunden wird.“ In Bezug auf das von Hebammen geäußerte Bedürfnis nach einer einheitlichen Regelung vom Bund verweist Schallmeiner darauf, dass es seitens des Gesundheitsministeriums „keine Empfehlung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes während der Geburt“ gäbe.  Schallmeiner appelliert daher nochmals, dieser Klarstellung zu folgen.

Ministerium verspricht Klarstellung

"Ein Mund-Nasen-Schutz während der Geburt ist aus medizinischer Sicht nicht zu empfehlen", schreibt nun auch das Gesundhietsministerim in einer Aussendung: "Die Gesundheit von werdenden Müttern und ihren Kindern ist oberstes Gebot und ist in Einklang mit den notwendigen Schutzmaßnahmen zu bringen. Krankenhäuser müssen andere, geeignete Schutzmaßnahmen treffen, um ihre MitarbeiterInnen, Gebärende und Kinder zu schützen." Und weiter: Seitens des Gesundheitsministeriums gebe es keine Empfehlung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes während der Geburt. 

Tatsächlich ist laut Lockerungs-Verordnung BGBl. II Nr. 197/2020 die rechtlich vorgegebene Regel für den Gesundheitsbereich folgende:

(5)

Beim Betreten von Pflegeheimen, Krankenanstalten und Kuranstalten sowie beim Betreten von Orten, an denen Gesundheits- und Pflegedienstleistungen erbracht werden, hat der Betreiber bzw. Dienstleistungserbringer durch geeignete Schutzmaßnahmen das Infektionsrisiko zu minimieren.

Spitäler haben Mütter zu MNS verpflichtet

Das bedeutet, jedes Spital kann die geeigneten Schutzmaßnahmen, Maske oder nicht, eigenständig bestimmen. Das Ministerium rechtfertigt dies damit, das es aus medizinischer Sicht nicht sinnvoll sei, diesem Bereich detaillierte Vorschriften zugrunde zu legen, da in Krankenanstalten je nach Bereich und Setting unterschiedliche Schutzmaßnahmen erforderlich sind. Das Gesundheitsministerium wird dennoch  "für eine einheitliche Vorgangsweise auch in dieser Frage das Gespräch mit den Krankenanstaltsträgern suchen und eine entsprechende Richtlinie vorlegen." Keine Stellungnahme gab es hinsichtlich der Praxis, das Neugeborene nach der Geburt 14 Tage in Einzelisolation zu geben und die Tatsache, dass Väter der Geburt nicht beiwohnen können.

Baby wird Mutter weggenommen

Von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich gehandhabt wird auch die Frage, wie mit den Babys einer Corona-positiven Mutter umzugehen ist: In Wien gibt es anscheinend den Usus und die Empfehlung, dass Mutter und Kind getrennt werden, und zwar bis zu zwei Wochen, das empfiehlt der KAV. Beate Kayer, Leiterin der Landesgeschäftsstelle Burgenlands des Österreichischen Hebammengermiums und selber Hebamme seit 30 Jahren: "Das widerspricht sogar die WHO. Das ist ein Wahnsinn!" Auch die Psychologin Judith Raunig ist darüber entsetzt: "Es ist momentan anscheinend verboten, die Dinge zu hinterfragen, das werden Maßnahmen gesetzt, wo nicht hinterfragt wird, was die Maßnahmen bringen und wie sehr sie schaden. Der MNS ist ein Beispiel dafür, die wirkt ja nicht gegen Viren. In der Geburtshilfe schreiten wir jetzt Jahrzehnte zurück, was wir uns jahrzehntelang erkämpft haben, etwa, dass Frauen auf Augenhöhe mit Geburtshelfern in Kontakt treten, dass sie selbstbestimmt gebären können und sagen könne, wie sie die Geburt möchten, mit Geburtsplan etc"

Auszug aus der Leitlinie vom 27.03. des Wiener Krankenanstaltenverbundes betreff des Umgangs mit Corona im Kreißsaal der besagt, dass Mütter, die SARS-CoV-2-positiv sind von ihren (SARS-CoV-2-negativen)
Säuglingen sofort nach der Geburt (schnelles Abnabeln, kein Auspulsieren der Nabelschnur, kein
Bonding) getrennt und einzelisoliert werden sollen.
  • Auszug aus der Leitlinie vom 27.03. des Wiener Krankenanstaltenverbundes betreff des Umgangs mit Corona im Kreißsaal der besagt, dass Mütter, die SARS-CoV-2-positiv sind von ihren (SARS-CoV-2-negativen)
    Säuglingen sofort nach der Geburt (schnelles Abnabeln, kein Auspulsieren der Nabelschnur, kein
    Bonding) getrennt und einzelisoliert werden sollen.
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Neugeborenes 14 Tage isoliert

Die Psychologin und Spezialistin für Geburtstrauma  Raunig kritisiert, dass dies gegen wissenschaftliche Erkenntnisse gehandelt wird, gegen das Kindeswohl: "Seit hundert Jahren erforschen wir die Mutter-Kind-Bindung, das Bonding, und wir wissen, dass das erste Mutter-Kind-Kennenlernen so wichtig dafür ist, diese erst Phase ist eine ganz entscheidende Phase für das gesamte weitere Leben, und jetzt nimmt man Müttern und Kindern diese wichtige Phase weg und macht die Frauen mundtot." Raunig berichtet, dass nicht alle Spitäler der Empfehlung folgen: "Am Kepler Universitätsklinikum Linz etwa wird trotz Corona das Zusammenbleiben von Mutter und Kind empfohlen, da dürfen Mütter ihre Babys stillen, da darf Bonding stattfinden, auch wenn die Mutter positiv ist. Warum setzt sich nicht endlich ein Expertenkreis in Österreich zusammen und arbeitet Empfehlungen aus."

Papas von Geburt ausgesperrt

Auch Vätern wird nun die Möglichkeit genommen, bei der Geburt ihres Kindes dabei zu sein. So erzählt eine Mutter, die in Korneuburg entbunden hat, dass ihr Mann zuhause bleiben musste und ihr nicht beistehen durfte. In der Bundeshauptstadt handhabt das AKH die Väterfrage so, dass diese erst bei der Öffnung das Muttermundes der Gebärenden von fünf Zentimeter dabei sein dürfen, dann darf die Hebamme einen Antrag stellen, dass der Vater der Geburt beiwohnen darf. Wenn die Geburt vorbei ist, muss der Vater das Spital sofort verlassen und darf auch nicht zurückkommen. Das bedeutet: Die neuen Papas sehen ihr Baby also kurz nach der Geburt und dann erst wieder, wenn die Mutter nachhause kommt: Das kann im besten Fall noch am selben Tag sein, meistens in etwa ein, zwei Tagen oder im schlimmsten Fall erst nach einer oder zwei Wochen. Raunig: "Die Trennung des Vaters, die Trennung des Kindes von der Mutter, ich behandle ja Eltern und Familien, die ein Geburtstrauma erlebt haben, ich weiß, dass wir mit dem noch jahrelang kämpfen werden. Bei Geburten ist die Selbstbestimmung etwas so Wichtiges, wenn die Mutter nicht mitreden kann, dann steigt der Stress und sie erlebt ein Geburtstrauma, weil sich die Frau der Situation ausgeliefert fühlt. Mit einem MNS kann die Gebärende noch nicht mal richtig atmen.“

Genug Sauerstoff? Mütter müssen jetzt mit Masken gebären
Eine Geburt mit Maske ist etwa so, als "würde man einen Marathon mit Mundschutz laufen", sagt eine Hebamme.
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