25.09.2014, 17:57 Uhr

"Dieser Käfer ist wie Pest und Cholera zugleich"

Lokalaugenschein im Haugarten von Christian Polz in Frauental: Der Maiswurzebohrer scheint überall zu sein.

Der Maiswurzelbohrer bedroht die Landwirtschaft vom Maisanbau bis zu den Hausgärten.

Ein weiterer Lokalaugenschein am Maisacker und im Gemüsegarten von Christian Polz, Obmann des Pflanzenbauausschusses in der BH Deutschlandsberg, zeigte erneut den dramatischen Befall durch den Maiswurzelbohrer und die Auswirkungen auf.
„Der Maiswurzelbohrer stellt eine nicht zu unterschätzende Gefahr im Maisanbau dar und kann einen Ernteausfall bis zu 100 Prozent verursachen", unterstreicht Maria Pein, die als Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer Steiermark ebenfalls vor Ort war, begleitet von den Bezirkskammerobleuten Gerald Holler (Leibnitz) und Karl Heinz Knaß (Deutschlandsberg).


Doppelte Schädigung

"Das sind Pest und Cholera zugleich", spricht Knaß die doppelte Schädigung an. Einerseits frisst die Larve nämlich die Wurzel ab und bewirkt so eine Destabilisierung der Pflanze.
Die Käfer selbst, die ab Ende Juni schlüpfen, fressen die Kolbenfäden, und verursachen so eine Befruchtungsstörung. Der weibliche Käfer, welcher im Durchschnitt bis zu 1.000 Eier legt, hat so gut wie keine natürlichen Feinde. Die Käfer schädigen nicht nur die Maispflanzen, sondern fressen auch an Kürbisblüten oder Pflanzen im Garten bis hin zum Grünland. "Die Hirse ist zu 80 % geschädigt", bedauert Polz und Andreas Masser, Landwirt aus Wettmannstätten verbucht einen 30prozentigen Ausfall beim Mais. "Das ist zuviel, vor allem bei der aktuellen Preissituation", so Masser. So könnten manche bäuerlichen Betriebe durch derartige Ernteausfälle in ihrer Existenz betdroht werden, vor allem da laut Maria Pein keine Entschädigungszahlungen geplant sind.
Die Einbußen beim Kürbis sind derzeit nicht absehbar. Außerdem bleibt ungewiss, ob der Maiswurzelbohrer an manchen kernlosen Früchten auch wirklich schuld ist.


Fruchtfolge und Mittel für Forschung gefordet

"Wir setzen alles daran, dass die Fruchtfolge sowie die Forschung vorangetrieben werden", betont Gerald Holler, der im Bezirk Leibnitz seit dem Vorjahr den Käfer kennt und heuer einem noch stärkeren Befall als im Bezirk Deutschlandsberg gegenüber steht.


Scheibenwischer an

Hier müssen manche Landwirte sogar mit Scheibenwischern gegen die Käfer auftreten, wenn sie jetzt mit den Erntemaschinen ausfahren. Holler befürchtet heuer einen Ausfall von 20 % im Bezirk Leibnitz, wo 10.000 Hektar Mais angebaut werden.

Task Force gegen den Maiswurzelbohrer

Die Landwirtschaftskammer Steiermark hat nach den unerwartet hohen Schäden eine Task-Force eingesetzt mit dem Ziel, den Maisanbau als Rückgrat der steirischen Landwirtschaft abzusichern und die vorhandenen Bekämpfungsmaßnahmen zu erhalten.
Die Landwirtschaftskammer hat eine Befragung bei den Maisbauern gestartet, um die Gründe für das unterschiedlich starke Auftreten des Maiswurzelbohrers in den verschiedenen Regionen zu eruieren. Alle Maisbauern sind aufgerufen, den Fragebogen unter www.lub.at auszufüllen.
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