Tourismus: Erfreuliche Bilanz aber trotzdem brennt der Hut

Die Österreichische Tourismusbranche blickt auf ein positives Jahr 2017 zurück.
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  • Foto: M. Werlberger
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Österreichs Tourismusbranche umfasst vom Hotel über den Gastronomiebetrieb bis hin zu Gesundheitseinrichtungen ja eine sehr breite Palette. 90.000 Betriebe sind in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft aktiv.

Gute Jahresbilanz für 2017

Auch wenn zu Redaktionsschluss noch nicht alle Zahlen vorlagen, so steht fest, dass das Jahr 2017 für die Branche sehr gut verlaufen ist. Allein von Jänner bis Ende Oktober 2017 stiegen laut Statistik Austria die Übernachtungen um zwei Prozent auf rund 129 Millionen.

Hohen Fixkosten in der Branche

Die guten Zahlen will Nocker-Schwarzenbacher, die in St. Johann im Pongau/Salzburg ein Spitzenhotel betreibt, nicht allzu überbewertet wissen. "Mehr Nächtigungen gehen leider nicht Hand in Hand mit Ertragszuwächsen", so Nocker-Schwarzenbacher gegenüber den Regionalmedien Austria.

"Angesichts der hohen Fixkosten in unserer Branche sind Steigerungen bei Nächtigungen und Umsatz immer relativ zu betrachten. Einem Plus von ein Prozent bei den Nächtigungen muss ein Plus von drei bis vier Prozent bei den Erträgen gegenüberstehen, damit unsere Betriebe weiter investieren, am Ball bleiben und positiv wirtschaften können."

Fachkfäfte weiterhin dringend gesucht

Ein Dauerbrenner in der Tourismusbranche ist der Fachkräftemangel. Obwohl in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Beschäftigten in der Branche um 25 Prozent gestiegen ist.

Im Jahr 2017 arbeiteten mehr als 210.000 Beschäftigte im Tourismus. "Die Nachfrage nach Personal ist sehr groß. Auf eine offene Stelle kommen beispielweise derzeit in meinem Heimatbezirk St. Johann im Pongau nur 0,06 Arbeitssuchende," berichtet Nocker-Schwarzenbacher.

"Es brennt der Hut"

Besonders gefragt seien derzeit etwa Köche und Restaurantfachleute, aber auch Physiotherapeuten und Ärzte. Fazit für Nocker-Schwarzenbacher: "Am touristischen Arbeitsmarkt brennt der Hut. Der immer weiter auseinanderklaffende Gap zwischen Angebot und Nachfrage könnte zu einem echten Hemmschuh werden."

Hoffnung setzt Nocker-Schwarzenbacher da in die neue Regierung. "Viele unserer Forderungen finden sich im Regierungsprogramm wieder. Etwa ein Mobilitätsbonus für Arbeitslose aus Ostösterreich, um offene Stellen im Westen anzunehmen oder Kurse vom AMS zur raschen Ausbildung von Hilfskräften im Tourismus."

Regionalisierung der Mangelberufsliste

Zudem erwartet sie sich eine Regionalisierung der Mangelberufsliste. "Damit könnte etwa für Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Oberösterreich der Beruf des Kochs als Mangelberuf tituliert werden, was zu einer Öffnung des Arbeitsmarktes für Arbeitnehmer außerhalb der Europäischen Union führen würde."

Mit diesem Modell könnte dann etwa ein Koch auch aus einem Nicht-EU-Ausland wie zum Beispiel Mazedonien, Bosnien-Herzegowina oder Serbien in Tirol angestellt werden.

Leserbrief zum Thema

s. g. Damen / Herren,
ich beziehe mich auf Ihren Artikel in der Ausgabe 02 vom 10/11. Jänner 2018 auf Seite 26 "Zu wenig Köche verderben den Brei". (Anm. d. Red. : Titel des Print-Artikels) 

Es ist schon erstaunlich wie die Wirtschaftstreibenden und da unter anderem auch die Sparte Tourismus bzw. Hotelerie auf höchstem Niveau jammert, keine geeigneten Fachkräfte zu bekommen, speziell Köche fehlen. Die Damen und Herren der Gastronomiebetriebe sollen sich einmal selbstkritisch hinterfragen, warum das so ist. Der Grund liegt auf der Hand, die äußerst schlecht und miese Bezahlung. Nicht nur, dass es sich hier um einen sehr stressreichen Job mit Wocheend- u. Feiertags Arbeitszeiten handelt und Mehrstunden täglich geleistet werden müssen, werden Gehälter bezahlt, die unter jeder Kritik einzustufen sind. Ich habe in den 70iger Jahren Koch gelernt und anschließend als Jungkoch im Westen auf Saison gearbeitet und schon damals habe ich 20.000 bis 22.000 Schilling Netto pro Monat bekommen. Das sind nach heutiger Währung 1.453 bis 1.598 Euro!!!
Fragen Sie heute einen Koch (der erhält nicht mehr als 1.500 brutto) oder Hotelbetreiber, sie sind nicht bereit mehr als 1.500 Brutto zu bezahlen. Aber Hauptsache sie können jammern, um noch mehr diesen kreativen und tollen Beruf ins Abseits zu drängen, um mit billigen Hilfskräften, noch mehr Profit zu erwirtschaften. Diese Geldgier muss endlich aufhören. Geiz ist nicht immer Geil wie man sieht. Zahlt den Menschen einen fairen Lohn (mit etwas weniger Gewinnspanne lässt es sich auch gut Leben) und es werden sich wieder mehr Menschen für diese Berufsgruppe interessieren. Dann braucht es auch keine Unterstützungen vom Staat oder sonstige Hirngespinste wie Mobilitätsbonus oder was sonst noch alles dafür erfunden werden soll.
mfg. Engel

Die Österreichische Tourismusbranche blickt auf ein positives Jahr 2017 zurück.
Petra Nocker-Schwarzenbacher erwartet sich von der neuen Regierung endlich die Umsetzung dringender Reformen.

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